Samstag , 31. Oktober 2020
Die Fähre „Tanja“ hat schon vor Wochen den Betrieb eingestellt, weil die Elbe zu wenig Wasser führt. (Foto: t&w)

Plädoyer für neue Fähre und Fährkanal

Neu Darchau. Schon seit Wochen liegt die Fähre „Tanja“ wegen des Niedrigwassers der Elbe am Neu Darchauer Anleger fest. Wer auf die andere Seite will, muss lange Umwege in Kauf nehmen, was zuletzt auch wieder die Debatte um den möglichen Bau einer Elbbrücke bei Neu Darchau anheizte beziehungsweise überhaupt wieder aufs politische Tableau brachte.

Jetzt hat sich Neu Darchaus Bürgermeister Klaus-Peter Dehde (SPD) mit einem offenen Brief an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) gewandt und diesen um Unterstützung für die Gemeinde gebeten: nicht für die Umsetzung der Brückenpläne, sondern beim Kauf einer kleineren Fähre, die auch bei Niedrigwasser zumindest Personen über den Strom setzten kann. Und: Die Elbe beziehungsweise der Fährkanal zwischen Neu Darchau und Darchau müsse so ausgebaggert werden, dass künftig auch die „Tanja“ bei jedem Wasserstand fahren kann.

Zumindest den Personenverkehr sicherstellen

„Für unsere Mitarbeiter müssen wir Kurzarbeit anmelden, unsere Kunden müssen weite Umwege fahren und für Schülerinnen und Schüler stellt die Situation eine besondere Belastung dar“, betont Dehde in seinem Brief. Allein der gemeindeeigene Fährbetrieb verliere dadurch rund 50 000 Euro Umsatz im Monat. Geld, das „aktuell in einer ähnlichen Dimension wie für manchen landwirtschaftlichen Betrieb“ fehle. Eine Lösung könnte laut Dehde das Beschaffen eines „kleineren Fährgefäßes mit niedrigem Tiefgang“ sein, dass zumindest ein Personenverkehr gewährleistet werden könne, um „für Berufspendler im Nahbereich und den Schülerverkehr“ Erleichterungen zu schaffen. „In diesem Zusammenhang wäre es erforderlich, durch Unterhaltungsarbeiten im Elbestrom den Fährkanal so freizuhalten, dass bei den wechselnden Bedingungen des Niedrigwassers auch die Lastenfähre ihren Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen kann“, stellt Dehde heraus.

Kritik übt Dehde zudem am „Niedrigwassertourismus“ zahlreicher Vertreter der im Niedersächsischen Landtag vertretenen Parteien – auch der SPD – die sich „vor der durch zahlreiche Medienveröffentlichungen bekannt gewordenen Elbfähre Tanja ablichten“ lassen und „unrealistische Forderungen nach einer Brücke“ erheben würden. Dieses „Sommertheater“ lehne er ab, so Dehde, zumal selbst wenn die Brücke doch gebaut werden sollte, „würde noch für Jahre eine funktionierende Fährverbindung benötigt“ werden.

Von Rouven Groß