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Kehrtwende bei Arena?

Lüneburg. Am Ende hat die Verwaltung um Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) den Kreistag bei den Planungen für die „Arena Lüneburger Land“ wohl einmal zu oft vertrö stet. Deutliche Worte findet der stellvertretende CDU-Fraktionschef Günter Dubber: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir durch die laufenden Nachverhandlungen mit dem Betreiber FKP Scorpio auch nur einen Schritt weiterkommen.“ Den Zuschlag für den Arena-Betrieb hatte der Hamburger Konzertveranstalter nach einer Ausschreibung bereits im Sommer 2017 erhalten. Unterzeichnet ist der Betreibervertrag noch immer nicht.

Deshalb haben die Christdemokraten mit Grünen und Linken einen Antrag für den Kreistag am 23. April formuliert. Darin fordern sie die Verwaltung auf, die Verhandlungen mit FKP Scorpio bis zum 1. Mai abzuschließen und bis Mitte Mai über das Ergebnis im Wirtschaftsausschuss zu berichten. „Sollte ... kein Ergebnis erzielt worden sein, wird die Ausschreibung aufgehoben“, so der Antrag.

Boden der ursprünglichen Planung längst verlassen.

Auch fordern die drei Fraktionen den Landrat auf, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen wirtschaftlichen Folgen eine kommunale Gesellschaft den Betrieb übernehmen kann. Wieder setzen CDU, Grüne und Linke dem Landrat eine Frist: bis zum 1. Juni. „Nach einem Dreivierteljahr darf man durchaus erwarten, Antworten zu erhalten“, sagt Dubber. Den Boden der ursprünglichen Planung habe man ohnehin längst verlassen.

Der Landrat dagegen gibt sich wortkarg. „Ich nehme den Antrag zur Kenntnis und warte ab, was der Kreistag entscheidet. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen“, heißt es aus dem Kreishaus. Kein Wunder: Mit insgesamt 30 der 58 Sitze im Kreistag hat der schwarz-grün-rote Zusammenschluss eine Mehrheit, um seinen Antrag auch durchzusetzen.

"Kreis sollte die Verhandlungen jetzt abbrechen"

Die Sprache verschlägt es Nahrstedts Parteifreund Franz-Josef Kamp deshalb nicht. „Ich glaube nicht, dass der Antrag weiterhilft“, sagt der SPD-Fraktionschef im Kreistag. Doch auch er sieht die Verhandlungen an einem kritischen Punkt. „Die Arena zu bauen, scheint mit dem jetzigen Betreiber nicht zu klappen. Deshalb sind wir dafür, den Betrieb neu auszuschreiben.“ Und das europaweit, dann könne der Auftrag gleich für zehn Jahre und nicht für fünf vergeben werden. „Wenn FKP Scorpio immer noch an dem Betrieb der Arena interessiert ist, können sie sich ja wieder beteiligen.“ Ohnehin habe er das Gefühl, „dass FKP Scorpio uns zu lange am Ring durch die Manege geführt hat“, kritisiert Kamp, „der Kreis sollte die Verhandlungen jetzt abbrechen.“

Nahrstedt zog Ende Februar die Notbremse

Ein Grund für die Wahl der Hamburger war, dass ihr Angebot im Gegensatz zum Mitbewerber eine jährliche Pachtzahlung enthielt, die die zugesagten Betriebskostenzuschüsse überstieg. Doch von der Pachthöhe war FKP zuletzt abgerückt, verlangte stattdessen höhere Betriebskostenzuschüsse. Auch sorgten Nutzungseinschränkungen etwa für die Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg bei vielen Kreistagsabgeordneten für Unmut. Bei der Kreistagssitzung Ende Februar zog Nahrstedt letztlich die Notbremse, forderte die Abgeordneten auf, „die Füße stillzuhalten“. Er selbst wolle noch einmal Gespräche mit FKP Scorpio führen und am 12. März im Kreisausschuss berichten. Nur, um die Kommunalpolitiker erneut zu vertrösten: Erst im nicht-öffentlichen Kreisausschuss am 9. April will Nahrstedt aktuelle Zahlen zu den Betriebskostenzuschüssen vorlegen – dann aber nicht nur von FKP Scorpio, sondern auch vom damaligen Mitbewerber, Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe.

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„Unverzüglich ein Verkehrskonzept in Auftrag zu geben“

So lange wollten CDU, Grüne und Linke offenbar nicht mehr warten. „Wenn ein Pferd tot ist, muss man den Sattel beizeiten abnehmen“, sagt Dubber und weiter: „Am Ende treibt alle die Sorge um, dass am Ende gar keine Halle gebaut wird.“ Auch die SPD um Kamp will die Arena unbedingt, doch dass nun alle Fraktionen an einem Strang ziehen, ist kaum zu erwarten. Zum einen favorisiert Schwarz-Grün-Rot im Gegensatz zur SPD eine kommunale Betreibergesellschaft, zum anderen will das Trio „Fässer aufmachen“, die Kamp für bereits geschlossen hielt. So sieht der Antrag auch vor, „die Arena ... mit einem multifunktionalen Sportboden auszustatten“ sowie „unverzüglich ein Verkehrskonzept in Auftrag zu geben“. Erhebliche Verzögerungen wären für Kamp unvermeidlich. Dagegen wollen CDU, Grüne und Linke unter Punkt sechs ihres Antrags, die Verwaltung verpflichten, „Vorarbeiten und Prüfungen ... so abzuschließen, dass noch in diesem Jahr der Bau begonnen wird“. Für reichlich Spannung im nächsten Kreistag ist gesorgt.

Von Malte Lühr

Mehr dazu: 

https://www.landeszeitung.de/a/34509-potenzielle-arena-betreiber-muessen-neu-rechnen

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