Samstag , 26. September 2020
Zweimal richtig, fünfmal falsch: Auf der linken Straßenseite parken nur der rote Kleinwagen und das Auto ganz hinten richtig. Auf der rechten Straßenseite haben alle Anwohner korrekt geparkt. (Foto: t&w)

Wer links parkt, steht nicht rechtens

Lüneburg. Anwohner mit Bewohnerparkausweis, die Bei der St. Johanniskirche direkt hinter dem Gotteshaus in Fahrtrichtung Wandfärberstraße au f der rechten Seite parken, dürfen das. Die, die mit der Motorhaube Richtung Wandfärberstraße links parken, dürfen das nicht. Die links allerdings mit dem Heck Richtung Wandfärberstraße parken, dürfen das. Klingt kompliziert, ist aber rechtens – und das weiß auch die Stadt, deren Verkehrsaußendienst dort in den vergangenen Tagen etliche Knöllchen verteilt hat. Das Problem: Wer dort auf der linken Seite rechtens parken will, braucht entweder einen Kleinwagen oder tolles fahrerisches Können. Das gilt auch für den weiterführenden Straßenzug bis zur Conventstraße.

Knöllchen trotz Bewohnerparkhaus. Der Autofahrer hat
seinen Wagen mit Motorhaube in die falsche Richtung
abgestellt. (Foto: t&w)

Ein Anwohner beklagt, dass die Stadt den kompletten Straßenzug, in dem ausschließlich Anwohnerparken erlaubt ist, als neue Einnahmequelle entdeckt habe, jahrelang seien dort keine Tickets verteilt worden. Das allerdings dementiert Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck: „Die Straßen dort werden nicht vermehrt kontrolliert. Der Verkehrsaußendienst ist täglich je nach personellen und zeitlichen Möglichkeiten im gesamten Stadtgebiet unterwegs.“

So heißt es im Gesetz

Die Straßenverkehrsordung schreibt in „§ 12 Halten und Parken“ vor: (4) Zum Parken ist der rechte Seitenstreifen, dazu gehören auch entlang der Fahrbahn angelegte Parkstreifen, zu benutzen, wenn er dazu ausreichend befestigt ist, sonst ist an den rechten Fahrbahnrand heranzufahren. Das gilt in der Regel auch, wenn man nur halten will; jedenfalls muss man auch dazu auf der rechten Fahrbahnseite rechts bleiben.

Taxen dürfen, wenn die Verkehrslage es zulässt, neben anderen Fahrzeugen, die auf dem Seitenstreifen oder am rechten Fahrbahnrand halten oder parken, Fahrgäste ein- oder aussteigen lassen.
Soweit auf der rechten Seite Schienen liegen sowie in Einbahnstraßen (Zeichen 220) darf links gehalten und geparkt werden. Im Fahrraum von Schienenfahrzeugen darf nicht gehalten werden.

Anwohner zahlen für ihren Bewohnerparkausweis jährlich 30,50 Euro – und müssen noch draufzahlen, wenn sie in verkehrter Richtung stehen. Insgesamt gibt es in der Stadt 1789 solcher Ausweise, das beschert Lüneburg jährlich rund 53 000 Euro Einnahmen. Einen Anspruch auf einen Parkplatz haben die Anwohner damit nicht. Die „Falschparker“ im Bereich Johanniskirche/Conventstraße werden mit 15 Euro zur Kasse gebeten, wenn sie länger als eine Stunde dort stehen, könnten laut Bußgeldkatalog auch 25 Euro verhängt werden. Die im gesamten Stadtgebiet verteilten Knöllchen sind ein einträgliches Geschäft, die Stadtsprecherin sagt: „Der Ansatz 2018 für Verwarn- und Bußgelder liegt im Haushalt 2018 bei 700 000 Euro. Das war 2017 ebenso und entspricht auch den Einnahmen aus 2016.“

Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor: In der Regel darf auf Straßen nur am rechten Rand geparkt werden, nur Einbahnstraßen sind die Ausnahme. Das dient laut Moenck der Verkehrssicherheit: „Dieses soll vor allem sicherstellen, dass beim Ein- und Ausparken der fließende Verkehr so wenig wie möglich beeinträchtigt wird und es nicht zu Irritationen anderer Auto-, Radfahrer und Fußgänger kommt. Vor allem beim Ausparken besteht nur eingeschränkte Sicht auf den Gegenverkehr, da der Fahrer ja links sitzt und wegen vor ihm parkender Fahrzeuge die Straße nicht einsehen kann.“ Ob es in diesem Bereich die Verkehrssicherheit steigert, darf allerdings stark bezweifelt werden. Die Situationen dort:

▶ Bei der St. Johanniskirche

Die Straße ist bis zur Wandfärberstraße zweispurig angelegt, allerdings nur von der Altenbrückerstraße aus erreichbar, da die Wandfärberstraße eine Einbahnstraße ist. Sind die Parkplätze rechts besetzt, muss der Fahrer bis zur Ecke Papenstraße/Wandfärberstraße steuern und dort umständlich wenden, um dann in Richtung Altenbrückertorstraße stehen zu können – Kleinwagenbesitzer sind hier klar im Vorteil. Es gibt aber die Alternative, weiter in die Wandfärberstraße zu rollen.

▶ Wandfärberstraße

Dort gibt es viele Parkplätze, vor allem auf der rechten Seite, wo die GfA ihren Sitz hat. Diese Stellplätze sind aber privat, können von anderen Anwohnern nicht genutzt werden. Auf der linken Straßenseite ist Platz für vier, maximal fünf Autos – und die dürfen sogar mit Motorhaube in Richtung Conventstraße abgestellt werden. Denn hier zieht die Ausnahmeregelung – die Wandfärberstraße ist ja Einbahnstraße. Pech nur, wenn keiner dieser Plätze frei ist. Der Fahrer muss in die Conventstraße steuern, ein Wenden ist untersagt – da die Wandfärberstraße Einbahnstraße ist.

▶ Conventstraße

Hier gibt es noch einige wenige Stellmöglichkeiten, von der Wandfärberstraße aus kommend aber nur auf der linken Seite. Nur wer von der Ilmenaustraße aus kommt, steht sofort richtig. Die anderen müssen entweder ein Stück in die obere Conventstraße steuern, dann rückwärts in die Parklücke bugsieren. Oder sie fahren weiter geradeaus und vollziehen auf der Ilmenaustraße ein waghalsiges Wendemanöver, um wieder in die Conventstraße zu gelangen. Sind aber auch hier alle Plätze besetzt, könnte der Fahrer über die Ilmenaustraße und Altenbrückertorstraße zurück zur Straße Bei der St. Johanniskirche fahren – vielleicht ist dort auf der rechten Seite inzwischen was frei geworden.

Dass die Situation in diesem Bereich nicht einfach ist, weiß die Stadt. Sprecherin Suzanne Moenck verspricht: „Das werden wir uns nochmal ansehen, zumal das Wenden dort sehr schwierig ist. Die Rechtslage lässt bei den derzeitigen Regelungen aber keinen Spielraum.“

Von Rainer Schubert