Donnerstag , 29. Oktober 2020
Dirk Lüneborg liefert Luftnummern in Serie: Der 49-Jährige zeigt mit seiner alten DDR-Maschine Luftakrobatik. Foto: t&w

Die große Luftnummer

Lüneburg. Dicke Wolken, Regen – keine guten Bedingungen für das Fest des Lüneburger Luftsportvereins. Und so kam eine gewohnte Attraktion nicht auf den Flugplat z im Hafen: Das russische Propeller-Flugzeug Antonow landete nicht an der Ilmenau, sondern blieb in Neustadt/Glewe. Auch sonst verwässerte das Wetter den rund 120 Mitgliedern die Freude an ihrem Tag der offenen Tür etwas. Viele der 3000 bis 4000 Besucher kamen erst nach dem Mittag.

Großes Interesse am Segelflug

Es gab allerdings eine Menge zu sehen. Der Feuerwehrflugdienst, der nach Waldbränden Ausschau hält, stellte sich vor. Interessierte konnten zu Rundflügen in einen Hubschrauber oder in Motorflugzeuge einsteigen. Großes Interesse hatten gerade junge Gäste am Segelflug. Paul Behnke (16) und Mia Damerow (13) gehörten zu den Segelflugschülern, die begeistert von ihrem Hobby erzählten. Beide sagten, sie seien nach einem „Schnupperangebot“ des Vereins „infiziert“ worden. Mia ist seit sechs Wochen dabei, Paul seit eineinhalb Jahren – er macht bald seinen Flugschein: „Das geht früher als beim begleiteten Fahren mit dem Auto.“ Aufsteigen mit einer Maschine kann er schon allein: „Auf dem Boden muss aber ein Fluglehrer sein, der die Freigabe gibt.“ Bis zu zwei Stunden sei er in der Luft, um die Thermik zu nutzen und seine Kreise zu ziehen: Noch nahe am Flugplatz, doch später sind Flüge über eine Distanz von bis zu 800 Kilometern denkbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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ist der Verein tot.““ cite=“Richard Meier
(Vorsitzender des Luftsportvereins)“ parallax=“off“ direction=“left“ revealfx=“fromleft“]

Spektakulär liebt es Dirk Lüneborg. Der 49-Jährige dreht Aufschwünge und kubanische Achten – eine Mischung aus halben Loopings und Rollen – und saust im Rückenflug über den Himmel. Doch am Sonntag schränkte das Wetter seine Möglichkeiten ein. „Doch irgendein Wolkenloch findet sich schon“, sagte er am Mittag optimistisch. Schon sein Vater sei Pilot gewesen, so sei er zur Fliegerei gekommen, später dann zum Kunstflug. 100 rasante Stunden habe er hinter sich, insgesamt 650 Stunden Flugerfahrung – und selbstverständlich die entsprechende Ausbildung und Berechtigung für die Flugmanöver, die er mit einer ehemaligen Maschine der DDR-Nationalmannschaft der Kunstflieger absolviert.

Schließung des Platze droht

Doch neben Luftfahrtromantik und Technikschau geht es auf dem Fest auch immer um Politik. Vereinschef Richard Meier und seine Mitstreiter „kämpfen um das Überleben des Vereins“. Bekanntlich droht die Schließung des Platzes. Der Vertrag mit dem Rathaus läuft 2020 aus. Es gibt Bestrebungen, das große Areal für Gewerbe und weitere Entwicklungen zu nutzen.

Meier sagt: „Ohne den Platz ist der Verein tot.“ Denn ein diskutierter Umzug in den Kreis Uelzen sei nicht möglich: Die Uelzener hätten auf ihrem Gelände nicht genug Platz, um die zehn vereinseigenen Segel- und drei Motorflugzeuge unterzubringen, auch würde ein Verein mit 150 Mitgliedern nicht mal eben 120 Neue aufnehmen.

Gelände ist auch für den Naturschutz entscheidend

Natürlich kennt Meier den Protest von Anliegern, die Lärm und vermeintliche Gefahr ins Feld führen. Er sagt: In der Woche seien pro Tag 40 Starts und Landungen erlaubt, an Sonn- und Feiertagen 25. Zumeist werde das gar nicht ausgeschöpft. Auch habe der Platz für manches Unternehmen eine wirtschaftliche Bedeutung.

Doch nicht nur das: Denn längst sei das Gelände auch für den Naturschutz entscheidend. Ausgleichsflächen für den Audimax-Bau der Leuphana liegen hier am Stadtrand, die Haubenlerche soll nun auf diesem Areal residieren. Aber auch andere seltene Vogel- und Insektenarten hätten ein Refugium gefunden. Überdies heiße es in einem Gutachten, dass der Bereich wichtig für die Frischluftzufuhr der Stadt sei. Meier lächelt und sagt: „Man muss nicht nur eine Diskussion um den Grüngürtel-West führen, hier geht es darum, den Grüngürtel-Ost zu erhalten.“

Von Carlo Eggeling

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