Sonntag , 27. September 2020
Bürgermeister Michael Cramm (r.) übernimmt von seinem Stellvertreter Werner Zenz die Schlüssel für das Gemeindebüro. Foto: pet

Tespes neuer Bürgermeister

Tespe. Auf den Tag genau sieben Wochen lang war die Gemeinde Tespe in der Samtgemeinde Elbmarsch ohne Bürgermeister – seit Mittwochabend haben die rund 4600 Tesper wieder ein Gemeindeoberhaupt: Michael Cramm (SPD) wurde in der Ratssitzung im Sportheim des TSV Tespe als Nachfolger des am 21. März überraschend zurückgetretenen Karl-Heinz Kornberger (CDU) ins Amt gewählt.

Einstimmig für Michael Cramm

Die neue Konstellation im Tesper Rat aus CDU (5 Mandate) und SPD/Grünen/Piraten (6) stimmte geschlossen für Michael Cramm, von Seiten der Freien Wählergemeinschaft (FWG) kamen zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung, der FWG-Fraktionsvorsitzende Ulf Riek fehlte entschuldigt.

Karl-Heinz Kornberger war am 3. November 2016 mit den neun Stimmen von CDU und FWG und gegen die sechs Stimmen von SPD, Grünen und Piraten zum Bürgermeister gewählt worden. Aus „persönlichen Gründen“ und weil er sich „nicht mehr in der Lage fühle, die Amtsgeschäfte zu führen“, war er am 21. März zurückgetreten.

Der Streit in der Gemeinde Tespe dürfte mit der Wahl eines neuen Bürgermeisters aber noch nicht ausgestanden sein. Jörg Werner, Vorsitzender der Gruppe SPD/Grüne/Piraten, monierte in der Sitzung, dass ein zwei Mal von seiner Gruppe gestellter Antrag, die Tagesordnung um den Punkt „Abwahl des stellvertretenden Bürgermeisters“, zu erweitern, vom kommissarisch amtierenden Bürgermeister Werner Zenz (FWG) abgelehnt worden war.

Karl-Heinz Kornbergers Stellvertreter hatte die Amtsgeschäfte nach dessen Rücktritt übernommen. Schon, als sich die neue Konstellation aus SPD/Grünen/Piraten und CDU abzeichnete, ätzte er: „Unerfreulich. Die CDU hilft dem Wahlverlierer von 2016 auf den Gaul.“ Bei den Kommunalwahlen am 11. September 2016 hatten SPD und CDU deutliche Verluste hinnehmen müssen, die FWG war von 11,2 auf 28,8 Prozent geklettert.

Er, Zenz, wolle im Amt bleiben, ahnte aber schon früh, dass sein Ende im Amt des Stellvertreters droht. Zenz: „Ich passe da nicht mehr rein. Und das nach 37 Jahren Ratsarbeit“. Aus „formalen Gründen“ lehnte Werner Zenz dann ab, den Punkt „Abwahl des stellvertretenden Bürgermeisters“ auf die Tagesordnung aufzunehmen. Zenz‘ Verweis auf das „Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz“ konnte Werner nicht nachvollziehen.

Die Kommunalaufsicht beim Landkreis Harburg habe der Gruppe Recht gegeben, erklärte Jörg Werner, der Zenz aufforderte, den fristgerecht eingereichten Punkt nachträglich in die Tagesordnung aufzunehmen. Zenz lehnte das ab. Werner: „Wir nehmen das zur Kenntnis.“

Seit 2016 im Tesper Rat

Für die Wahl zum Bürgermeister schlug Gruppensprecher Werner dann Michael Cramm vor, Michael Kühl (FWG) schlug Werner Zenz vor, der aber ablehnte. Per Handzeichen wurde Kühl gewählt – 57 Jahre alt, Avendorfer, Beamter bei der Hamburger Wasserschutzpolizei und Vater von vier Kindern. Cramm wurde im Herbst 2016 erstmals in den Tesper Rat gewählt.

Cramm erklärte, er habe in den Gesprächen zwischen der Gruppe SPD/Grüne/Piraten mit der CDU „viele Gemeinsamkeiten festgestellt“. Der neue Bürgermeister: „Gemeinsam wollen wir Tespe wieder voranbringen.“ Dazu müsse vor allem der in den letzten Monaten entstandene „Verwaltungsstau“ aufgearbeitet werden.

Die Frage, warum denn der bisherige stellvertretende Bürgermeister unbedingt ersetzt werden müsse, wollte einer der rund 30 Zuhörer beantwortet wissen. „Weil sich neue Mehrheitsverhältnisse gebildet haben und wir künftig andere Prioritäten setzen wollen“, antwortete Bürgermeister Cramm knapp. Über das Thema werde man sich weiter unterhalten müssen, vermutete Stellvertreter Zenz, der auch sagte: „Mir werden Dinge unterstellt, die glatt gelogen sind.“

Neben der Neuwahl des Bürgermeisters stellte der Tesper Rat auch den Mandatsverzicht von Karl-Heinz Kornberger fest, der nicht an der Sitzung teilnahm. Für ihn rückt Carsten Schott (CDU) in den Rat nach.

Neuer Bürgermeister mit neuen Prioritäten

  • Zwei Stellvertreter sollen gewählt werden.
  • Die Erweiterung der Kita, den Haushalt und die Straßenausbaubeitragssatzung nannte Cramm als Schwerpunkte. „Wir werden eine Prioritätenliste aufstellen, diese abarbeiten.“
  • Für die Zukunft kündigte das neue Gemeindeoberhaupt an: „Wir werden zwei stellvertretende Bürgermeister wählen. Zudem sollen die Ausschüsse wesentlich mehr in die Ratsarbeit einbezogen werden.“ Als „persönliches Anliegen“ kündigte Michael Cramm mehr Aktivitäten im Bereich der Jugendarbeit an.

von Ingo Petersen