Donnerstag , 24. September 2020
Bela B, hier im Gespräch mit der C2C-Kongress-Moderatorin Angela Elis, fand beim Publikum viel Zustimmung für seine Gedanken über den Stoffkreislauf von morgen. (Foto: t&w)

Nicht mit dem Hammer drohen

Lüneburg. „Wenn Du was machen willst, musst Du‘s positiv darstellen und darfst nicht mit dem Hammer drohen.“ Auf diese einfache Formel brachte Bela B, Mitglied der deutschen Punk-Rock-Band „Die Ärzte“, auf den Punkt, wie aus seiner Sicht die Idee des „Cradle to Cradle“ (C2C) fortgeschrieben werden sollte. Am Sonnabend war der Musiker prominenter Gast bei der Abschlussveranstaltung des zweitägigen C2C-Kongresses an der Leuphana Universität in Lüneburg.

Dass mahnende Worte nicht viel bewegen, davon zeigte sich Bela B im gut gefüllten Auditorium der Universität überzeugt: „Es ergibt keinen Sinn, wenn ich bei einem unserer Konzerte einen 20-minütigen Vortrag halte, wie wir leben sollten. Das will keiner hören.“ Vielmehr müsse man den Menschen ein „gutes Gefühl verkaufen“ – und Produkte anbieten, „die politisch korrekt sind“.

Bei C2C, übersetzt „von der Wiege zur Wiege“, geht es darum, Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen, sondern alle Produkte schon bei der Herstellung so zu entwickeln, dass sie dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt werden können.

Wie das sogar bei einer Band gehen kann, sagte Bela B, der erst vor einer Woche in den Cradle-to-Cradle-Beirat berufen wurde, auch: „Indem wir klimaneutrale Tourneen planen oder T-Shirts verkaufen, die auf der Idee des C2C basieren.“ Denn beim sogenannten Merchandising, dem Verkauf von Fan-Artikeln, würden von vielen schon seit Jahren immer mehr umweltverträgliche Produkte nachgefragt. Und er ging noch einen Schritt weiter: „Ich werde mich in meiner Band dafür einsetzen, dass wir dafür auch irgendein Zertifikat bekommen.“ Dafür gab es dann auch anerkennden Beifall aus dem meist jungen Publikum, das begeistert den Worten des populären und umweltengagierten Musikers lauschte.

Die Idee von der eigenen Pilzzucht

Doch man müsse bei dem, was man macht, auch genau hinschauen, sagte Bela B mit Blick auf die von ihm ebenfalls unterstützte Wasserinitiative „Viva con Agua“. So habe man erst im Nachhinein erfahren, dass die schwarze Druckerfarbe, mit der Appelle auf Toilettenpapier gedruckt worden waren, umweltschädliche Stoffe enthielt. „Das haben wir natürlich geändert. Und: wir haben gesehen, dass vieles leichter geht als zunächst geglaubt.“

Eine positive Bilanz des Kongresses zog C2C-Initiator Michael Braungart. „Die Resonanz ist überwältigend.“ Dieser Kongress tue aber nicht nur der Uni, sondern der ganzen Stadt gut, sagte Braungart, der selbst an der Leuphana lehrt, gegenüber der LZ. „Nicht nur die Roten Rosen nutzen der lokalen Wirtschaft.“ Allerdings gelte es, den Kongress auch an der Uni zu halten. Wie berichtet, beklagt er hohe Saalmieten an der Universität.

Überhaupt findet Baungart, sei an der Uni ein Wechsel weg von der Nachhaltigkeit hin zu C2C erforderlich. „Nachhaltigkeit ist zwar die Basis für C2C, aber relativ langweilig.“ Er sei aber zuversichtlich, dass dies gelinge, auch weil Lüneburg zu seiner Universität stehe „und die Studenten liebt“. Das sei nicht selbstverständlich.

Die praktische Anwendbarkeit von C2C will der Wissenschaftler schon bald in seinem „Museum der Zukunft“ demonstrieren, das derzeit in der Lüneburger Papenstraße entsteht. Dort will Braungart ein Pilz-Restaurant eröffnen, die Pilze sollen im Keller gezüchtet werden. „Sie liefern viel mehr und viel gesünderes Eiweiß als Fleisch.“

Von Ulf Stüwe