Dienstag , 29. September 2020
Jäger nehmen die Jagdsteuer ins Visier, wollen sie am liebsten auch im Landkreis Lüneburg abschaffen. Foto: phs

Letztes Halali für die Jagdsteuer

Lüneburg. Im Landkreis Harburg ist sie bereits Geschichte, im Emsland und im Landkreis Osnabrück ebenso. Und geht es nach Christian Voigt, dann wird auch im Lan dkreis Lüneburg schon bald zum letzten Halali für die Jagdsteuer geblasen. „Die Jagdsteuer muss weg“, fordert nämlich der Vorsitzende der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg unmissverständlich – „sie ist nicht mehr zeitgemäß.“

Bestärkt fühlt sich Voigt durch die aktuelle Entwicklung im Nachbarkreis Uelzen. Denn dort ist man schon einen Schritt weiter. „Der Kreisausschuss des Landkreises Uelzen hat die Abschaffung der Jagdsteuer zum 1. April nächsten Jahres bereits beschlossen“, weiß der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft. Die endgültige Entscheidung über die Abschaffung der Jagdsteuer muss allerdings noch der Uelzener Kreistag in seiner Sitzung am 17. April bestätigen.

Wild galt im 18. Jahrhundert noch als Luxusgut

Den Antrag auf Abschaffung der Jagdsteuer kommt auch im Nachbarkreis aus den Reihen der Jägerschaft. „Die Frage ist nicht, warum wir die Jagdsteuer abschaffen wollen, sondern warum es sie überhaupt noch gibt“, begründete der Vorsitzende der Uelzener Kreisjägerschaft, Nikolaus Walther seinen Vorstoß. Und Christian Voigt ergänzt: „Ihren Ursprung hat die Jagdsteuer im 18. Jahrhundert als sogenannte Wildbretsteuer. Da galt Wild noch als Luxusgut.“ Das aber sei schon lange nicht mehr der Fall.

Kippt die Steuer, müssen die Kämmerer in den beiden Landkreisen Lüneburg und Uelzen auf hohe Einnahmen verzichten: In Uelzen spielte die ungeliebte Steuer im vergangenen Jahr 100.000 Euro in die Kreiskasse, im Landkreis Lüneburg waren es sogar 159.000 Euro.

Trichinenproben sind jetzt komplett kostenfrei

Wohl auch angesichts dieser Zahlen will man im Landkreis Lüneburg (noch) nicht über eine endgültige Abschaffung der Jagdsteuer nachdenken. Stattdessen verweist Kreissprecherin Katrin Holzmann darauf, dass der Landkreis den Grünröcken bereits bei der Trichinenschau entgegen komme. Die Trichinenproben sind jetzt komplett kostenfrei“, erinnert Holzmann – nicht nur für Frischlinge, sondern für alle geschossenen Schwarzkittel. Zuvor kostete die Trichinenschau vier Euro pro Stück. Die dadurch erzielten Einsparungen für die Jägerschaft beziffert Holzmann alleine im vergangenen Jahr auf rund 8500 Euro. Außerdem erhalte die Jägerschaft jährlich 10.000 Euro aus der Kreiskasse für Natur- und Wildschutzprojekte.

 

 

 

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Für den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft sind diese Zuschüsse aber bei weitem nicht ausreichend – und sie stehen seinen Worten zufolge auch in keiner Relation zu dem zeitlichen Aufwand, den die Jäger gerade jetzt angesichts der drohenden Afrikanischen Schweinepest betreiben müssen.

„Ohne die Jäger geht es nicht“

So habe zum Beispiel das Bundeskabinett beschlossen, die Schonzeit für das Jagen von Wildschweinen aufzuheben – mit Ausnahme auf Bachen, deren Frischlinge noch gelbe Längsstreifen aufweisen. Denn nur mit einer drastischen Reduzierung der Sauenbestände hoffen die Behörden, die Afrikanische Schweinepest verhindern zu können, dessen Virus über Georgien und Russland in die EU eingeschleppt worden ist. Mittlerweile sind sechs Mitgliedsstaaten betroffen. Für viele Experten lautet die Frage daher nicht mehr, ob die Seuche nach Deutschland kommt, sondern nur noch, wann.

Ohne die Jäger geht es also nicht. Und das ist für Christian Voigt ein weiteres, gutes Argument in seinem Kampf zur Abschaffung der Jagdsteuer.

Von Klaus Reschke