Dienstag , 29. September 2020
Die Umlaufsperre ist für Radfahrer ein Nadelöhr. Für Radler mit Anhänger wird es ziemlich kompliziert. (Foto: be)

„Eine Schikane für Radfahrer“

Lüneburg. Der Radweg entlang des Lösegrabens wird viel genutzt. Eineinhalb Jahre ist es her, dass die Stadt den Abschnitt zwischen den Brücken Bockelmannstraße und Lünertorstraße mit wasserdurchlässigem Pflaster hergerichtet und damit für eine bessere Befahrbarkeit gesorgt hat. Zeitgleich wurde auch eine Umlaufsperre in Höhe der Unterführung der Bockelmannstraße eingebaut. Die sollte dafür sorgen, dass Radler, die die Rampe vom Schifferwall herunterfahren und in Richtung Reichenbachstraße unterwegs sind, nicht mehr mit hohem Tempo in die Unterführung fahren. Denn das hatte zu Unfällen geführt. Doch die Umlaufsperre sorgte bei Radlern und Politik für Kritik, weil sie eine barrierefreie Radwegenutzung verhindert. Im Verkehrsausschuss am Montag, 13. August, stellt die Verwaltung nun Alternativen zur vorhandenen Situation vor.

Zu zwei schweren Unfällen war es gekommen, weil jeweils ein Radfahrer die Rampe heruntergefahren war und mit einem Radler zusammenstieß, der aus Richtung Norden kommend den Weg befuhr. Nach Erörterung der Unfälle in der Verkehrsunfallkommission entschied sich die Verwaltung zum Einbau der Sperre als „geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme“, heißt es in der Vorlage. Seither sei es zu keinen weiteren Zusammenstößen gekommen.

Alternativen zur Umlaufsperre prüfen

Aus Sicht von Ulrich Blanck, Sprecher der Jamaika-Gruppe, ist die Sperre (auch Drängelgitter genannt) allerdings „eine Schikane für Radfahrer“. Er und die verkehrspolitische Sprecherin Claudia Schmidt (Grüne) plädieren für eine barrierefreie Fahrt. Im vergangenen Dezember brachten die Jamaikaner deshalb im Rahmen der Beratungen zum Etat 2018 einen Änderungsantrag ein. Die Verwaltung sollte danach „bauliche Alternativen zur Umlaufsperre prüfen“ und diese dem Verkehrsausschuss bis zum 1. Juli diesen Jahres zur Umsetzung vorschlagen. Immerhin bis zu 60 000 Euro sollten dafür bereitgestellt werden, und zwar aus der Investitionsmaßnahme „Fahrradhaus Bahnhof“, die erst einmal geschoben ist.

Die Verwaltung schlägt nun folgende Alternativen vor: Die Rampe könnte zurückgebaut werden, eine neue weiter südlich entstehen. Die Umlaufsperre würde ausgebaut werden. Kosten: rund 51 000 Euro. Im Zuge dessen könnte auch eine durchgängige Pflasterung im Bereich der Unterführung unter der Bockelmannstraße erfolgen, derzeit besteht der Aufbau noch aus Asphalt und Betonplatten. Außerdem könnte die Unterführung eine Beleuchtung erhalten. Diese beiden Posten würden noch einmal mit 20 500 Euro zu Buche schlagen. Alles in allem: 71 500 Euro. Die hohen Kosten sind laut Verwaltung unter anderem auch darauf zurückzuführen, weil die Arbeiten am viel befahrenen Schifferwall stattfinden würden und die Höhenbegrenzung der Brücke zur Folge hat, dass nur mit kleinerem Baugerät gearbeitet werden kann, wodurch sich die Arbeitszeit verlängert.

Nadelöhr für Anhänger oder Lastenfahrräder

Erheblich billiger wäre es, wenn man die Umlaufsperre sozusagen auseinanderziehen würde. „Damit würde zwar beim Durchfahren weiterhin eine deutlich gedrosselte Geschwindigkeit ‚erzwungen‘, das Durchfahren wäre aber insgesamt komfortabler und flüssiger und darüber hinaus auch für Fahrräder mit Anhänger oder Lastenfahrräder möglich“, heißt es in der Vorlage zum Ausschuss. Die Kosten: 3000 Euro. Außerdem könnte bei dieser Variante auch eine Anregung von Prof. Dr. Peter Pez umgesetzt werden: großformatige, warnende Piktogramme auf der Fahrbahn.

Welche Variante umgesetzt wird, werde die Diskussion im Verkehrsausschuss ergeben, sagt Claudia Schmidt. „Die weitergehende Maßnahme ist zugegebenermaßen recht kostenintensiv. Wir müssen bei allen Maßnahmen genau hinschauen, welche Vorteile eine Investition in Bezug auf Schnelligkeit, Sicherheit und allgemeinen Komfort (Licht) für die Radfahrer bringt.“ Für sie ergeben sich aber auch noch einige Fragen: „Wie lange kam diese Stelle ohne Umlaufsperre aus? Trat eine erhöhte Gefährdung erst durch den neuen, schnellen Belag auf? Gab es an anderen Rampen auch Unfälle? Warum kann dort auf die Umlaufsperren verzichtet werden?“

Von Antje Schäfer