Samstag , 19. September 2020
CDU-Ratsfrau Christel John. Foto: t&w)

Erst das Rad, dann das Auto

Lüneburg. Die Diskussion ist alt, aber lange schon wurde sie nicht mehr so intensiv geführt wie derzeit – und selten war sich Lüneburgs Stadtrat zuletzt so einig – zumindest in dieser einen Frage: Der ständig zunehmende Verkehr – insbesondere im Westen der Stadt – fordert neue Lösungen in der Verkehrspolitik. So wurde der Antrag der CDU-Fraktion, hierfür mit dem Landkreis und den Nachbargemeinden ein Konzept zu entwickeln, einstimmig zur weiteren Beratung in den Verkehrsausschuss überwiesen.

„Es geht nicht nur um eine Umgehungsstraße“, versuchte Christel John für die CDU-Fraktion Dissonanzen aus dem Vorfeld beiseite zu räumen, „sondern um Verkehrswege, die sich verträglich ergänzen und erweitern, damit es dauerhaft einfach besser läuft.“ Neben Konzepten für Radwege und den öffentlichen Nahverkehr plädierte sie aber auch dafür, „in die weite Zukunft zu schauen“.

Lüneburg werde ein Magnet im Hamburger Umland bleiben, der auch Individualverkehr anziehe. „Viele Bürger werden auf das Auto angewiesen sein, da­rauf müssen wir vorbereitet sein“, mahnte sie und verwies darauf, dass auch der Weiterbau der A39 Veränderungen bringen werde.

Mix an Maßnahmen bei Bahn, Bus und Radverkehr

Dezernent Markus Moßmann hatte in seiner Stellungnahme ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Vermeidung des Autoverkehrs aufgelistet, für die die Stadt insbesondere auch den Landkreis in der Pflicht sieht. So gehe es um eine Ausweitung des Busverkehrs mit besseren Taktzeiten von bis zu 15 Minuten und bis 22 Uhr, eine Verbesserung des Rufbussystems vor allem als Zubringer in der Fläche, eine umweltfreundlichere Fahrzeugflotte, barriereärmere Busse und um ein dichteres Netz an Bushaltestellen.

Auf der Schiene müssten die Verbindungen nach Bleckede und Amelinghausen reaktiviert und die nach Dannenberg modernisiert werden. Zudem sollte der Radverkehr zwischen Stadt und Landkreis besser verknüpft werden.

„Wir müssen einen guten Mix hinbekommen“, betonte Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Für ihn gebe es dabei auch eine klare Reihenfolge: Bus, Fahrrad, Fußgänger und dann erst das Auto. „Das kostet auch Geld“, deutete er an, dafür müsse der Landkreis auch die Kreisumlage erhöhen können.

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Was bisher vom Kreis an Initiativen komme, sei „zu wenig“, kritisierte Jens-Peter Schultz (SPD). Es könne nicht sein, dass „wir mit dem Verkehr absaufen“ und im Umland entstehe „ein Baugebiet nach dem anderen“.

Lisa Apking (Linke) merkte an, dass die Stadt für den Autoverkehr unattraktiver sein sollte und die Weichen für eine Verkehrswende dringend gestellt werden müssten: „Wer auf das Auto angewiesen ist, muss es dann aber auch nutzen können.“

Zu lange auf die lange Bank geschoben

„Wir brauchen eine Diskussion auf breiter Front“, meinte Claudia Schmidt von den Grünen. Sie freut sich, „dass da jetzt ganz viel in Bewegung ist“. Die Bevölkerung sei weiter, „als wir denken“, glaubt sie und bekräftigte: „Das Fahrrad ist der Weg, um viele Leute vom Auto wegzubringen.“

Ein „Ende der Kirchturmpolitik“ forderte FDP-Ratsherr Frank Soldan ein. Zu lange habe man die Verkehrsfragen auf die lange Bank geschoben. Der jetzige Anstoß dürfe „nicht wieder im Sande verlaufen“.

Einzig Prof. Gunter Runkel gab für die AfD ein klares Bekenntnis für eine Westumgehung ab – „westlich von Vögelsen und Reppenstedt in den Süden von Lüneburg“.

Von Marc Rath