Montag , 28. September 2020
Sie wollen das Tor für die Brücke öffnen: Stefan Birkner (v.l.), Berni Wiemann, Gisela Plaschka, Jörg Bode und Jörg Sohst. (Foto: mr)

Wer schießt den Ball jetzt ins Tor?

Neu Darchau. Berni Wiemann von der Kreistags-Arbeitsgemeinschaft Elbquerung bemüht für die Situation ein Bild aus der Fußball-Welt: „Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt.“ Für die beiden Gäste aus Hannover ist am Montagnachmittag das Problem aber auch direkt offenkundig: FDP-Landes- und Fraktionschef Stefan Birkner und der wirtschaftspolitische Sprecher Jörg Bode stehen in Neu Darchau vor der Fähre Tanja, die seit mehr als einem Monat hier festliegt. Am Morgen hatte auch die „Amt Neuhaus“ in Bleckede ihren Betrieb eingestellt. „Spätestens jetzt zeigt es sich, dass die Brücke nötig ist“, entfährt es Birkner.

„Es geht um die Menschen im Amt Neuhaus, aber eine Brücke verbindet weit mehr“, unterstreicht FDP-Kreistagsfraktionschefin Gisela Plaschka. „Lüneburg explodiert. Es fehlen Wohnraum und Fachkräfte. Auf der anderen Elbseite gibt es beides“, ergänzt Wiemann und macht zugleich deutlich, dass der Brückenschlag auch für Mecklenburg-Vorpommern ganz andere Effekte haben werde als bei der Dömitzer Brücke. „Da ist auf beiden Seiten tote Hose, da hilft auch keine Brücke“, beschreibt es „Brücken bauen“-Vorsitzender Jörg Sohst.

Die Elfmeterfrage

Wirtschaftspolitiker Bode drückt es etwas diplomatischer aus und spricht von „anderen Voraussetzungen. Zugleich macht er die Verpflichtung für die Politik deutlich, gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen. Und dazu gehöre auch eine „vernünftige Infrastruktur“.

Bleibt die Elfmeterfrage. „Es wäre fatal, wenn die Landespolitik jetzt nichts aufs Spielfeld geht“, betont der FDP-Landeschef. In Abstimmung mit dem Bund und mit breiter Unterstützung aus dem Landkreis müssten in diesem Herbst die Pflöcke eingeschlagen werden. Dazu gehöre auch die Bereitschaft im Landtag „bei den nächsten Haushaltsberatungen mal ins Obligo zu gehen“, findet Bode. Birkner betont, dass man starten solle. Die noch offenen sechs bis sieben Millionen Euro seien „ein Risiko, das es mir wert ist“.

Birkner und Bode waren selbst bereits Landesminister und sind erfahrene Strippenzieher in Hannover. Sie halten es für sinnvoll, dass das Land eine Verständigung mit Mecklenburg-Vorpommern sucht. Da sei auch der Ministerpräsident gefragt. Und als ehemalige Ressortchefs wissen sie auch, dass Planung und Bau der Brücke in diesem Gebiet anspruchsvoll sind. „Aber es gibt da nichts, was nicht unmöglich ist“, betont Ex-Wirtschaftsminister Bode.

Von Marc Rath