Donnerstag , 1. Oktober 2020
So könnte die Anlage am Stint aussehen: Bernd Schwarz hat einen Teil des künstlichen Bachlaufs (rechts) aus dem dänischen Odense in ein Stint-Foto montiert. Zusätzlich könnte die Flussinsel deutlich großzügiger angelegt werden (links). (Montage: Schwarz)

Neue Insellösung für die Ilmenau-Fische

Lüneburg. Ob am Stint oder fernab des Trubels in den geschwungenen Mäandern im Mittellauf. Die Ilmenau präsentiert sich mit einem ganz besonderen Charme. Dass dieser Schein aber trügt, merken Angler schon lange. Nicht zuletzt an zunehmend ausbleibenden Fangerfolgen. Die Sportanglerkameradschaft Lüneburg (SAKL) macht besonders die fehlende Durchgängigkeit für die Situation verantwortlich und möchte sich in Kooperation mit dem Anglerverband Niedersachsen und weiteren Akteuren für die Verbesserung der Wandermöglichkeiten für die Fische in der Ilmenau im Stadtgebiet Lüneburgs einsetzen. Dazu stellen sie jetzt eine erste Idee für eine barrierefreie Alternative für die Fischtreppe am Stint vor.

Der Ilmenau und ihren Zubringerbächen geht es nicht gut. Das belegt unter anderem ein regelmäßiges Monitoring des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), bei dem Fische, Wasserpflanzen, Algen und Kleinlebewesen als biologische Qualitätskomponenten untersucht und bewertet werden. Jede dieser Komponenten zeigt Belastungsschwerpunkte für die Ilmenau auf (LZ berichtete).

Alte Aufstiegshilfe an Abts- und Ratsmühle marode

Bernd Schwarz ist Naturschutzbeauftragter der Sportangler. Er schwärmt von einer Fischaufstiegshilfe aus dem dänischen Ort Odense, die die Fischtreppe am Stint ersetzen könnte. „Die marode Aufstiegshilfe an der Abts- und Ratsmühle ist technisch veraltet, konstruktionsbedingt nur sehr eingeschränkt wirksam und steht einem nachhaltigen Erfolg der jahrelangen, umfangreichen Renaturierungs- und Artenschutzmaßnahmen im Oberlauf der Ilmenau entgegen.“ Schwarz sagt: „Die Ilmenau zählt zu den wertvollsten Gewässersystemen im Land und hat als überregionale Wanderroute eine herausragende Bedeutung für den Erhalt wandernder Fische. Meerforellen, Lachse, Schnäpel, Aale, Fluss- und Meerneunaugen sowie eine Vielzahl weiterer Wasserlebewesen werden durch unüberwindbare Verbauungen daran gehindert, ihre Laich- beziehungsweise Aufwuchsgebiete zu erreichen.“

Das dänische Modell sei barrierefrei, enthalte keine Stufen, die Fische kämen problemlos bergauf. Bernd Schwarz weiß, dass in anderen Städten gerade an Mühlenstandorten Lösungsansätze zur barrierefreien Umgestaltung aus Sorge ums Stadtbild schon im Keim erstickt wurden: „Moderne Fischwege lassen sich auch für den Menschen attraktiv ausgestalten und können sich als wahre Prestigeobjekte ins Stadtbild einfügen.“ Hier machen die Sportangler den Vorschlag, die Flussinsel am Stint baulich deutlich zu erweitern.

Kosten des Projekts sind noch nicht beziffert

Der Naturschutzbeauftragte der Sportangler sagt deutlich: „Es ist eine erste Idee. Wir sind Angler und keine Wasserbauingenieure. Es muss zunächst fachlich geschaut werden: Haben wir den richtigen Ansatz? Ist das Projekt überhaupt realisierbar? Erst dann kann es um die Frage gehen, was es kostet.“ Die Sportangler wollen in Kürze an Politik, Verwaltung und andere Entscheidungsträger herantreten, um ihre Idee zu präsentieren.

Von Rainer Schubert