Nach dem Vorbild des „Rasta Dome“ in Vechta soll an der Lüneburger Rennbahn für mehr als zehn Millionen Euro eine Veranstaltungshalle entstehen. Bauherr ist der Kreis, ein Betreibervertrag ist noch nicht unterschrieben. (Foto: mr)

Nächste Runde im Arena-Poker

Adendorf. Mehr als eine Woche lang war wenig zu hören von den Verhandlungen über und die Planungen für die Arena Lüneburger Lan d. Nach den hitzigen Debatten zuvor, war die von Landrat Manfred Nahrstedt geforderte Ruhe wieder eingekehrt. Doch am Montag, 9. April, rückt der geplante Bau der millionenschweren Halle wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Zunächst tagt am Morgen – allerdings nicht öffentlich – der Kreisausschuss, am Abend hat dann die Gemeinde Adendorf ihre Bürger zu einer Info-Veranstaltung in die Mensa der Grundschule am Weinbergsweg eingeladen. Um 19 Uhr will Bürgermeister Thomas Maack dazu Landrat Nahrstedt und den Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer begrüßen. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen der geplanten Arena auf den Verkehr und die Parksituation im Ort.

Ausschuss erhält aktuelle Zahlen zum Betrieb

Doch zunächst wird der Kreisausschuss mit Blick auf den Kreistag am 23. April Anträge zur Arena beraten. „In diesem Zusammenhang werden auch die aktuellen Zahlen, die dem Kreis nun vorliegen, mit einbezogen“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Noch vor den Osterferien hatte der Landrat den Konzertveranstalter FKP Scorpio als potenziellen Betreiber und den Sommer 2017 unterlegenen Bewerber um den Betreibervertrag für die Halle aufgefordert, auf Grundlage der aktualisierten Pläne ihren Zuschussbedarf für den Betrieb zu beziffern. Anfang des Jahres waren Politik und Verwaltung noch davon ausgegangen, dass die zu erwartenden Pachtzahlungen, den zugesagten Betriebskostenzuschuss von 150 000 Euro jährlich übersteigen. Doch dann machte FKP einen Rückzieher, holte Landrat Nahrstedt mit Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe den Mitbewerber um den Betreibervertrag wieder ins Boot.

In die falsche Richtung sind die Gespräche zuletzt für die Kreistagsfraktionen von CDU, Grünen und Linken gelaufen. Das Trio hat ein Arena-Bündnis geschmiedet mit dem Ziel, den Baubeginn in diesem Jahr auf jeden Fall sicherzustellen. Brisant ist, dass CDU, Grüne und Linke im Kreistag mit 30 von 58 Stimmen eine Ein-Stimmen-Mehrheit haben – die eine Stimme des Landrats eingerechnet. Das Trio könnte also den Planungen eine neue Richtung geben.

Vermutlich auch vor diesem Hintergrund setzt das Trio dem Landrat in seinem Antrag zwei Fristen: Bis zum 1. Mai soll der Chef der Kreisverwaltung die Verhandlungen mit FKP abschließen, das Ergebnis bis Mitte Mai im Wirtschaftsausschuss vorstellen. Gleichzeitig fordert das Arena-Bündnis Nahrstedt auf, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen wirtschaftlichen Folgen eine kommunale Gesellschaft den Betrieb übernehmen kann, wenn es zu keiner Einigung mit FKP Skorpio kommt. Die Frist dafür endet am 1. Juni.

Einen Betrieb in Eigenregie hatte auch der Landrat erwogen, jedoch als letzte mögliche Option bezeichnet. Er bevorzugt weiter einen privaten Betreiber. Für CDU, Grüne und Linke hingegen ist eine „kommunal getragene Betriebsgesellschaft“ ein durchaus gangbarer Weg – gegebenenfalls unter Einbindung eines privaten Experten in das operative Geschäft. „Es gibt gute Beispiele, etwa in Trier, an denen man sich orientieren könnte“, heißt es in dem Antrag des schwarz-grün-roten Bündnisses. Im Kreisausschuss am Montag wird dieser Antrag nun erstmal nicht öffentlich verhandelt. Und nicht jeder Antrag ist so aus dem Kreisausschuss herausgekommen, wie er eingereicht wurde.

Verkehr macht Adendorfern Sorgen

Unterdessen treibt die Adendorfer vor allem das Verkehrsproblem um. Seit die Planungen für die Halle an der Lüner Rennbahn, in unmittelbarer Nachbarschaft Adendorfs, laufen, diskutieren die politischen Gremien über die Folgen, die das Großprojekt auf den Verkehr hat. Unter anderem die ABAE (Aktive Bürger Adendorf und Erbstorf) und die Gruppe CDU/FDP forderten mehr Informationen dazu.

Gunther von Mirbach, Vorsitzender der Gruppe CDU/FDP, kritisierte gestern noch einmal scharf, dass die Gemeinde einen Ende 2017 eingelegten Widerspruch gegen die von der Stadt Lüneburg erteilte Baugenehmigung kurz darauf wieder zurücknahm. Er sei überzeugt, dass die Gemeinde Adendorf wegen der zu erwartenden Verkehrsbelastung einspruchsberechtigt sei. Von Mirbach: „Und die Zeit drängt.“

Von Ingo Petersen und Malte Lühr