Freitag , 18. September 2020
Lange Zeit Sorgenkind, jetzt wieder nachgefragt: der Hafen Lüneburg am Elbe-Seitenkanal. (Foto: Hafen Lüneburg GmbH)

Freude und Frust im Lüneburger Hafen

Lüneburg. Eigentlich könnte Oberbürgermeister Ulrich Mädge richtig strahlen. Am Donnerstag stellte er gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Hafen Lüneburg GmbH, Lars Strehse, zwei Unternehmen vor, die im Hafen wachsen wollen. Doch die steigende Attraktivität des Hafens, lange Zeit Sorgenkind der Stadt, scheint nun selbst zum Problem zu werden: Für die stark steigende Nachfrage fehlen die Flächen.

„Wir hätten gern eine doppelt so große Fläche erworben“, erläutert Klaus Bockelmann, Geschäftsführer der in Lüneburg ansässigen Bockelmann Holz GmbH. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern ist in den Bereichen Rohholzhandel, Energie- und Recyclingholz aktiv, beliefert Kunden der Holzwerkstoff-, Papier- und Zellstoffindustrie in ganz Norddeutschland. 1,5 Millionen Festmeter Holz schlägt das Unternehmen pro Jahr um. 88 Prozent davon werden auf der Straße befördert, 10 Prozent per Bahn und nur 2 Prozent per Schiff. Das soll sich nun ändern, „allein schon wegen der steigenden Mautkosten und fehlender Lkw-Fahrer müssen wir verstärkt aufs Schiff setzen“.

Auch in Hamburg und Uelzen geht nichts

Doch die dringend benötigten Flächen seien weder im Hafen Uelzen noch in Hamburg zu bekommen. „Deshalb sind wir froh, jetzt hier zum Zuge gekommen zu sein“, sagt Bockelmann. 1,3 Hektar hat das Unternehmen im östlichen Hafengebiet von der Stadt erworben. In Kürze soll mit der Sanierung der Freifläche begonnen werden. Auch zusätzliche Mitarbeiter sollen eingestellt werden.

Eine ebenso große Fläche gleich nebenan hat das Unternehmen Link Substrat Produktion und Handels GmbH erworben. Das Unternehmen produziert Erden und Substrate für den Garten- und Landschaftsbau, insbesondere für die Dachbegrünung. Das Material stammt aus der Eifel, wird per Schiff nach Lüneburg zur Verarbeitung gebracht und geht von hier per Lkw zu den Kunden – künftig etwa 20 Transporte täglich.

„Wir haben uns verschiedene Standorte in Norddeutschland angeschaut, Lüneburg hat aber am schnellsten reagiert“, erläutert Geschäftsführer Martin Link. Auch er will schnellstmöglich das neu erworbene Areal für den eigenen Bedarf anpassen und dazu einen Teil der vorhandenen Hallen abreißen. Der aktuelle, „aber leider zu kleine“ Standort im Hafen soll mittelfristig aufgegeben werden. Die Mitarbeiterzahl soll von derzeit drei auf künftig zehn steigen.

Oberbürgermeister Mädge begrüßte die Entscheidungen der beiden Unternehmen für den Standort Lüneburg, die den wieder wachsenden Hafen-Umschlag von zuletzt 336 000 Tonnen im Jahr voraussichtlich um weitere rund 30 000 Tonnen steigern werden. Mit rund 1,3 Millionen Tonnen habe der Hafen aber noch ausreichend Luft nach oben, wie Hafenchef Lars Strehse erklärte.

Stockende A39-Planung behindert Hafenerweiterung

Umso bedauerlicher sei es daher, dass die Stadt die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen im Hafengebiet nicht bedienen könne. „Das liegt aber nicht an uns, sondern an der A 39-Planung, die seit Jahren nicht von der Stelle kommt“, erläutert Mädge. Lange schon habe man Flächen südlich der B 216 im Blick, „so lange aber das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn nicht abgeschlossen ist, können auch wir nicht planen und den Unternehmen auch nichts anbieten“.

Für zwischenzeitliche Erleichterung soll nun eine weitere Hafenzufahrt im Süden sorgen. Diese sei für Unternehmen ohne direkte Hafenanbindung gedacht und soll für Entflechtung mit den anderen Unternehmen sorgen, erläuterte Strehse.

Von Ulf Stüwe

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