Sonntag , 20. September 2020
Honig-Obmann Ludwig Schwab aus Lüneburg ist mit der Honigausbeute zufrieden. Foto: ada

Bienen summen trotz Rekordhitze

Lüneburg. Man hört es keuchen und hecheln dieser Tage. Temperaturrekorde und Trockenheit machen Mensch und Tier gleichermaßen zu schaffen. Vor allem die Landwir te der Region kämpfen mit den Folgen des trockenen Sommers. Doch eine Feld-, Wald- und Wiesenarbeiterin hält sich wacker: die Honigbiene.

„Nach dem, was ich bisher gehört habe, ist die Honigernte in diesem heißen Sommer nicht schlecht“, sagt Ludwig Schwab, Honig-Obmann des Kreisimkervereins Lüneburg. Wie viel Honig die Imker des Landkreises geerntet haben, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret sagen, die Erfahrung des Imkers Schwab zeige aber: „Die Honigbienen haben mit dem Wetter keine Probleme.“

Abstriche beim Heidehonig

Nur beim Heidehonig müssen Leckermäuler vermutlich schon bald Abstriche machen. „Nach aktuellem Stand ist die Heide so verbrannt und verdorrt, dass es ganz unwahrscheinlich ist, dass die Bienen aus der Heideblüte noch Honig gewinnen können“, vermutet Schwab. Stattdessen dürften die Verkaufsregale schon bald bis zur Oberkante mit dunklen, aromatischen Sommerhonigen gefüllt sein.

Der Grund: Wegen der anhaltenden Trockenheit standen diesen Sommer weit weniger Pflanzen als üblich in Blüte, sodass die Honigbienen kaum Nektar sammeln konnten. Infolge der Wärme haben sich stattdessen die Populationen verschiedener Läuse, wie Blatt- oder Schildläuse, deutlich erhöht. Sie ernähren sich vom Saft der Nadel- und Laubbäume und geben diesen als eine Art Zuckersaft, so genannter Honigtau, wieder ab. „Diese Zuckersubstanzen werden von Bienen besonders gerne aufgenommen. Das hat die Situation für die Bienen weitestgehend ausgeglichen“, erklärt Ludwig Schwab. Honig, der aus diesem Honigtau gewonnen wird, ist landläufig als „Waldhonig“ bekannt.

„Die Honigbienen haben mit dem Wetter keine Probleme.“ – Ludwig Schwab, Honig-Obmann des Kreisimkervereins

Viel wichtiger als der Nektar aber ist dem Honigobmann die gute Versorgung seiner Bienen mit Pollen. Sie werden für die Aufzucht der Bienenlarven benötigt und sind Grundvoraussetzung für die Langlebigkeit der neuen Bienengeneration. In der Region Lüneburg müsse man sich aber keine Sorgen machen. Selbst wenn die Pflanzen aufgrund des Wassermangels ihre Nektarproduktion einstellen, liefe die Pollenproduktion zunächst weiter, erklärt Schwab. Besonders hilfreich seien dabei die vielen von Landwirten angelegten Blühstreifen an Feld- und Ackerrändern im Landkreis.

von Anke Dankers