Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die Scholze-Kreuzung von oben: Messungen haben dort jetzt eine hohe Luftbelastung durch Dieselabgase nachgewiesen. Foto: Boldt

Fahrverbote sind für die Stadt keine Option

Lüneburg. Fahrverbote auch in Lüneburg? Diese Frage steht derzeit angesichts der Messergebnisse der Deutschen Umwelthilfe an der Lüneburger Scholze-Kreuzung im Raum. Die Luft ist dort so stark durch Dieselabgase belastet, dass beinahe der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO₂) pro Kubikmeter Luft erreicht ist. Die Umwelthilfe geht aufgrund des starken Kälteeinbruchs sogar davon aus, dass der tatsächliche Wert etwa zehn Prozent höher ausfallen dürfte. Nachmessungen sind geplant. Die Stadt spricht derweil von einem „ungenauen Bild“, hält auch Fahrverbote zurzeit für keine Option.

Pressesprecherin Ann-Cathrin Behnck sagt, dass sich die Stadt an den Messwerten des Landes Niedersachsen orientiere. Bekanntlich gibt es eine Messstelle am Flugplatz, diese ist jedoch vom Ministerium explizit als Hintergrundstation ausgewiesen. Die Kritik, dass diese die einzige in Lüneburg darstellt, zudem weit draußen liegt, gärt seit Jahren.

Förderung des Radverkehrs

Der dort festgestellte Jahresmittelwert der Stickstoffdioxid-Belastung läge seit Jahren „annähernd die Hälfte unter dem gesetzlichen Grenzwert“, sagt Behnck. Auch würden die Messungen nicht nur einen Monat abbilden, sondern ganzjährig erfolgen. Gleichwohl nehme man die Ergebnisse der Umwelthilfe durchaus ernst. Zur Reduzierung der Luftbelastung verfolgt die Stadt verschiedene Ansätze: Neben den Anliegen, den ÖPNV ab 2019 umweltfreundlicher zu gestalten und den Schienenpersonennahverkehr auf ausgewählten Strecken zu reaktivieren, gehe es auch darum, Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs umzusetzen. Auch befände man sich anlässlich einer zeitnahen Flottenumrüstung in Gesprächen mit Handwerks-, Liefer- und Taxibetrieben.

Diese Maßnahmen, die zum Ziel hätten, die Luftqualität zu verbessern und den Verkehr an bestimmten Knotenpunkten zu verringern, könnten auch „außerhalb der Fahrverbote“ umgesetzt werden, sagt die Sprecherin der Stadt.

Stickoxidwerte haben sich verbessert

Zu dem Schluss, dass weiterhin kommunale Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge drohen, ist gerade erst eine auf Messdaten des Umweltbundesamts basierende Studie des Center Automative Research der Uni Duisburg-Essen gekommen. Sie hat auch ergeben, dass sich die Stickoxidwerte in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres verbessert haben. So sind es jetzt noch 32 neuralgische Punkte, an denen der EU-Grenzwert überschritten wird (2017: 52).

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann hält Fahrverbote für unvermeidbar. „Die Wahrheit ist, dass wir keine Wahl mehr haben“, sagte er am Mittwoch der „Heilbronner Stimme“ und dem „Mannheimer Morgen“. „Die Richter zwingen uns zu Fahrverboten, wenn all die anderen Maßnahmen nicht rechtzeitig und wirksam greifen.“

Von Anna Paarmann

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/35110-abgas-check-an-scholze-kreuzung

https://www.landeszeitung.de/a/34785-deutlich-ueber-dem-grenzwert