Dienstag , 22. September 2020
Besonders den Platz an der Thorner Straße haben sich die Studenten mit ihren Vorschlägen für einen schöneren Kreideberg vorgenommen. Foto: skyimage21

Amphitheater für den Kreideberg

Lüneburg. Es ist nicht das erste Mal, dass über eine Neugestaltung des Kreidebergs nachgedacht wurde. Dass sich nun aber Studenten aus Buenos Aires darüber Geda nken machten, ist schon ungewöhnlich. Die rund zehnköpfige Gruppe war im Rahmen eines internationalen Workshops an der Leuphana nach Lüneburg gekommen, jetzt präsentierten sie in der Uni ihre zum Teil überraschenden Ergebnisse.

Verdichtung, Belebung, Durchmischung, vor allem mehr Farbe und weg vom tristen Grau – das waren die Hauptbotschaften, die von den argentinischen Studenten und ihren deutschen Kommilitonen für eine Neugestaltung des Kreidebergs ausgingen.

Gemeinsam hatten sie zwei Tage lang mit Anwohnern und Architekten über Entwicklungsmöglichkeiten dieses Stadtteils gesprochen und waren mit Prof. Dr. Ursula Kirschner vom Institut für Stadt- und Kulturraumforschung durchs Viertel „spaziert“. Von ihr ging die Initiative zu einer Neuauflage dieses internationalen Workshops aus, der vor vier Jahren schon einmal zu einem Austausch zwischen deutschen und argentinischen Studenten geführt hat.

Zu wenig Service-Angebote, zu viel Durchgangsverkehr

Fünf Themen hatten die Studenten in den Blick genommen. Sie reichten von der Verbesserung der Mobilität und Anbindung an die Stadt über die Gestaltung des öffentlichen Raums und Begegnungsmöglichkeiten bis zur Wohnraumverbesserung. Besonders in den Blick geriet dabei der Platz an der Thorner Straße. Die Kritik der Studenten: Zu wenig Service-Angebote, zu viel Durchgangsverkehr, zu wenig Aufenthaltsqualität.

Ihre Vorschläge: statt der Parkplätze ein Amphitheater, angrenzend ein Biergarten und Coffeeshops, daneben Areale für Studenten und Kinder, ein Studentenwohnheim. Und: die Verlegung der Thorner Straße südlich um die bestehende Ladenzeile, um die „Spaltung“ des Platzes durch den Verkehr aufzuheben. Dass man dafür „auch gar nicht viel abreißen muss“, wie eine Studentin bemerkte, sorgte im Publikum, darunter auch Bürgermeister Eduard Kolle, für leichtes Schmunzeln. „Man muss wissen, dass die meisten Flächen und Gebäude Privateigentum sind, die Stadt hat da nur wenig Möglichkeiten“, klärte Kolle auf.

Doch der Bürgermeister war auch voll des Lobes: Die Vorschläge für die Umgestaltung des Thorner Platzes fand er „beeindruckend“, die Studenten hätten diese „Achillesferse des Viertels“ richtig erkannt. Vor allem die Idee zur Verlegung der Thorner Straße nehme er als Anregung mit. Dem schloss sich auch Karina Hellmann, Sanierungsmanagerin für den Kreideberg und Kaltenmoor, an. Allerdings gebe es auch „Restriktionen“ durch bestehende Bebauungspläne. Zugleich betonte sie, weitere Studenten seien auf dem Kreideberg zwar willkommen, „Priorität haben aber die dort lebenden Menschen“.

Aufgezeigte Probleme als Potenzial

Ulrike und Ekkehard Kuhlmay waren ebenfalls angetan, „das sind gute Anregungen, die braucht der Thorner Platz ganz dringend“, lobten die Ochtmisser die Vorschläge.

Auch die argentinischen Studenten zogen Bilanz. „In Argentinien haben wir andere Probleme als zu kleine Garagen“, sagte Natalia Felder und bezog sich damit auf entsprechende Kritik von Bewohnern. Hauptproblem in Argentinien seien die vielen „Villas“, wie die Slum-ähnlichen Viertel in ihrem Land heißen. Olivia Ottaviano fand: „In Deutschland sind schon die Probleme gelöst, die auf Argentinien erst noch zukommen.“ Ihre Kommilitonin Catarina Staric empfahl, „die aufgezeigten Probleme als Potenzial zu betrachten“.

Welche Probleme und He­rausforderungen die Leuphana-Studenten in Argentinien erwartet, wird sich im Herbst herausstellen, wenn es im September zum Gegenbesuch nach Buenos Aires geht.

Von Ulf Stüwe