Freitag , 18. September 2020
Der Verkehr Am Wienebütteler Weg wird durch das Neubaugebiet zunehmen. Die Linken wollen aber zumindest im Baugebiet selbst weniger Fahrten. (Foto: t&w)

Weniger Autoverkehr im Neubaugebiet als Ziel

Lüneburg. Radfahrer, Fußgänger und Busverkehr sollen Vorrang haben gegenüber dem motorisierten Individualverkehr. Das sollte das Ziel für das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg sein, fordert die Fraktion der Linken. In einem Antrag zum Rat plädierte die Fraktion dafür, dass deshalb bestimmte Kriterien wie eine zentrale Parkplatzanlage, Tempo 30 auf der zen­tralen Erschließungsachse sowie verkehrsberuhigte Nebenstraßen in der Erschließungsplanung berücksichtigt werden. Das halten auch andere Ratsfraktionen für diskutabel.

Eine Entscheidung darüber gab es aber nicht. Die Verwaltung hatte darauf verwiesen, dass ein Beschluss in der Sitzung über die angeregten Punkte das Abwägungsergebnis des Bauleitverfahrens vorwegnehmen und so einen Verfahrensfehler darstellen würde. Daher folgte die Politik geschlossen dem Vorschlag der Verwaltung, den Antrag zur Beratung in den Bauausschuss zu überweisen.

Michèl Pauly (Linke) begründete, dass bei vielen Planungen dem Auto immer noch die zen­trale Bedeutung zugemessen werde. Es müsste aber alles unternommen werden, was Fußgänger, Radfahrer und Nahverkehr privilegiere, weil dies ökologisch wie auch ökonomisch sei. Eine zentrale Parkplatzanordnung minimiere zum Beispiel den Verkehr im Viertel. Verkehrsberuhigte Straßen würden zum Lebens- und Aufenthaltsraum, die Infrastrukturkosten seien dafür auch geringer. Weniger Verkehr, Tempolimit und geringere Emissionen seien ein Gewinn für die Lebensqualität und steigerten die Attraktivität des Viertels. Vorschläge und Einwendungen diesbezüglich habe es von Bürgern im Beteiligungsverfahren gegeben, die beim Bebauungsplan berücksichtigt werden sollten.

Straße als Erlebniswelt für die Nachbarschaft

Die Verringerung des Autoverkehrs sei ein gemeinsames Ziel der Politik, machte Jens-Peter Schultz (SPD) deutlich. „Die Straße soll auch Erlebniswelt für Nachbarn sein, da sind wir ganz bei Ihnen“, sagte er in Richtung Pauly. Die Idee mit den zentralen Parkanlagen sei aber nicht neu. Bereits in den 1980er-Jahren sei eine solche im damaligen Neubauviertel Krähornsberg errichtet worden. Die Realtität sei aber so, dass diese nicht so genutzt werde wie gewünscht.

Aus Sicht von Dirk Neumann (AfD) erschwert ein zentraler Parkplatz den Bürgern das Leben, weil sie dadurch längere Wege zum geparkten Auto hätten. Außerdem müssten die Anwohner ihre Häuser und Wohnungen per Auto erreichen können. Die Argumente der AfD seien die, die Überlegungen und Planungen schon im Keim scheitern lassen würden, sagte Birte Schellmann (FDP). Andere Länder wie Dänemark seien, was die Reduzierung des Autoverkehrs angehe, schon viel weiter. Aber sie gab auch zu bedenken, dass im Modellviertel Vauban der Stadt Freiburg, in dem sehr auf autofreies Wohnen geachtet worden ist, das extra gebaute Parkhaus damals nicht angenommen worden ist. Wichtig für die Planung in Lüneburg sei, dass Parkplätze nicht so weit entfernt von der Wohnbebauung liegen.

Ulrich Löb (Grüne) begrüßte die „kluge Idee“ der Linken. „Wir müssen Mut haben, neue Wege zu gehen und den motorisierten Verkehr mehr draußen lassen. Es gibt genug Städte, in denen das schon möglich ist.“

Von Antje Schäfer