Dienstag , 22. September 2020
Wie die Herausforderungen im Finanzamt Lüneburg gemeistert werden können, darüber sprach Finanzminister Reinhold Hilbers (l.) mit Behördenchef Hans-Gunter Thunecke. Foto: t&w

Minister kämpft mit Personalschwund

Lüneburg. Wie verändert die zunehmende Digitalisierung die Arbeitsabläufe in den Finanzämtern und wie gehen die Behörden mit den hohen Personalabgängen um, die auf die Steuerverwaltungen in den kommenden Jahren massiv zukommen wird? Das waren zwei der Themen, die Niedersachsens neuer Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) am Mittwoch bei seinem Antrittsbesuch in Lüneburg vorstellte.

„Die fortschreitende Digitalisierung der Steuerverwaltung und die Tatsache, dass in den kommenden Jahren viele Kolleginnen und Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand treten, stellen große Anforderungen an uns“, sagte Hilbers beim Pressegespräch, zu dem der Minister ins Lüneburger Finanzamt eingeladen hatte. Wie groß der Mitarbeiterschwund ist, der auf die Behörden zukommt, machte Hilbers an Zahlen fest: Niedersachsenweit werden bis zum Jahr 2025 rund 40 Prozent der Beschäftigten in den Steuerverwaltungen in den Ruhestand treten. Auch Lüneburg mit seinen 231 Mitarbeitern ist laut Hans-Gunter Thunecke, Chef des Lüneburger Finanzamts, in ähnlicher Größenordnung betroffen.

Zunehmende Internationalisierung

Um die Lücken nicht allzu groß werden zu lassen, soll verstärkt ausgebildet werden, zudem sollen Mitarbeiter „möglichst lange“ im Berufsleben gehalten werden. „Dies wollen wir auch durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Programme zur Gesundheitsvorsorge erreichen“, erklärte Hilbers.

Problematisch seien die Personalabgänge auch vor dem Hintergrund weiter steigender Anforderungen ans Steuerrecht. So sorge die zunehmende Internationalisierung dafür, dass das Steuerrecht „eher wächst als einfacher wird“, wie Hilbers ausführte. Steuervereinfachung bleibe aber auch weiterhin eine der Schwerpunktaufgaben.

Keine personellen Entlastungen zu erwarten

Entlastung erhoffen sich die Finanzbehörden von der weiteren Digitalisierung der Arbeitsprozesse. So soll mittels einer neuen internen Software vor allem der bundesweite Datenaustausch erleichtert werden, „Mitarbeiter müssen Akten dann nicht mehr in ein anderes Bundesland schicken, wenn Steuerpflichtige dorthin umgezogen sind“, erläuterte Hilbers. Vorteile für die Steuerpflichtigen werden auch in der elektronischen Steuererklärung „ELSTER“ gesehen, die auch das Beifügen von Belegen überflüssig mache. Wegen der noch anhaltenden Umstellung seien aber auch hier keine personellen Entlastungen zu erwarten, „im Gegenteil, hier sind die Mitarbeiter derzeit zusätzlich gefordert“. Dass „ELSTER“ auf Kosten der Steuerehrlichkeit gehen könnte, sieht Hilbers: „Jeder muss damit rechnen, dass er kontrolliert wird.“

Eine Zusammenlegung der 57 niedersächsischen Veranlagungsfinanzämter sei kein Thema, erklärte Hilbers. „Die Menschen sollen sich auch weiterhin an ihre Finanzämter wenden und ihre Fragen stellen können.“ Das Steueraufkommen im Finanzamt Lüneburg betrug im vergangenen Jahr 664 Millionen Euro, er gehöre damit „nicht zu den Kleinen“, wie Hilbers betonte. Insgesamt belief sich das Steueraufkommen sämtlicher Veranlagungsfinanzämter in Niedersachsen im vergangenen Jahr auf rund 36,4 Milliarden Euro.

Von Ulf Stüwe