Samstag , 24. Oktober 2020
So soll die Arena Lüneburg Land aussehen. Grafik: Landkreis Lüneburg/ Architekturbüro Bocklage & Buddelmeyer

Bühne frei für den nächsten Arena-Akt

Lüneburg. Klaus Hoppe verkauft sich und sein Engagement gut. Und so klingt es fast paradiesisch, welche Zukunft der Geschäftsführer der Campus Management GmbH mit seinem Angebot für den Betrieb der Arena der Öffentlichkeit und somit der Politik eröffnet. Kurz gesagt: Fast alles geht. Die Bundesliga-Volleyballer können trainieren und spielen, Konzerte haben eine Bühne, Vereine, Organisationen, Firmen und Parteien könnten die Halle, wenn sie denn gebaut wird, für Veranstaltungen nutzen. Klar ist allerdings auch: Das Konzept, das Hoppe und seine Kollegen geschrieben haben, muss dieses Mal weitgehend in dieser Form von den Kreispolitikern abgenickt werden. Sonst war‘s das für Campus – dem einzigen Bieter im Verfahren.

Bleibt es bei Kosten von zehn Millonen Euro?

Wie berichtet, lief am Montag die Ausschreibungsfrist für den Betreibervertrag der Arena Lüneburger Land ab. Nur einer warf beim zuständigen Landkreis den Hut in den Ring: Hoppe. Landrat Manfred Nahrstedt hat eine entsprechende Vorlage für den Kreisausschuss vorbereitet, der tagt kommenden Montag. Lehnt das Gremium das Campus-Konzept ab, dann käme eine kommunale Betreibergesellschaft in Betracht. Die Baukosten wurden bislang mit gut zehn Millionen Euro kalkuliert, ob es dabei bleibt, scheint angesichts steigender Preise in der Baubranche zumindest fraglich.

Einen wichtigen Partner hat Hoppe bereits auf seiner Seite. Andreas Bahlburg, Vorsitzender des Volleyball-Erstligisten Spielvereinigung Gellersen (SVG) Lüneburg, zeigt sich hocherfreut. Bahlburg gegenüber der LZ: „Klaus Hoppe ist ein Localplayer, der weiß, wie die Region vor Ort tickt, welche Bedarfe und Bedürfnisse da sind.“ Der SVG-Boss sieht es positiv, dass sich „kein Konzern mit eingekauftem Personal“ um den Betrieb der Arena beworben hat. Zumal die geplante Multifunktionshalle Heim-Arena der SVG werden soll. Bahlburg weiter: „Wenn Klaus Hoppe von der Politik den Zuschlag erhält, bin ich der festen Überzeugung, dass das Ganze nicht zu sehr kommerzialisiert wird.“ Darüber hinaus stimme die Chemie zwischen dem SVG-Förderer Hoppe und den Volleyballern ohnehin. Campus zählt zu den Sponsoren des Vereins.

Agentur hat abgesagt

In seinem Papier macht Hoppe klar, dass der Kreis bei einem Nein und als eigener Gastronom auf Risiko fährt: „Arenen werden häufig in kommunalen Betreibergesellschaften organisiert, die jährliche Verluste von einer Million Euro (Stade) bis 4,4 Millionen Euro (Braunschweig) verursachen.“ Campus sei die Alternative: „Der in dieser Ausschreibung vom Landkreis vorgelegte Vertrag bietet der Kommune Sicherheit über ihren jährlichen Zuschussbedarf und beteiligt sie darüber hinaus am Gewinn des Betreibers. Bezüglich der jährlichen Pacht haben wir dem Landkreis ein, aus unserer Sicht, sehr faires Angebot unterbreitet.“ In welcher Höhe verrät er nicht.

Hoppe hatte sich bekanntlich schon einmal für die Arena beworben. Das wurde nichts. Der Kreis wollte mit dem Konzertveranstalter FKP Scorpio, der neben Stones-Konzerten auch gerade „A Summer‘s Tale“ in Luhmühlen gestemmt hat, eine enge Beziehung eingehen. Am Ende sagte die Agentur ab. Der Kreis und namentlich Verwaltungsmann Jürgen Krumböhmer mussten sich erneut auf die Suche machen.

