Samstag , 31. Oktober 2020
Matti Pannenbäcker (l.) und Richard Kaatz vom „Wir-Garten“ wollen ihre Genossenschaftsidee in die Region tragen. Foto: t&w

Ideen für die Arbeitswelt von morgen

Lüneburg. „Wir wollen das, was wir bereits in Lüneburg machen, auch auf andere Regionen übertragen.“ Matti Pannenbäcker von der Gemüse-Genossenschaft „Wir-Garten“ hat Großes vor. Dort wird Landwirtschaft solidarisch praktiziert, wer Mitglied ist, wird im Gegenzug mit den erzeugten Lebensmitteln versorgt. Ziel ist es, der Entfremdung zwischen Konsumenten und Lebensmittelerzeugern entgegenzuwirken. Nun will Pannenbäcker diese Idee als „Social Franchise System“ weiter in die Region tragen. Für dieses und fünf weitere Projekte wurden jetzt Fördermittelbescheide in Höhe von rund 660.000 Euro übergeben.

„Ihre Projekte helfen, die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern“, sagte die Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung, Monika Scherf. Die Projekte erhalten ESF-Fördermittel aus dem Programm „Soziale Innovation“. Mit dem Programm sollen die kommenden strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt in den Blick genommen werden. Ebenso gelte es, Ansätze zur Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen für Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Migranten und Menschen mit Behinderung aufzuzeigen. Kernaufgabe bei der Gestaltung der Arbeitswelt von morgen sei es, „alle mitzunehmen und keinen zu verlieren“, betonte Scherf. Dass der Amtsbezirk Lüneburg dabei gut abschneide, zeige, dass von den niedersachsenweit neun Projekten sechs aus dieser Region kommen.

Amtsbezirk Lüneburg schneidet gut ab

Neben Matti Pannenbäcker, der für „Wir-Garten“ 120.000 Euro Fördermittel erhält, waren Vertreter der fünf weiteren Projekte ins Behördenzentrum Auf der Hude gekommen. So stellten Monika Hahn und Arno Pott von der BUPnet GmbH aus Lüneburg ihr Projekt „Führung in Zukunft“ vor. Weil Digitalisierung den Innovationsdruck verstärke, werde künftig flexibler, vernetzter und internationaler gearbeitet – mit Auswirkungen auf das Führungsverhalten. Mit dem Projekt sollen neue Führungsmodelle und -kompetenzen entwickelt und vermittelt werden. Förderbetrag: 120.000 Euro.

Andrea Japsen und Christian Otto von der Leuphana präsentierten ihr „Digital Leadership Lab“. Dabei werden regionale kleine und mittlere Unternehmen per Wissenstransfer in der Region sensibilisiert, Führungskräfte und Arbeitsteams an neue digitale Arbeitstechnologien und -konzepte herangeführt. Auf deren Basis sollen diese dann in ihren Betrieben Organisations- und Managementinnovationen umsetzen können. Zuwendung: 86.300 Euro.

Um Wissenstransfer geht es auch beim Netzwerk „WendLandLabor“, mit dem der Landkreis Lüchow-Dannenberg die Existenzgründungsaktivitäten im ländlichen Raum erhöhen will. Dabei sollen regionale und vor allem kleine und mittlere Unternehmen, Handwerker, Vertreter der Kreativwirtschaft aus der Region und Absolventen der kreativen Studiengänge der umliegenden Metropolen zusammengebracht werden, wie Renate Ortmanns-Möller und Landrat Jürgen Schulz vom Landkreis Lüchow-Dannenberg erläuterten. Förderbetrag: 120.000 Euro.

Die „Begabungsreserven von Langzeitarbeitslosen“ will die VitaAkademie GmbH aus Zeven im Landkreis Rotenburg (Wümme) mit ihrem Projekt „AMDL innovativ“ aktivieren. Untersucht wird in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg, wie der Fachkräftemangel abgemildert und die Bedürfnisse der Arbeitslosen mit den Bedürfnissen der Arbeitgeber und anderer Akteure vor Ort in Einklang gebracht werden können. Zuwendung: 120.000 Euro.

Ergebnisse in zwei Jahren sichten

„Arbeiten 4.0“ heißt das Projekt des Bildungszentrums Heimvolkshochschule Hustedt aus Celle. Gemeinsam mit Interessenvertretern von Arbeitnehmern und Personalverantwortlichen aus Unternehmen in der Region Lüneburg soll ein Netzwerk der Sozialpartner aufgebaut werden. Dabei geht es darum, Erfahrungen mit Implementierungsprozessen in den Bereichen digitaler Produktion beziehungsweise Dienstleistungen auszutauschen und Anforderungen an die Betriebe zu ermitteln. Zuwendung: 99.500 Euro.

Monika Scherf kündigte an, in zwei Jahren die Ergebnisse der Projekte in den Blick zu nehmen. „Die Berichte sollen nicht in den Behörden-Regalen verschwinden.“

Von Ulf Stüwe