Freitag , 18. September 2020
Jeden Dienstag hat Regine Schramm eine Sendung moderiert, jetzt kehrt die Studioleiterin des NDR Lüneburg den Rücken. Sie wechselt zur größten Niederlassung des Senders in Niedersachsen. (Foto: t&w)

Vom kleinsten ins größte Studio

Lüneburg. Ob es der Prozess gegen Oskar Gröning, die Lehrerin, die ihre Tochter ins Dschungelcamp begleitet hat, oder das erste Foto eines Wolfsbabys ist – Regine Schramm hat in knapp zehn Jahren in Lüneburg viel erlebt, war mit ihrem Team stets dabei. Dennoch hat sich die Studioleiterin des NDR entschieden, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Mitte Juni wechselt sie nach Oldenburg und damit vom kleinsten zum größten Studio des Norddeutschen Rundfunks in Niedersachsen. War sie bislang für vier feste Mitarbeiter verantwortlich, zählen künftig 25 Kräfte zum Team. Wer ihren Job übernimmt, ist noch nicht klar. Die Ausschreibung läuft, nächste Woche sollen Bewerbungsgespräche geführt werden.

Leicht sei ihr die Entscheidung nicht gefallen, macht Schramm deutlich. „Ich habe mich nirgends so zu Hause gefühlt wie in Lüneburg. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, vor allem mit einem weinenden.“ Die 55-Jährige, in Goslar geboren, sitzt in ihrem großzügigen Büro im zweiten Stock des Gebäudes an der Ecke Feldstraße/Willy-Brandt-Straße. Hinter ihr offenbart sich mit den Profilen des Wasserturms und der St. Johanniskirche ein Ausblick, den sich wohl mancher für seinen Arbeitsplatz wünschen würde. Auch vor ihrem Schreibtisch ist mit einem riesigen pinkfarbenen Stint aus Pappmaché ein Stück Lüneburg zu erhaschen.

Wie es zu der Chance in Oldenburg kam? Regine Schramm lächelt. „Vermutlich weil ich meine Sache hier ganz gut gemacht habe“, sagt sie selbstbewusst. „Als ich 2009 kam, hat sich das Studio überwiegend mit Radio-Berichterstattung beschäftigt. Ab und an hat eine freie Mitarbeiterin mal Fernsehbeiträge gedreht.“ Schramm, die über Kenntnisse in Print, Radio und Fernsehen verfügte, kam mit einem klaren Ziel an die Ilmenau: „Ich wollte unbedingt Fernsehberichterstattung aufbauen.“

TV-Berichterstattung in Lüneburg erst etabliert

Das ist der Redakteurin, die ihre Ausbildung bei der Allerzeitung in Gifhorn absolviert und 1993 als freie Mitarbeiterin beim NDR angefangen hat, gelungen. Sie hat nicht nur den TV-Zweig belebt, sie konnte neben Autoren auch ehemalige NDR-Volontäre für den Standort gewinnen, die Bekanntheit des Studios weit über Niedersachsen hinaus steigern. Nicht unerwähnt lässt Schramm auch die Flexibilität, die ihrem Team in NDR-Kreisen nachgesagt wurde. Das führt sie vor allem auf die Videokameras zurück, die sie 2010 im Zuge des Online-Projekts anfordern konnte. Denn im Gegensatz zu anderen hat das Lüneburger Studio kein Kamerateam vor Ort. „Wir wollten zumindest erste Bilder drehen können, wenn irgendwo etwas los ist“, sagt sie.

Oldenburg wird eine andere Herausforderung. Musste Regine Schramm vorher genau überlegen, wie sie die vielen Themen auf wenige Schultern verteilt, hat sie künftig quasi die Qual der Wahl. Zusätzlich zu 25 freien Mitarbeitern und vier Korrespondenten stehen ihr zwei festangestellte Kamerateams zur Verfügung. „Ich muss zusehen, dass ich auch alle auslaste.“ Auch werde sie künftig wohl mehr organisatorische und repräsentative Aufgaben übernehmen. „In Lüneburg habe ich journalistische Basisarbeit geleistet, ich wusste eigentlich von jedem Thema, an dem wir dran waren. Das kann ich in Oldenburg gar nicht schaffen.“

In wenigen Wochen wird die Journalistin, die in Lüneburg neben der Lünale viele Veranstaltungen moderiert hat, den gesamten Weser-Ems-Bereich betreuen. Um ihren neuen Beritt auch so gut kennenzulernen, wie es ihr durch ihren Umzug von Hannover nach Lüneburg möglich war, möchte Schramm sich langfristig in Oldenburg niederlassen. „Ich halte es für wichtig, als Studioleiterin auch dort zu wohnen.“ Noch habe sie nichts gefunden, deshalb müsse vorerst eine Ferienwohnung herhalten. An den Wochenenden möchte Regine Schramm nach Lüneburg fahren, denn in Häcklingen hat sie sich gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem 17 Jahre alten Sohn ein „wunderschönes Zuhause“ geschaffen.

Von Anna Paarmann