„Klar ist es erst, wenn tatsächlich gebaut wird“

Und so gingen immer wieder Monate ins Land. Hoppe sagt nun, in der Ausschreibung des Kreises heiße es, dass die Halle Anfang 2020 in Betrieb gehen solle. Die Verwaltung betone, dass vieles vorbereitet sei, Baumaschinen im September rollen könnten. „Ein Vertrag wäre etwas anderes als eine Vereinbarung“, sagt Hoppe. Sprich: juristische Fakten. Hoppe fügt mit Blick auf das mehrfache Hin und Her der Parteien im Kreistag an: „Es war schon öfter alles klar. Am Ende ist es erst dann klar, wenn tatsächlich gebaut wird.“

Von Carlo Eggeling und Dennis Thomas

Die Fakten im Überblick

Vier Bausteine des Campus-Konzepts

Campus hat lange Erfahrungen mit dem Betrieb des Vamos und der Ritterakademie. So soll Kultur in die Arena einziehen. Kommen könnten etwa Ina Müller, Revolverheld und Jan Delay. Baustein 2 wären Disco-Partys für bis zu 3000 Besucher, die viermal im Jahr laufen könnten. Baustein 3 sind die Volleyballer. Sie würden auf einem Drittel der Fläche 36 Wochen im Jahr jeweils montags und dienstags trainieren, dazu an 15 Wochenenden spielen. Darum herum könne man Veranstaltungen planen. Dabei könnte es sich um – Baustein 4 – etwa um Firmenfeste, Abi-Bälle und etwa Flohmärkte handeln.

Entscheidend ist, dass Campus auf Ressourcen zurückgreifen kann. Als lokaler Akteur betreibt die Gesellschaft eine Großküche im alten Anna-Vogeley-Heim auf dem Bockelsberg, sodass die Arena nur eine „Aufwärm-Küche“ bräuchte. Die zu geringen Lagerkapazitäten könnte Campus mit seinen Hallen in Rettmer ausgleichen, etwa um Tische, Stühle und Bühnenteile zu lagern, die dann per Laster an die Lüner Rennbahn gebracht werden. ca

Nachgefragt

Froh über eine gute Bewerbung

Projektleiter Jürgen Krumböhmer. Foto: t&w

Lüneburg. Projektleiter für den Bau der Arena Lüneburger Land bei der Lüneburger Kreisverwaltung ist Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. Von ihm wollte die LZ wissen, wie es weitergeht und wie er den Stand der Dinge bewertet.

Worüber entscheidet am Montag der Kreisausschuss beim Thema Arena?
Jürgen Krumböhmer: Die Ausschussmitglieder beraten und entscheiden am Montag über die Zuschlagerteilung „Betreibervertrag“.

Welche Hürden sind aus Ihrer Sicht noch zu nehmen?
Keine.

Was hat aus Ihrer Sicht dazu geführt, dass sich am Ende nur ein Bewerber gefunden hat?
Wir sind froh darüber, dass wir eine gute Bewerbung erhalten haben. Bei anderen vergleichbaren Ausschreibungen gab es ebenfalls nicht sehr viele Bewerber, manchmal sogar gar keine.

Noch im Februar haben Sie mit den Worten „Wir holen die Bundesliga nach Lüneburg“ für den damals potenziellen Betreiber FKP Scorpio geworben. Der Hamburger Konzertveranstalter ist aus dem Rennen, in welcher Liga spielt der nun einzige Bewerber?
Hierzu verweist die Kreisverwaltung auf die Pressemitteilung der Campus Management GmbH. Wir schließen uns der Erklärung von Herrn Hoppe voll und ganz an.

Die ersten Leistungsverzeichnisse haben gezeigt, dass allein die Kosten für Heizung, Sanitäranlagen und Elektroarbeiten um rund 1,1 Millionen Euro höher ausfallen als geplant. Welche weiteren Aktualisierungen bei der Kostenschätzung gibt es?
Die letzte Baubesprechung zur Arena hat am vergangenen Donnerstag, 2. August, stattgefunden. Demnach ist nach derzeitigem Kenntnisstand in anderen Bereichen nicht mit einem vergleichbaren Kostenanstieg zu rechnen. ml

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/33364-arena-zug-rollt-wieder-an

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