Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann, selbst begeisterter Radfahrer, kann das vor drei Jahren vom Rat in Auftrag gegebene Radverkehrskonzept noch nicht vorlegen. Foto: be

Warten auf die Ideen für Radler

Lüneburg. Wie ist es um den Zustand der Fahrradwege in Lüneburg bestellt? Wo sollen neue Strecken für Radler entstehen? Und wie können noch mehr Bürger dazu bew egt werden, sich statt ans Steuer ihres Autos häufiger auf ihren Drahtesel zu setzen? Das und mehr soll im neuen Radverkehrskonzept für Lüneburg stehen. Doch wann gedenkt die Stadt das Papier endlich vorzulegen? Das wollten die Grünen wissen, nachdem der Rat der Stadt bereits 2015 die Erarbeitung eines neuen Konzepts beschlossen, die Verwaltung bislang aber noch keine Ergebnisse vorgelegt hatte. In der jüngsten Ratssitzung nahm Verkehrsdezernent Markus Moßmann für die Verwaltung dazu Stellung.

Verlagerung des Radverkehrs

„Ich bin optimistisch, die Planungen Ende des Jahres abschließen zu können“, sagte er. Das von der Stadt beauftragte Planungsbüro PGV-Dargel-Hildebrandt habe seinen Entwurf dafür den Mitgliedern des Arbeitskreises Verkehr unter Beteiligung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und des Verkehrs-Clubs Deutschland (VCD) vorgestellt, derzeit warte man auf mögliche weitere Ergänzungen. Zudem habe es ein Arbeitstreffen mit dem Lüneburger Verkehrsexperten Prof. Dr. Peter Pez gegeben, der sich insbesondere für die Verlagerung des Radverkehrs von den Hauptrouten auf Nebenrouten stark macht.

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Den Pez‘schen Vorstellungen selbst aber erteilte Moßmann eine Absage: Eine weitergehende Untersuchung etwa von Nebenrouten und stadtteilverbindenen tangentialen Routen „war in diesem Rahmen nicht möglich“. Vielmehr gehe es jetzt darum, auf den Hauptrouten des Radverkehrs „Lösungsmöglichkeiten für eine zukunftsorientierte Radverkehrsführung“ aufzuzeigen. Zu den Pez-Empfehlungen werde man gesondert Stellung nehmen.

„Stück für Stück abarbeiten.“

Ob nach Vorlage des Konzepts denn überhaupt noch Änderungen möglich seien, wollte Dr. Thomas Buller (CDU) wissen. „Das Konzept ist nicht statisch, es atmet nach oben und zur Seite“, antwortete Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der auch die Frage von Dr. Gerhard Scharf (CDU) nach einem Zeitplan offen ließ, man werde alles „Stück für Stück abarbeiten.“

Für das Integrierte Mobilitätskonzept (IMK) des Landkreises wird das Radverkehrskonzept zu spät kommen, der Schlussbericht des IMK wurde bereits veröffentlicht. Allerdings sollen die Ergebnisse des Lüneburger Papiers in ein vom Kreis geplantes eigenständiges Radverkehrskonzept einfließen. Das 30.000 Euro teure Radverkehrskonzept für Lüneburg soll dem Verkehrsausschuss noch vor der Sommerpause vorgelegt werden.

Rat lehnt Antrag ab

Für Diskussionen in der Ratssitzung sorgte auch ein weiteres Fahrrad-Thema. Die Grünen hatten kurzfristig einen Dringlichkeitsantrag vorgelegt, mit dem der Rat die Initiative des ADFC Harburg zur Teilnahme am Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ begrüßen sollte, der sich für die Schaffung einer Veloroute auf der früheren Trasse der Buchholzer Bahn einsetzt. Die Dringlichkeit begründeten die Grünen mit der Antragsfrist für die Teilnahme am Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radfahren“, die am 15. Mai ende – zwei Tage vor der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses.

Bei der Verwaltung stieß der Antrag auf wenig Gegenliebe. Neben formalrechtlichen Gründen verwies Moßmann auf die hohen Kosten, die durch den Erwerb der „stark belasteten Flächen“ von der Bahn entstünden. Der Rat lehnte den Antrag ab.

Von Ulf Stüwe

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