Dienstag , 22. September 2020
Doreen Gostage, Mareike Bolten und Linda Heising (v.l.) fiebern auf die Trauung am Samstag hin. Foto: phs

Alles Gute, Harry und Meghan!

Luhmühlen. In 85 Jahren hat Doreen Gostage aus Luhmühlen noch keine Hochzeit der englischen Königsfamilie verpasst. Schon 1947 war sie live dabei, als die damal ige Thronfolgerin Elizabeth II. ihrem Prinz Philipp das Ja-Wort gegeben hat. Damals stand sie mit ihrer Familie am Straßenrand vor der Kirche in London , jubelte dem frisch vermählten Paar zu.

Zugegeben – weit war die Anreise nicht: Gostage ist in der britischen Hauptstadt geboren und aufgewachsen. Erst vor einem Jahr hat die Dame mit dem vornehmen Akzent die Insel verlassen und ist zu ihrer Tochter Linda nach Deutschland gezogen. Und wird am Sonnabend schon früh morgens den Fernseher einschalten, um auf den britischen Sendern die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle zu verfolgen.

Tee und Pasteten für die Gäste

„Wir haben Freunde eingeladen, es wird Tee und Pasteten geben. Wer möchte, kann gerne vorbeikommen!“, sagt Gostage. Beginnt die Trauung zwar erst um 13 Uhr deutscher Zeit, will sie die Fernsehübertragung von Anfang an verfolgen, die natürlich auf den britischen Sendern deutlich üppiger ausfällt. „Ich möchte die Menschen auf den Straßen sehen, das ganze Drumherum!“ Dazu gehören selbstverständlich auch die Spekulationen rund um Markles Hochzeitskleid. So hofft die 85-Jährige Britin, dass es bis zur Hochzeit ein Geheimnis bleibt. Genauso sieht es mit dem Schmuck aus – üblicherweise leiht die Königin selbst der Braut einige Kostbarkeiten der Kronjuwelen für den großen Tag. „Vielleicht das Diadem, wie bei Kate?“ überlegt sie. Und fast genauso wichtig: Welchen Namen wird das frisch gebackene Blaublut dann tragen? Denn durch die Ehe wird die US-Amerikanerin höchstwahrscheinlich zur Herzogin ernannt – fragt sich nur noch, für welches Herzogtum.

Was ist der Reiz an diesem Fest der britischen Aristokratie? Für Tochter Linda Heising ist klar: „Es ist einfach ein tolles Ereignis. Wir fiebern mit und freuen uns für das Paar. Die Hochzeit im Fernsehen zu sehen, ist besser als hinterher einen Bericht zu bekommen.“ Die Britin kam im Alter von 17 Jahren „eigentlich nur für sechs Monate“ als Pferdepflegerin nach Luhmühle. Doch ihre Mutter ahnte schon damals: So schnell kehrt Linda nicht zurück. Sie behielt Recht, Linda Heising eröffnete in dem Ort ein Geschäft für Reitsport-Bedarf, gründete eine Familie. Auf die Royals musste die 62-jährige Exil-Britin hier aber nicht verzichten, im Gegenteil: Prinzessin Anne, Schwester von Thronfolger Prinz Charles und erfolgreiche Turnierreiterin, war schon ein paar Mal zu Gast in Luhmühlen, zuletzt im vergangenen Jahr. Spontan und außerhalb des Protokolls stattete die Adelige dem Untertan einen Besuch im Laden ab. Wie das war? „Aufregend!“ sagt Heising.

Dass Prinz Harry eine Bürgerliche heiratet, die US-Amerikanerin ist, schwierige Familienverhältnisse hat und zu allem Überfluss auch noch geschieden ist, spielt für Heising und ihre Mutter kaum eine Rolle. „Sie haben sich füreinander entschieden“, sagt Heising, „alle normalen Menschen heiraten diejenigen, die sie lieben.“ Die Mutter ergänzt: „95 Prozent der Bevölkerung haben schwierige Familienverhältnisse, das ist nunmal so.“

Mit einem Royal tauschen möchte niemand

In den Startlöchern für die Traumhochzeit steht auch Mareike Bolten. Auch sie arbeitet in dem Reitsport-Geschäft, auch sie ist großer Fan der britischen Königsfamilie – aber sie ist Deutsche. „Wenn wir in Deutschland einen König hätten, wäre das schon cool“, sagt sie, „aber es ist unrealistisch. Für die Deutschen ist der Zug abgefahren.“ Doreen Gostage fügt hinzu: „Königin Victorias Mann Albert war deutscher Abstammung, die Deutschen sind ja eng verquickt mit dem britischen Königshaus.“ Ihrer Meinung nach ist das auch einer der Hauptgründe, weswegen in der Bundesrepublik viele so begeistert von den Windsors sind.

So groß die Leidenschaft der drei Frauen für das britische Königshaus ist – mit einem „Royal“ tauschen möchte niemand. Heising: „Das ist wirklich ein Knochenjob! So viele Termine…“ Und Gostage: „Das ganze Leben in der Öffentlichkeit wäre nichts für mich.“ Da ist der Alltag im beschaulichen Luhmühlen doch deutlich angenehmer.

von Robin Williamson