Samstag , 31. Oktober 2020
Kay Nitsche (r.) vom Umweltministerium brachte VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann einen Förderbescheid mit. Foto: t&w

Für Birkhuhn und Calluna

Niederhaverbeck. Die staatliche Förderung der Landschaftspflege sowie des Natur- und Artenschutzes im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wird ab sofort und bis 2022 auf neue Füße gestellt. Unter dem Strich erhält die Stiftung des Vereins Naturschutzpark (VNP) mehr Geld für mehr Leistungen. Allein für den Arten- und Bioptopschutz „Birkhuhn und wertgebende Arten der Heidelandschaft“ erhält der VNP in den kommenden fünf Jahren rund 2,7 Millionen Euro. Die frohe Botschaft überbrachte am Donnerstag Kay Nitsche, Abteilungsleiter „Naturschutz, Wasserwirtschaft, Bodenschutz“ beim Umweltministerium in Hannover. Bei der Übergabe des wichtigen Förderbescheids bei der VNP-Geschäftsstelle waren auch Kommunal- und Kreispolitiker, Landtagsabgeordnete sowie Vertreter von Naturschutzverbänden zugegen.

„Erhaltung und Entwicklung von Wiesenvogelarten“

Der VNP setzt sich seit über 100 Jahren als Hüter der Lüneburger Heide ein, den immerhin größten zusammenhängenden Flächen von Besenheide (Calluna vulgaris) in Mitteleuropa. Seit 1993 hat der VNP mit dem Land Niedersachsen in „Öffentlich-Rechtlichen Vereinbarungen“ die staatlichen Zuwendungen festgehalten: für die Schutzgebietsbetreuung und den „Speziellen Arten- und Biotopschutz“. Die Zuwendungen betrugen bisher pro Jahr rund 390.000 Euro. Die fallen nun weg. An ihre Stelle treten nun verschiedene Förderungen, die auch durch EU-Mittel gespeist werden.

Für die Schutzgebietsbetreuung gibt es bis 2022 pro Jahr rund 368.000 Euro. Damit sind erstmals auch Dienstleistungen abgedeckt wie beispielsweise die VNP-Naturwacht für Kontrollen vor Ort. Zuzüglich zu den besagten 2,7 Millionen Euro für Pflegemaßnahmen in Birkhuhn-Lebensräumen gibt es im fünfjährigen Förderzeitraum weitere rund 375.000 Euro für „Erhaltung und Entwicklung von Wiesenvogelarten“ sowie weitere rund 450.000 Euro für die „Fortsetzung der Hochmoor-Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor-Komplex“. Mehrere dieser Maßnahmen waren zuvor über andere Förderprogramme finanziert worden.

Fördermittel können  ab Mitte März abgerufen werden

Die zugesagten Fördermittel, die ab Mitte März abgerufen werden können, garantieren vor allem die Fortsetzung der VNP-Arbeit. VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann sagte: „Damit können wir über Jahre hinaus die Landschaft der Lüneburger Heide zum Wohle der Allgemein mit pflegen und entwickeln.“ Die jetzt zugesagten Fördermittel pro Jahr machen immerhin rund 25 Prozent des jährlichen Budgets aus, das die VNP-Stiftung aufwendet.

Kay Nitsche vom Umweltministerium sagte: „Die Landschaft der Lüneburger Heide wäre ohne die Pflege durch den VNP nicht das, was sie heute ist. Der VNP ist ein Akteur, auf den wir uns immer verlassen können – und er sich immer auf uns.“ Als „gut angelegtes Geld“ bezeichnete die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD), die auch Mitglied des VNP-Beirats ist, die Fördermittel. Der Soltauer Landtagsabgeordnete Dr. Karl-Ludwig von Danwitz (CDU) pflichtete dem bei und betonte zudem, dass neben dem VNP auch viel ehrenamtliche Arbeit geleistet werde, um die Kulturlandschaft Heide für Einwohner und Touristen zu erhalten.

Von Dennis Thomas

Hintergrund

Vom Totengrund zum Naturpark

Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide war 1921 das erste gesetzlich ausgewiesene Naturschutzgebiet in Deutschland. Die Initiative war vom „Verein Naturschutzpark“ (VNP) ausgegangen. In dessen Reihen hatten unter anderem der Winsener Landrat Fritz Ecker und der Egestorfer Pastor und gebürtige Lüneburger Wilhelm Bode erfolgreich dafür geworben. Sie hatten auch eine Mitgift zu bieten: Unter anderem den Totengrund, den Bode 1906 mithilfe des Professors Andreas Thomsen für 6000 Goldmark gekauft hatte, um ihn für die Nachwelt zu erhalten.

Für den geplanten Naturschutzpark gab es nicht nur finanzielle Zusagen aus Hamburg und Bremen. Kaiser Wilhelm II. stellte zudem die Genehmigung von zwei Lotterien in Aussicht. Damit finanzierte der VNP 1910 den Ankauf von weiteren Flächen rund um den Wilseder Berg.

1956 lieferte das Naturschutzgebiet die Blaupause für den Naturpark Lüneburger Heide, bei seiner Gründung war er der erste seiner Art. Vor allem der damalige VNP-Vorsitzende Dr. Alfred C. Toepfer forderte ein Naturparkprogramm für die ganze Bundesrepublik.

Im Jahr 2007 übergab der VNP die Trägerschaft des rund 23 000 Hektar großen Naturparks an den 2006 gegründeten Verein Naturparkregion Lüneburger Heide. Im gleichen Atemzug erfolgte die Erweiterung auf 107 769 Hektar. Die Pflege des zentralen Naturschutzgebietes blieb in den Händen des VNP.