Donnerstag , 24. September 2020
Zu Gast in Lüneburg: Kerstin Kappert-Gonther (Grüne). (Foto: fr)

Mehr Geburten, aber weniger Kreißsäle

Lüneburg. Weniger Babys, weniger Kreißsäle. Diese logische Folgerung ging bis vor Kurzem noch auf. Jedoch hat sich die Lage verändert: Seit 2016 werden wieder mehr Babys geboren, die Geburtenrate ist um sieben Prozent gestiegen – und trotzdem schließen weiterhin pro Jahr etwa 20 Geburtsabteilungen. Wie lässt sich dieses Missverhältnis verbessern? Und wie sieht die Lage in Lüneburg aus? Diesen Fragen widmete sich Kirsten Kappert-Gonther bei einem politischen Frühstück der Lüneburger Grünen. Sie ist Sprecherin für Gesundheitsförderung der grünen Bundestagsfraktion.

Vorzeigestadt in Sachen Geburtshilfe

Die gute Nachricht ist, dass Lüneburg mit 1700 Geburten pro Jahr eine Vorzeigestadt in Sachen Geburtshilfe sei. Schwangere profitierten von der Auswahl zwischen Klinik, Geburtshaus und ambulanter Versorgung, was keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Auf manchen Inseln Norddeutschlands und auch in ländlichen Gebieten verschwinden immer mehr Geburtsstationen, was überfüllte Kliniken in den Großstädten zur Folge hat.

Für Hebammen ist es normal, mehrere Frauen gleichzeitig betreuen zu müssen. Natürlich auch in Lüneburg. „Die Arbeitsbelastung ist extrem hoch“, weiß Kappert-Gonther. Sie fordert ein deutlich besseres Betreuungsverhältnis, das den Frauen mehr Zutrauen und Sicherheit für ihre Geburt gebe. Bisher liegt das Versorgungsangebot im stationären Bereich in der Hand der einzelnen Bundesländer, doch die Bundestagsabgeordnete setzt sich für eine verbindliche Bedarfsplanung für ganz Deutschland ein. „Geburtshilfe macht nicht an den Landesgrenzen halt“, erklärte sie.

Ausbildung wird künftig akademisiert

Außerdem sprach Kappert-Gonther die „miserable Bezahlung“ für niedergelassene Hebammen an. Um diese zu verbessern, müssten sowohl die Honorare erhöht werden, als auch Haftpflichtprämien abgeschafft werden, die kaum zu stemmen seien.

Darüber hinaus erinnerte die Politikerin an die Absicht der EU, die Hebammenausbildung bis 2020 zu akademisieren. Hebammen sollen also künftig per Studium ausgebildet werden. Neben den Praxisübungen könne auf diese Weise fundierter auf wissenschaftliche Aspekte eingegangen werden. Jetzt wäre es an der Zeit, appellierte Kappert-Gonther, nicht nur für ein flächendeckendes Angebot an Universitäten zu sorgen, sondern sich auch um den Übergang von einem Ausbildungs- zum akademischen Beruf zu kümmern. Darum wollen sie und ihre Partei kämpfen. fr