Dienstag , 29. September 2020
Reiner Jilg prüft die Qualität des Komposts auf dem GfA-Gelände. Kompost ist ein Bodenverbesserer, speichert fünfmal mehr Wasser, als herkömmlicher Sandboden. Foto: t&w

Kompost gegen Trockenheit

Bardowick. Den lang ersehnten Regen kann Reiner Jilg nicht herbeizaubern! Aber der 55-Jährige weiß, wie man Böden auf lang anhaltende Trockenperioden besser vor bereiten kann. Kompost heißt das „Wundermittel“. Ein Naturprodukt, „das im Vergleich zu normalen Böden die bis zu fünffache Menge an Wasser speichern kann“, erklärt Jilg, beim kommunalen Abfallentsorger GfA mit Sitz in Bardowick zuständig für den Vertrieb. Knapp 20.000 Tonnen des „Gärtner-Goldes“ hat die GfA im vergangenen Jahr vermarktet. „Hauptabnehmer ist die Landwirtschaft“, sagt Jilg – „vor allem Biobauern aus dem Landkreis Uelzen und dem Wendland.“ Aber auch private Gartenbesitzer können Kompost bei der GfA kaufen – vom 6. bis zum 20. Oktober sogar zum halben Preis.

Kompost ist aber nicht nur ein hervorragender Wasserspeicher: Kompost trägt zur Humusbildung bei, der wiederum ein hervorragender Kohlenstoffspeicher ist. „Gesunde Böden mit einem hohen Humusanteil geben deutlich weniger Co₂ in die Atmosphäre ab als sandige, ausgelaugte Böden“, erklärt Reiner Jilg.

In diesem Jahr wird die Grünmenge geringer ausfallen

Jetzt im frühen Herbst ist Gartenzeit. Gehölze werden zurück geschnitten, Stauden gekappt, verblühte und vertrocknete Pflanzenteile entfernt – die Gärten aufgeräumt und für den Herbst und Winter vorbereitet. Dabei fällt der Ausgangsstoff für den wertvollen Kompost an – Grünabfälle aus dem Landkreis: Im Minutentakt kommt die Biomasse auf dem Grünabfall-Platz der GfA in Bardowick an. Angeliefert von den großen GfA-Fahrzeugen, aber auch von Privatleuten mit ihren kleinen Anhängern. Insgesamt 35.000 Tonnen Grünabfall waren es im vergangenen Jahr, die auf der Deponie angefahren und zu Kompost verarbeitet wurden. „In diesem Jahr wird die Grünmenge wohl etwas geringer ausfallen“, vermutet Jilg – wegen der langen Trockenheit. Denn wo nichts mehr wächst,und alles vertrocknet ist, muss auch kein Rasen gemäht, kein Strauch zurück geschnitten werden.

Die angelieferten Grünabfälle werden zunächst geschreddert, bevor es in die Kompostierung geht. Dabei wird die Biomasse hygienisiert, ein Prozess, der laut Jilg mindestens sechs bis acht Wochen in Anspruch nimmt. Entscheidend dabei sei, dass die Kerntemperatur in den aufgesetzten Mieten 60 Grad Celsius erreicht, mindestens aber 55 Grad über einen Zeitraum von drei Wochen. Das tötet die unerwünschten Sämlinge ab. „Gehölze, die dicker als 40 Millimeter sind, werden später ausgesiebt und „wandern in eine spezielle Verbrennungsanlage“, erklärt Jilg. Mindestens noch zweimal wird das Material umgesetzt, bevor es als fertiger Kompost vermarktet wird.

Kompost wird von einem unabhängigen Labor beprobt

Während des gesamten Prozesses werde der Kompost von einem unabhängigen Labor beprobt – um das RAL-Prüfzeichen für Kompost zu erhalten. „Bei allen Analysen war nicht eine Probe dabei, die nicht die höchsten ‚Bioland-Anforderungen‘ erfüllt hat“, sagt Jilg.

Wichtig ist dieses Prüfzeugnis für Landwirte, die den Ertrag ihrer Felder mit dem grobkörnigen Frischkompost steigern wollen, statt mit Kunstdünger oder Gülle. Denn gerade letztere ist auf sandigen, ausgelaugten Böden eine Gefahr für das Grundwasser. „Bei Gülle sind die Nährstoffe zwar sofort pflanzenverfügbar“, erklärt Jilg, „doch was nicht zum Pflanzenwachstum gebraucht wird, sickert durch bis in unser Grundwasser.“

Anders beim Kompost, bei dem die Nährstoffe nicht sofort pflanzenverfügbar seien. Trotzdem ist auch der Kompost in der Düngemittelverordnung aufgeführt. In Niedersachsen wird er zu 30 Prozent bei Ausbringung angerechnet, obwohl er nur fünf bis sechs Prozent Stickstoff abgibt. Jilg sieht in Kompost daher auch weniger einen Dünger, als vielmehr einen „hervorragenden Bodenverbesserer“. Er wünscht sich daher, dass der Kompost aus der Düngeverordnung herausgenommen wird. „Dann wird er für konventionelle Landwirte interessanter“, ist der GfA-Experte überzeugt. Das käme den Böden und dem Grundwasser zugute.

Von Klaus Reschke