Auf dem Feld südlich der L 216 (links im Bild) denkt Reppenstedt über ein eigenes Baugebiet nach. Auf der anderen Seite könnte die Stadt Lüneburg an den Reppenstedter Ortsrand anknüpfen. Foto: boldt

Bis an die Grenze

Lüneburg. Erstmals stellte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge einem öffentlichen Ausschuss des Lüneburger Kreistags die Ideen zum „3D-Campus Lüneburg-West “ vor. Er berichtete dem Wirtschaftsausschuss von den Überlegungen, zwischen Lüneburg und Reppenstedt ein Gebiet zum Wohnen und Arbeiten zu schaffen, mit dem ehemaligen Uni-Standort Volgershall als Kraftzelle für innovative Entwicklungen. Manche Kreistagsabgeordnete sparten nicht mit kritischen Nachfragen. Aber es gab auch viel Lob, insbesondere aus der SPD-Fraktion sowie von Wirtschaftsvertretern.

Offenbar ist manchen erst beim Vortrag des OBs deutlich geworden, wie nah die Stadt Lüneburg an Reppenstedt baulich heranrücken will. Einerseits überlegt die Gemeinde Reppenstedt selbst ein neues Wohnbaugebiet südlich der Landesstraße 216 am Schnellenberger Weg zu entwickeln. Mädge sprach von rund zehn Hektar Netto-Baufläche. Mädge hofft, „dass Reppenstedt 20 bis 30 Prozent“ für den sozialen Wohnungsmarkt bereitstelle. Nördlich der Landesstraße, dort wo derzeit ein Erdbeerfeld zum Selberpflücken einlädt, könnte die Stadt Lüneburg wachsen, skizzierte Mädge.

Stadt könnte direkt an Gemeindegrenze wachsen

Die Wohnbebauung Reppenstedts im Osten reicht bereits direkt an die Gemeindegrenze heran. Direkt daran könnte ein Baugebiet der Stadt von 9,6 Hektar anschließen. Dann käme eine Lücke, die dem vieldiskutierten Grüngürtel noch ein wenig Platz bieten würde, bevor anknüpfend rund um das Gebiet bei Volgershall, in Höhe des Kalkbruchsees, ein weiteres Baugebiet an der westlichen Stadtgrenze hochgezogen werden könnte auf rund 10,6 Hektar Fläche.

Mädge verwies auf einen bereits bestehenden Bebauungsplan für Volgershall aus den 1980er-Jahren. Er betonte wiederholt, dass dort ein „Urbanes Gebiet“ entstehen solle, eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe rund um die Verfahrensentwicklung im Bereich 3D-Druck. Die Idee dieses Mischgebietes habe Landrat Manfred Nahrstedt in die Diskussion mit eingebracht. Es solle ein Innovationsstandort werden, an dem die Stadt gemeinsam mit Leuphana und TU Harburg arbeite.

Mädge: „Wir wollen kein Gewerbe dort unterbringen, das stinkt und raucht.“ Vielmehr ginge es darum, ein Refugium zu schaffen, „für junge Menschen die geistig arbeiten und gleichzeitig vor Ort im Grünen wohnen wollen, mit kurzen Wegen in die Innenstadt“. Dieser Digital-Campus, auf dem sich Start-Ups ansiedeln sollen, sei „eine Chance für die Region“. Zudem würde über eingeschossige Bauweise nachgedacht, um die Frischluftzufuhr in die Altstadt zu gewährleisten. Mädge: „Aber das müssen uns Gutachter sagen, was sinnvoll ist.“ Vor allem Kreistagsabgeordnete Petra Kruse-Runge (Grüne) hakte immer wieder nach. Wollte unter anderem wissen, warum der letzte Rest Grün für ein paar Besserverdiener zugebaut werden solle. Ein Lüneburger „Silicon Valley“ passe nicht in diese Zeit der Wohnungsnot, sagte Kruse-Runge.

Mädge hofft auf Bewohner mit Lastenfahrrad

Mädge hingegen zeichnete ein Bild von jungen Existenzgründern, die sich nach dem Studium dort in einem kreativen Umweld niederlassen wollten und eben nicht das große Geld hätten und „eher mit dem Lastenfahrrad als mit dem Auto“ führen.

Lob kam vom beratenden Mitglied Martin Exner, der für die IHK Lüneburg-Wolfsburg im Wirtschaftsausschuss sitzt: „Volgershall ist ein guter Standort, um ein neues Kompetenzzentrum zu schaffen, mit einer Strahlkraft über die Region hinaus.“ Und Jürgen Enkelmann von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Lüneburg „W.LG“ sagte: „Ich kenne mittelständische Maschinenbauer aus Lüneburg, die bereits heute mit 3D-Druck in der Fertigung experimentieren.“ Der „3D-Druck“-Campus rund um die Niederlassung der „Bionic Production AG“ würde Lüneburg stärken. Unterstützung kam auch vom Ausschussmitglied Hinrich Bonin (SPD), zugleich Reppenstedter Ratsherr. Reppenstedt sei bereit, eng mit zu arbeiten. Und zum Grüngürtel sagte er: „Ich sehe da vor allem ein Maisfeld ... aber bitte, wir in Reppenstedt sind notfalls sogar bereit, über eine Grünbrücke zu reden, wenn es sinnvoll für die Biotopvernetzung ist.“

Rolf Rehlfeldt (Grüne) wollte von Mädge wissen, ob die Stadt nicht ein übergreifendes Entwicklungskonzept habe, das sie verfolge. Darauf entgegnete Mädge, dass auch Städte von Hamburg bis Braunschweig für viel Geld Stadtentwicklungskonzepte haben erstellen lassen, „um sie nach der Flüchtlingsproblematik wieder ins Regal zu stellen“. Für Lüneburg würde so ein Konzept laut Mädge vermutlich 800.000 bis zu einer Million Euro kosten, Geld, das er lieber sparen würde. Den Vorhalt einer drohenden Eingemeindung Reppenstedts durch Lüneburg wies er zurück.

Von Dennis Thomas

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