Donnerstag , 24. September 2020
Bis dicht an die Wohnbebauung reicht dieser Acker an der Schnellenberger Allee. Deutlich zu erkennen auf dieser Aufnahme aus dem vergangenen Jahr ist der verdorrte Grünstreifen.

Chemische Spritzmittel bis ins Wohnzimmer?

Lüneburg. Wird das chemische Pflanzenschutzmittel Glyphosat in der Nähe von Wohngebieten und Spielplätzen ausgebracht? Und wie lässt sich das verhindern? Dieser Frage wird sich der Umweltausschuss in seiner kommenden Sitzung am Donnerstag, 12. April, widmen. Eingebracht hat die Anfrage die Stadtratsfraktion der Linken. Erst kürzlich hatte sie sich für Lüneburg als „pestizidfreie Kommune“ eingesetzt und war damit auf offene Türen gestoßen, auch, weil die Stadt auf dem Gebiet bereits seit Längerem aktiv ist.

Laut Anfrage der Linken bestehe der „Verdacht“, dass beiderseits der Schnellenberger Allee intensiv Glyphosat auf den dortigen landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Das Problem: Die Flächen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnbebauungen im Stadtteil Jüttkenmoor, außerdem grenzen sie direkt an einen Spiel- und Bolzplatz.

Wie Magdalena Deutschmann berichtet, habe sie den Fraktionsvorsitzenden der Linken, David Amri, auf dieses Thema angesprochen. Die Lüneburgerin setzt sich seit Längerem für ein Verbot von Totalherbiziden wie Glyphosat ein, sie sieht in dem Einsatz dieser Pflanzenschutzmittel einen entscheidenden Faktor für den Rückgang der Artenvielfalt. „Wir haben Fotos, die nahelegen, dass auf einem Acker Glyphosat ausgebracht wurde“, sagt Deutschmann.

Landwirte sollen nicht angeprangert werden

Einen Nachweis dafür gebe es zwar nicht, „meine Erfahrung im Umgang mit dem Mittel lassen das aber vermuten“. Ihr gehe es nicht darum, einzelne Landwirte anzuprangern, sondern Möglichkeiten der Stadt zur Einflussnahme auf einen Verzicht von Herbiziden zu prüfen.

Mit ihrer Anfrage wollen die Linken nun von der Stadt wissen, durch wen die Felder bewirtschaftet werden und ob dabei Pestizide zum Einsatz kommen. Zudem fragen sie, ob die Flächen Eigentum der Stadt sind und welche Möglichkeiten die Verwaltung sieht, um die Anwendung von Glyphosat in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten zu verhindern.

Anfang März hatte sich der Ausschuss schon einmal mit dem Thema beschäftigt. In der Sitzung hatten die Linken beantragt, die Stadt möge sich dem Kreis der „pestizidfreien Kommunen“ anschließen und auf den Einsatz von Glyphosat auf seinen Flächen verzichten und dies auch bei Pächtern dieser Flächen sowie Unternehmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung erwirken (LZ berichtete). Im Ausschuss stieß der Antrag auf wohlwollende Unterstützung, auch, da die Stadt aufzeigen konnte, dass sie in Sachen Glyphosatverzicht bereits umfangreich aktiv ist. Vor einem Beitritt zum Kreis der „pestizidfreien Kommunen“ aber sollten noch abstimmende Gespräche mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geführt werden mit dem Ziel, bei Neu-Verpachtungen den Einsatz von Pestiziden zu verringern und die Totalherbizide Glyphosat und Glufosinat und die bienengefährdenden Neonicotinoide zu verbieten. Ähnliches sollte auch mit dem Bezirksverband der Kleingärtner vereinbart werden.

Kleingärtner verzichten auf Glyphosat

Bereits aktiv geworden ist in dieser Sache der Kleingartenverein Schildstein. Die mit 285 Mitgliedern größte Lüneburger Kolonie hatte sich im Februar für den Verzicht von Glyphosat ausgesprochen, wie der erste Vorsitzende Frank Becker bestätigt. Unumstritten sei die Entscheidung indes nicht gewesen, „in diesen Fragen erreichen Sie nie völlige Übereinstimmung, schon gar nicht, da Glyphosat ja auch nicht verboten ist“, sagt Becker.

Unterstützung bekommt die Kolonie von Joachim Roemer, Präsident des Landesverbands Niedersächsischer Gartenfreunde und Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbands Lüneburg: „Aus unserer Sicht gibt es keinen Anwendungsfall nur für Glyphosat. In Kleingärten kann man daher auch darauf verzichten, es gibt Alternativen.“

Weitere Themen im Umweltausschuss

Sandabbau Häcklingen

In der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag, 12. April, 16 Uhr, im Huldigungssaal des Rathauses berichtet die Verwaltung über den aktuellen Stand zum Verfahren über die geplante Wiederaufnahme des Sandabbaus in Häcklingen.

Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen die Themen Belastung des Lüneburger Grundwassers mit Nitraten aus der Landwirtschaft, Informationen zur Messung von Luftschadstoffen sowie die Verwendung von Einweggeschirr in städtischen Unternehmen.

Von Ulf Stüwe