Samstag , 26. September 2020
In vielen Teilen des Landkreises ist die Landwirtschaft auf künstliche Bewässerung angewiesen. Foto: A/t&w

Dem Wasser auf der Spur

Lüneburg. Sauberes Wasser ist eine Grundbedingung für die Gesundheit der Menschen. Verständlich also, das man mit dem wichtigsten Lebensmittel überhaupt besond ers sorgsam umgehen sollte. Auch in Regionen, in denen vermeintlich keine Wasserknappheit herrscht, das kostbare Nass jederzeit und in unbegrenzter Menge aus dem Wasserhahn fließt. Doch wie sieht es tatsächlich mit den heimischen Grundwasservorkommen aus? Das untersucht jetzt der Dachverband Feldberegnung Lüneburg – mit Hilfe eines Grundwasserströmungsmodells.

Im Dachverband zusammengeschlossen sind alle Grundwassernutzer im Landkreis, ausgenommen die Trinkwasserversorger. Das Modellgebiet, das die Experten unter die Lupe nehmen, umfasst rund 3 850 Quadratkilometer, reicht also weit über die Grenzen der Landkreise Lüneburg und Uelzen hinaus. „Diese Größe ist erforderlich, um die Wechselbeziehungen mit benachbarten Grundwasserkörpern, wie zum Beispiel der Jetzel in Lüchow-Dannenberg oder der Ise im Kreis Gifhorn darstellen zu können“, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer der Beregnungsverbände, Jörg Martens.

Zunächst werden alle Daten gesammelt

Die Wasser-Experten wollen herausfinden, wie sich die Grundwasserentnahme auf Landökosysteme wie Teiche, Seen oder Fließgewässer auswirkt und wie man eventuell negative Folgen verhindern kann. „In einem ersten Schritt wurde in den beiden vergangenen Jahren durch die Mitarbeiter des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände Uelzen alle Daten zu Beregnungsbrunnen gesammelt und gesichtet“, heißt es vom Dachverband.

Für den Landkreis Lüneburg ermittelten die Mitarbeiter 865 Beregnungsbrunnen, die eine Ackerfläche von insgesamt 22 737 Hektar bei Trockenheit mit künstlichem Regen versorgen. Dazu dürfen die Landwirte jährlich bis zu 16,1 Milionen Kubikmeter Grundwasser fördern. Zum Vergleich: Für die Trink- und Brauchwasserversorgung werden im Landkreis jährlich „nur“ 11,7 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. Damit spiegelt Lüneburg eine Entwicklung im Kleinen wieder, die weltweit Anlass zur Sorge gibt: Denn weltweit fließt mehr als zwei Drittel des verbrauchten Wassers in die Landwirtschaft.

Prognosen für die nächsten 25 Jahre

Im Landkreis Lüneburg nutzen die Forscher die gewonnenen Daten zum Aufbau eines Strukturmodells des geologischen Untergrunds des Untersuchungsgebietes. Dank dieses Modells können die Grundwasserströmung, die Grundwasserspiegel sowie deren Veränderung bei bestimmten Entnahme-Szenarien berechnet werden. Vor allem aber sollen so auch Auswirkungen des Klimawandels auf den künftigen Wasserbedarf sowie die Grundwasserneubildung präziser bestimmt werden können – mit einem Prognosehorizont von 25 Jahren.

„Im Gegensatz zur Trinkwasserentnahme ist die Förderung von Beregnungswasser starken jahreszeitlichen Schwankungen und dem Witterungsverlauf unterlegen“, erklärt Martens. Deshalb soll zur Kalibrierung des Rechenmodells eine Stichtagsmessung von Grundwasserständen an ausgewählten Brunnen noch in diesem Monat stattfinden. Dazu werden fünf Messteams innerhalb einer Woche an über 500 Brunnen Messungen des Grundwasserspiegels vornehmen. „Ergänzt durch die Daten der Messpegel des gewässerkundlichen Landesdienstes ermöglichen die Messwerte eine erste Kalibrierung des Grundwasserströmungsmodells“, erläutert Diplom-Ingenieur Jörg Martens. 2019, so die Planung, soll das dann gut eine halbe Million Euro teure Gutachten vorliegen.

Wissenswertes zum Thema Wasser

126 Liter für einen Niedersachsen

Jährlich benötigen die Niedersachsen fast 500 Millionen Kubikmeter Grundwasser. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch eines Niedersachsen beträgt etwa 126 Liter Wasser. Dieser Bedarf wird zu 86 Prozent aus Grundwasser gedeckt. Aber auch Talsperren, Quellen und Uferfiltrat spielen eine wichtige Rolle. Sie tragen mit circa 14 Prozent zur niedersächsischen Wasserversorgung bei.

Besonders bekannt ist Niedersachsens größte Quelle, die „Rhumequelle“ bei Göttingen. Bei ihr handelt es sich um eine sogenannte Karstquelle, die pro Sekunde rund 2200 Liter Wasser schüttet. Das entspricht in etwa dem Tagesverbrauch von 17 Niedersachsen. Etwas weniger schüttet die „Schwindequelle“ in der Lüneburger Heide. Bei ihr sind es 42 Liter pro Sekunde und damit etwa 3,5 Millionen Liter Wasser pro Tag. Damit ist sie Norddeutschlands größte Lockergesteinsquelle.

von Klaus Reschke