Donnerstag , 24. September 2020
Der Tukan gehört zu den Aushängeschildern des „Weltvogelparks Walsrode“ in Bomlitz. (Foto: A/t&w)

„Weltvogelpark Walsrode“ vor dem Verkauf

Lüneburg/Walsrode. Der „Weltvogelpark Walsrode“ soll an den spanischen Freizeitparkbetreiber „Parques Reunidos“ verkauft werden, bestätigt Parksprecher Andre Schmidt auf LZ-Nachfrage. Über erste Verkaufsgerüchte hatte bereits im März die Walsroder Zeitung berichtet, gestern befeuerte der NDR mit einem Bericht die Spekulationen um einen baldigen Eigentümerwechsel. Nach Auskunft des Sprechers liefen die Verhandlungen noch, seien aber auf einem guten Weg. Mit gemischten Gefühlen verfolgen die Entwicklung derweil die Bürgermeister in Walsrode und Bomlitz. Schließlich ist der Weltvogelpark mit bis zu 150 Mitarbeitern nicht nur ein großer Arbeitgeber, sondern mit 250 000 bis 300 000 Besuchern pro Jahr auch ein entscheidender Faktor für die Tourismuswirtschaft in der Region.

650 Vogelarten

Der heutige Weltvogelpark Walsrode mit rund 650 Vogelarten begann ursprünglich als privates Hobby des Walsroder Kaufmanns Fritz Geschke mit der Zucht von Fasanen und Wassergeflügel. Unter Federführung seiner Tochter Uschi und ihrem Mann Wolf Brehm entwickelte sich der Park ab 1962 zu einem bekannten Anziehungspunkt für Natur- und Tierliebhaber. Nach 45 Jahren in Familienhand stand der Park vor rund zehn Jahren im Zuge der internationalen Finanzkrise vor der Insolvenz. Um den Park zu erhalten, kaufte der belgische Unternehmer Kris Carrein der Firma Floralux den Zoo.

In den vergangenen vier Jahren habe der Park schwarze Zahlen geschrieben, nur die Reinvestitionen liefen eher zaghaft, heißt es. Die Geschäftsführung hatte bis vor Kurzem sein Kompagnon Geer Scheres, der sich im März aber zurückgezogen hat. Seitdem herrscht auch zu den Rathäusern der umliegenden Kommunen weitgehend Funkstille. Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring sagt: „Der neue Geschäftsführer ist für uns nicht erreichbar. Die ganze Kommunikation läuft über eine Agentur in Hamburg.“ Sie hofft, dass der Vogelpark als touristisches Highlight und als Arbeitgeber der Region auch nach einem Verkauf erhalten bleibt.

Kommunen wollen helfen

Michael Lebid, Bürgermeister der Gemeinde Bomlitz, sagt mit Blick auf die Verhandlungen mit den Spaniern: „Es wäre schon eine gute Entwicklung, wenn es einen neuen Eigentümer für den Weltvogelpark geben sollte, der sich auch professionell mit dem Betrieb von Freizeitparks befasst. Meine Hoffnung ist, dass die neuen Eigentümer die Chancen nutzen, die der Park und die Region bieten.“ Es gäbe laut Lebid bereits Ansätze, wonach die Kommunen bei einer Erneuerung des Parks unterstützend tätig sein könnten.

Die „Parques Reunidos“-Gruppe aus Madrid hatte mit Zustimmung des Bundeskartellamtes erst im Frühjahr den Freizeitpark „Belantis“ bei Leipzig gekauft. Neben dem Movie Park Germany bei Bottropp-Kirchhellen sind die Spanier weltweit an verschiedenen Tier- und Freizeitparks beteiligt. dth/off