Montag , 21. September 2020
Auch die Altkleidercontainer am Schulzentrum Oedeme sind überfüllt. Foto: ahe

Zu viel altes Zeug

Lüneburg. Überquellende Behälter, aufgeplatzte Tüten, verstreute Pullover und Schuhe: Das ist kein seltener Anblick an den Altkleidercontainern in Lüneburg. Ger ade in den vergangenen Wochen sahen die Sammelplätze aus wie Müllhalden. Das stört Anwohner, aber auch jene, die ihre Kleidung, die sie selbst nicht mehr tragen, die aber noch gut erhalten ist, anderen spenden wollen, dabei aber ein anderes Ordnungsempfinden haben als diejenigen, die ihre Tüten einfach vor die Behälter schmeißen. Werden sie zu selten geleert?

Ob am Heidkamp, am Schulzentrum Oedeme oder am Kurpark – wer seine ausgedienten Jacken, Hosen und Hemden spenden wollte, sah sich zuletzt häufig mit dem selben Problem konfrontiert: In den Sammelcontainern war kein Platz mehr, selbst davor standen schon Taschen und Tüten. An den drei Behältern aus unserem Beispiel prangt das Wappen der Malteser, die Hilfsorganisation hat sie auch aufgestellt, für Weiterverarbeitung sind jedoch gewerbliche Textilverwerter verantwortlich. Die Soex Collecting GmbH leert jeden Behälter nach eigenen Angaben etwa einmal wöchentlich, sortiert den Inhalt und vergütet die Hilfsorganisation, die den Erlös für die Finanzierung ihrer sozialen Arbeit verwendet.

„Containerpaten“ werden eingesetzt

Wenn die Behälter überfüllt sind, sei das meist entweder die Folge von Haushaltsauflösungen und Umzügen oder eine saisonale Erscheinung. Gerade zum Frühling und zum Herbst hin, wenn viele ihre Kleidung den neuen Sommer- und Wintermoden anpassen, komme es zu Kapazitätsengpässen. Besonders stark frequentierte Standorte seien Soex aber bekannt und würden häufiger kontrolliert. Wenn es trotzdem zu Situationen wie den eingangs beschriebenen kommt, können Anwohner oder Spender überfüllte Altkleidersammlungen auch über die Hotline auf den Containern mitteilen (01803/73839845). Dann werde außerplanmäßig eine Leerung veranlasst, bei der auch die vor den Containern liegende Kleidung mitgenommen wird. Da auch die Hilfsorganisationen ein Interesse daran haben, dass es an den Sammelplätzen vernünftig aussieht, setzen die Malteser darüber hinaus erstmalig auch „Containerpaten“ ein. „Das sind Anwohner, die uns zeitnah berichten, wenn wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen müssen“, sagt Dieter Schlüter von der Organisation.

Insgesamt gibt es derzeit 65 Containerstandorte im Stadtgebiet, weiß Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Die Malteser sind allein an 59 davon vertreten. Die Verwaltung muss Container auf öffentlichem Grund per Sondernutzungserlaubnis überhaupt erstmal zulassen. Um die Erlaubnis zu erhalten, müssen Organisationen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz Angaben darüber machen, wie die Kleidung weiterverwendet werden soll und nachweisen, dass sie die Altkleider nicht für eigene Zwecke nutzen. Weitere Stellplätze für Container gebe es derzeit nicht, verdeutlicht Moenck.

Geschäft mit den Altkleidersammlungen lohnt es sich immer noch

Trotz der Konkurrenz durch ebay und Flohmärkte ist das Geschäft mit den Altkleidersammlungen immer noch ein lohnendes: In Deutschland werden laut dem Dachverband gemeinnütziger Altkleidersammler FairWertung jährlich etwa eine Million Tonnen Altkleider abgegeben – Tendenz steigend. Häufige Modewechsel und der Wunsch, ständig etwas Neues haben und tragen zu wollen, sorgen für volle Container.

Wer sich mal wieder damit konfrontiert sieht, hat aber auch Alternativen: Er kann getragene und gut erhaltene Kleidung auch in Kleiderkammern von sozialen Hilfsorganisationen, Kirchengemeinden oder öffentlichen Einrichtungen abgeben, die einen Teil der Kleidung selbst sortieren und verwenden. In und um Lüneburg betreiben die Caritas und das Deutsche Rote Kreuz, das ökumenische Zentrum St. Stephanus, die Kirchengemeinde St. Marien und die Diakonie, aber auch die Gemeinde Adendorf solche Einrichtungen.

Von Manuel Heigl

90 Prozent werden verwertet

Das zweite Leben der Kleidung

Was passiert mit den gesammelten Hosen, Hemden, Shirts, Pullover, Jacken und Schuhen? Nachdem sie nach Textilsorten und Qualität sortiert wurden, landen die Altkleider zu:
▶ 55 Prozent als Secondhand-Ware in Afrika, im mittleren Osten, in Mittel-/Osteuropa.
▶ 35 Prozent in der Wiederverwertung für Putzlappen oder Dämmstoffe.
▶ 10 Prozent im Abfall.