Samstag , 19. September 2020
Da steckt viel Kreativität und Arbeit drin: Mit diesem Wagen sicherte sich die Wagenbaugemeinschaft Eichhof den ersten Platz beim Wettbewerb der Festwagen. Foto: t&w

„Dieses Fest gehört einfach dazu“

Bardowick. Was ihm das Erntedankfest bedeutet? Benjamin Cohrs überlegt einen Moment. Und dann sagt der Bardowicker, was an diesem Tag viele Wagenbauer und Besuc her auf diese Frage antworten: „Tradition. Dieses Fest gehört einfach dazu.“ Cohrs strahlt. Und Töchterchen Leona, die neben ihm auf dem Treckerreifen sitzt, beißt genussvoll in eine Möhre. Die nächste Generation stimmt sich offenbar schon mal ein, um diese Tradition in die Zukunft zu führen.

Seit 1951 gibt es das Ernte dankfest in Bardowick, immer am dritten Sonntag im September, das größte Fest im Domflecken. Dieses Jahr war es die 67. Auflage – und auch die zog am Sonntag wieder mehrere tausend Besucher in den Ort. Ein Höhepunkt war wie gewohnt der Festumzug, mit 26 Wagen „deutlich größer als in den Vorjahren“, sagt der Vorsitzende des ausrichtenden Bardowicker Gemüsebauverein, Hermann Bardowicks. Der Grund für die neue Lust am Wagenbau? So ganz genau kann auch Bardowicks das nicht sagen, doch ein Trend sei ganz klar erkennbar: Viele Wagenbauer, die als Kinder schon dabei waren, setzten die Tradition nun fort.

Ein Flugzeug aus Blüten

Das Ergebnis ist beeindruckend – und begeistert, egal ob Kind oder Greis. Ein Flugzeug aus Blüten, ein Domflecken im Miniaturformat, ein überdimensionaler Thron für die Wurzelkönigin, das waren nur drei der mehr als zwei Dutzend kunstvollen Festwagen. Vom Festplatz aus zogen sie am Dom vorbei durch den Ort, um sich zum Abschluss Seite an Seite am Platz aufzustellen. Eine bunte Kulisse für das Showprogramm der sechs Musikgruppen – und einen weiteren Höhepunkt des Erntedankfestes: die Verabschiedung der alten und die Kür der neuen Wurzelkönigin.

Ein Jahr lang trug Pauline Gehrke die Krone, repräsentierte gemeinsam mit ihrer Hofdame Sophie Kehr den Domflecken im ganzen Land. Am Sonntag hieß es nun Abschied nehmen, kein leichter, wie die Tränen verrieten, die der jungen Frau bei der Übergabe von Mantel und Diadem über die Wangen liefen. „Es tut ein bisschen weh“, gestand sie denn auch und erklärte: „Es war ein wirklich schönes Jahr als Wurzelkönigin.“

Um kurz vor 16 Uhr stand die neue Wurzelkönigin fest

Das liegt nun vor einer anderen: Verena Burmester, 22 Jahre alt, aus Bardowick. Sie ist vom Gemüsebauverein auserkoren worden als neue Wurzelkönigin und wird gemeinsam mit ihrer Hofdame und Schwester Valerie (16) den Domflecken nun ein Jahr lang vertreten. Eine neue Aufgabe im Leben der jungen Frau, die in einer Bäckerei in Lüneburg arbeitet und der es eine „Herzensangelegenheit“ ist, wie sie sagt, das Amt gemeinsam mit ihrer Schwester wahrzunehmen.

Pauline Gehrke (l.) krönt die neue Wurzelkönigin Verena Burmester, deren Schwester Valerie ist ihre Hofdame. Foto: t&w

Um kurz vor 16 Uhr stand die neue Wurzelkönigin also fest – spannend blieb es trotzdem. Denn viele fragten sich: Welchen Festwagen haben die sieben Preisrichter in diesem Jahr zum Sieger gekürt? Das Ergebnis: Den ersten Platz sicherte sich die Wagenbaugemeinschaft Eichhof mit ihrem Nachbau des Daniel-Freese-Stichs von Bardowick. Auf Platz zwei landete die Wagenbaugemeinschaft Stefan Kruse mit ihrem Lichterbogen. Und Platz drei ging an die Wagenbaugemeinschaft „Das Wurzelteam“ mit ihrem Wagen unter dem Motto „Bauer ärgere dich nicht.“

Von Anna Sprockhoff