Samstag , 15. August 2020
Der Stint ist in manchen Nächten eine Problemzone. (Foto: t&w)

Mehr Streifen am Stint

Lüneburg. In der Nacht zu gestern gab es eine Schlägerei Auf dem Kauf, am Wochenende zuvor zwei Überfälle – im Wasserviertel geht es zu später Stunde immer wieder rabiat zu. Jetzt beginnt die Freiluftsaison, da ist an der Kneipenmeile rund um den Stintmarkt eher mit mehr Leben zu rechnen. Längst hat das Thema die Politik erreicht. Vor sechs Wochen forderte die AfD im Rat eine Sperrstunde zwischen 4 und 6 Uhr. Der Antrag scheiterte.

Während man sich im Rathaus noch auf den Frühling und das pulsierende Nachtleben vorbereitet, ist die Polizei etwas weiter. Ihr Sprecher Kai Richter sagt: „Am Wochenende sind wir ab Mitternacht stärker präsent.“ Die Polizei fahre öfter Streife, ziehe, wenn möglich, Kollegen der Bereitschaftspolizei hinzu. Besonders im Blick haben die Beamten das Klientel, das immer wieder auffällt. Wer beispielsweise bei Schlägereien mehrmals in Erscheinung tritt, muss mit einem Betretungsverbot rechnen: „Dafür müssen wir sammeln, es muss gerichtsfest sein.“

Betretungsverbote haben sich bewährt

Es ist ein bewährtes Mittel, um für Ruhe zu sorgen: Polizei und Justiz hatten in der Vergangenheit junge Leute, die immer wieder aufgegriffen wurden, quasi mit einem Bann für die Innenstadt oder für Bereiche in Kaltenmoor belegt. Gerichte hatten diese Linie bestätigt.

Wie berichtet, beklagen sich Anwohner seit langem über die Folgen des Nachtlebens. Ist der Stint tagsüber ein Idyll, das Touristen gern genießen, kommt es tief in der Nacht zu Besäufnissen mit Folgen. Manche klären Meinungsverschiedenheiten mit Fäusten oder schlimmer, so wurde ein Türsteher niedergestochen. Dazu kommen die Hinterlassenschaften vom späten Hunger: Döner, zum Teil als Erbrochenes, landen auf dem Pflaster. Darüber hinaus ein Kiosk, der fast rund um die Uhr Hochprozentiges verkauft.

Die Stadt will handeln, steht aber vor rechtlichen Problemen. Das erklärte Dezernent Markus Moßmann im Rat: Die Kneipen könne man über eine lokale Sperrzeitverordnung schließen, doch Imbisse und Kiosk nicht, sie fallen unter das Ladenöffnungszeitengesetz, das wenig Eingriffsmöglichkeiten biete. Eine Sperrzeit wollen die Wirte der Kneipen nicht, in denen erst in der tiefen Nacht Umsatz gemacht wird, dafür bis in den Morgen. Andere Mittel wie eine Kameraüberwachung fanden auch nur mäßigen Beifall. So heißt es aus dem Rathaus nun: „Den Einsatz privater Sicherheitsdienste durch die Wirte sehen wir als sinnvoll an – allerdings nur so lange diese ausschließlich im privaten Bereich tätig sind.“ Darauf setzen manche Kneipiers bereits.

Testkäufe geplant zur Kontrolle des Jugendschutzes

Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck wiederholt, was schon bekannt ist: So seien Testkäufe für Alkohol geplant, um zu schauen, ob sich Läden an den Jugendschutz halten. Ansonsten möchte die Verwaltung politisch reagieren. Ein Stichwort ist eine Änderung des Ladenschlussgesetzes, ein anderer Punkt ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, das der Niedersächsische Städtetag befürwortet. Die Gesetzeslage reiche nicht aus. Die Kommunen würden mit diesem Problem allein gelassen.

Ein solches Problem sei das „Vorglühen“, also das Trinken, bevor es mit dem richtigen Feiern losgeht. Eben das hatten in der Vergangenheit auch Gastronomen kritisiert: Kunden decken sich an Kiosken oder zu Hause mit Alkohol ein und kommen betrunken auf der Meile an. „Dafür können wir nichts“, sagt ein Kneipier. „Aber wir werden für die Folgen zur Verantwortung gezogen.“ ca