Oberstleutnant Michael Hoppstädter bittet zum Tag der offenen Tür in die Kaserne. Nahe der Wache wollen Militärgegner demonstrieren. (Foto: t&w)

Eine Demo zum Tag der offenen Tür

Lüneburg. Es ist die übliche Verbindung: Die Bundeswehr lädt zu einer öffentlichen Veranstaltung, dagegen formiert sich Protest. Am Sonnabend, 18. August, bittet das Aufklärungslehrbataillon zu einem Tag der offenen Tür in die Theodor-Körner-Kaserne am Ende der Bleckeder Landstraße. Standortältester Oberstleutnant Michael Hoppstädter rechnet mit rund 3000 Besuchern, die unter anderem zur Waffen- und Geräteschau kommen und mit den Soldaten ins Gespräch kommen möchten. Einen musikalischen Rahmen setzt das Lüneburger Stadtorchester, das nach der Auflösung des Heeresmusikkorps 3 dessen ehemalige Proberäume nutzen kann. Hoppstädter sagt: „Im vergangenen Jahr fand der Rückkehrer-Appell auf dem Marktplatz statt, in diesem Jahr laden wir zu uns in die Kaserne ein.“

Angesagt haben sich auch Demonstranten. Das Lüneburger Bündnis gegen Militarismus kritisiert: „Ein vergnügungsreiches Fest im Kasernengelände verschleiert die eigentliche Verwendung von Soldatinnen und Soldaten und ihren Waffen: Kriegsgerät ist zum Töten da, und Soldaten werden dazu ausgebildet, damit auf andere Menschen zu schießen. Somit ist die Bundeswehr kein normaler Arbeitgeber, wie sie mit immer neuen Werbefeldzügen glaubhaft machen will.“ Bis zu 100 Militärgegner werden erwartet. Die Polizei geht von friedlichem Protest aus: „Aber wir behalten das im Blick.“

Keine Anzugkontrolle

Das Ganze hat eine gewisse Ironie. Die Demonstranten dürfen sich nahe der Wache versammeln. Da auch das Areal vor dem Zaun eine Liegenschaft der Bundeswehr ist, hätte Hoppstädter sein Hausrecht ausüben und den Protest quasi ein paar Hundert Meter abdrängen können. Etwas Ähnliches ist ihm passiert: Als er im Juni an einer bundeswehrkritischen Veranstaltung des „Vereins zur Förderung von Kommunikation und Streitkultur“ teilnehmen wollte, war ihm und seinen Begleitern der Zugang verwehrt worden: Teilnehmer in Uniform seien nicht erwünscht. Der Oberstleutnant hatte das damals kritisiert: Zur Demokratie gehöre, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.

Der Offizier sagt: „Bei uns gibt es keine Anzugkontrolle. Wir sind eine Armee der Demokratie, Demokratie lebt vom Dialog – da kann man auch kundtun, dass man die Bundeswehr für etwas Schlechtes hält.“ Er stellt allerdings auch klar: Nicht hinnehmbar sei es beispielsweise, wenn die Zufahrt blockiert werde: „Das ist ein Rettungsweg.“ Der Tag der offenen Tür dagegen solle mit dazu beitragen, die Bundeswehr und die in Lüneburg stationierten Truppenteile und Verbände wieder mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, heißt es in einer Ankündigung. Deshalb setze man von 11 Uhr an auf ein vielfältiges Programm. Einlass ist bereits um 10.30 Uhr.

Von Carlo Eggeling