Sonntag , 1. November 2020
Das fahrradunfreundliche Kopfsteinpflaster in der Salzstraße am Wasser war einer der Kritikpunkte, die bei der Radtour mit Detlev Schulz-Hendel (li.) und Claudia Schmidt (vorn) angesprochen wurden. (Foto: t&w)

Mehr Rücksicht, Geld und Gleichberechtigung

Lüneburg. Lästiges Hoppelpflaster, hinderliche Umlaufsperren, nervige Ampelschaltungen, steile Fahrradrampen – Lüneburgs Radfahrer kommen schnell ins Stöhnen. Vor allem in der engen Innenstadt klagen sie seit langem über zu wenig Rücksichtnahme und fordern mehr Gleichberechtigung gegenüber Autofahrern. Mitfühlende Unterstützung bekamen sie am Sonnabend von Detlev Schulz-Hendel. Dabei überraschte der Landtagsabgeordnete der Grünen auch mit ungewohnten Positionen.

„Vielleicht wäre es besser, die Parkplätze an den Sülzwiesen doch nicht kostenpflichtig zu machen“, sagte Detlev Schulz-Hendel und erntete prompt ungläubige Blicke aus der kleinen Runde, die nach der einstündigen Radtour durch die Stadt zu einer Abschlussbesprechung zusammengeblieben war. Schulz-Hendel hatte zu dieser Tour eingeladen, um sich selbst ein Bild von der Radverkehrssituation in Lüneburg zu machen. Zuvor ist er bereits im Landkreis Harburg und in Hannover unterwegs gewesen.

„Es gibt immer noch zu viel Autoverkehr in Lüneburgs Innenstadt“, begründete Schulz-Hendel seinen Sülzwiesen-Ansatz. Die dortigen Parkplätze sollten nicht für Leute bereitgehalten werden, die sich das Parken leisten können, sondern für kostenlosen Park & Ride-Verkehr. Überhaupt gelte es, mehr vernetzt zu denken, deshalb mache er sich auch für die Reaktivierung der Bahnstrecke Lüneburg-Amelinghausen stark.

Wunsch nach einem Radweg durch den Kurpark

Wo die Radfahrer in Lüneburg der Schuh drückt, hatte er zuvor erfahren. Angeführt von Claudia Schmidt, Ratsfrau und verkehrspolitische Sprecherin im Kreisverband der Grünen, radelte die knapp 20-köpfige Gruppe zu neuralgischen Punkten in der Stadt, von der kopfsteingepflasterten Salzstraße am Wasser zur Unterführung der Bockelmannstraße am Lösegraben, über die Scholze-Kreuzung bis zum Bahnhof.

Überall wurden Verbesserungen für Radfahrer angemahnt, von sinnvolleren Ampelschaltungen über flachere Rampen bis zu mehr Parkhäusern und mehr Regionalzüge nach Hamburg, wie Tobias Neumann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Niedersachsen (ADFC) forderte. „Wir wollen eine Stadt für alle, nicht nur für Autofahrer“, forderte eine Teilnehmerin, ein anderer regte mehr Kontrollen in Fußgängerzonen an, „in Spanien macht man das mit Video-Kameras. Wer erwischt wird, zahlt 90 Euro“, sagte Hans-Joachim Schröder aus Bardowick. Und der ebenfalls mitradelnde Herbert Klement (84) aus Lüneburg wünschte sich „endlich einen Radweg durch den Kurpark“.

Schulz-Hendel forderte die Kommunen auf, zukunftsfähige Radverkehrskonzepte zu entwickeln. Dabei sollten sie vom Land unterstützt werden. Die rot-schwarze Landesregierung setze aber andere Schwerpunkte: „Der 12-Millionen-Euro-Fördertopf für Radschnellwege wurde ersatzlos gestrichen“, kritisierte Schulz-Hendel. Zwar sei anzuerkennen, dass das Land die GVFG-Mittel auf 150 Millionen Euro aufgestockt habe, „davon sollten aber 15 Millionen Euro klar nur für das Rad ausgegeben werden“.

Fragenkatalog an die Landesregierung

Wie die Landesregierung in Sachen Radverkehrsentwicklung vorgehen will, darüber soll nun eine 158 Fragen umfassende „Große Anfrage“ Auskunft geben, die Schulz-Hendel mit dem ADFC erarbeitet hat. „Die Antworten erwarten wir im Oktober, aus ihnen werden wir unsere 15 Kernthemen herausarbeiten.“

Von Ulf Stüwe