Montag , 28. September 2020
Eine junge Amsel. (Foto: Wege)

Amsel-Virus erreicht Lüneburg

Lüneburg. Nachdem in den letzten Wochen das Amselsterben vor allem in Hamburgs Süden für Schlagzeilen sorgte, berichten Anwohner Lüneburgs nun auch von Funden, die zu dem Krankheitsbild passen. Vom Usutu-Virus befallene Vögel erkennt man daran, dass sie apathisch wirken und nicht mehr flüchten, äußerlich jedoch unversehrt sind. Sie sterben meist innerhalb weniger Tage an Organversagen. Die Krankheit lässt sich bislang noch nicht behandeln, weil die Wissenschaft zu wenig darüber weiß.

Laut Frank Allmer vom Naturschutzbund Lüneburg ist der Auslöser für die Verbreitung des ursprünglich exotischen Virus vermutlich der warme Sommer. Der Usutu-Erreger wird von heimischen Mücken übertragen. Das Virus wandert in die Eier der Mücken, sodass bereits die schlüpfenden Larven infiziert sind. Auch Menschen können sich durch Mückenstiche mit dem Virus infizieren. Allerdings: „Wie bei den meisten durch Stechmücken übertragenen Viren kommt es nur sehr selten zu schweren Erkrankungen“, so Dr. Renke Lühken, Arbovirologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Bestätigte Fälle auch aus Winsen und Stelle

Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass das Usutu-Virus inzwischen auch im Landkreis Lüneburg grassiert. „Alles andere würde mich wundern“, so Lühken. „Die Verbreitung ist ganz ausgeprägt in Harburg, wir haben inzwischen auch bestätigte Fälle aus Winsen und Stelle.“ Um die tatsächliche Ausbreitung des Virus dokumentieren zu können, sei es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können. „Besonders viele Einsendungen bekommen wir natürlich aus den Ballungsgebieten wie Bremen und Hamburg, weil da viele Menschen leben. Umso wichtiger ist es für uns, dass sich auch Leute aus den ländlichen Gebieten bei Funden melden, sonst entstehen für uns leicht blinde Flecken.“

Er bittet dringend um die Zusendung verdächtiger Vogelkadaver, andernfalls kann auch Kontakt zum örtlichen Fachdienst Veterinärwesen oder dem Nabu Lüneburg aufgenommen werden. Tote Vögel sollen nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte gegriffen werden. ls