Sonntag , 25. Oktober 2020
Die Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig ist nicht mehr voll belegt. Die Stadt plant dort jetzt eine Kita. (Foto: A/be)

Der Nordosten ist unterversorgt

Lüneburg. Mehr Betreuungsplätze für Kinder möchte die Stadt schaffen (siehe oben). Nachholbedarf sieht die Verwaltung vor allem am Kreideberg, in Ochtmissen und am Ebensberg. Für Diskussionen sorgte im Jugendhilfeausschuss vor allem ein geplanter neuer Standort. Die Kita, die auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig entstehen soll. 15 Krippen- und 69 Kita-Plätze sollen dort in Containern geschaffen werden (LZ berichtete).

Bauherr ist die Lüwobau, die Stadt hat die mobilen Bauten gemietet, möchte die Trägerschaft für die neue Kita übernehmen. Derzeit ist die Eröffnung für September geplant, im Ausschuss bezeichnete Bildungsdezernentin Pia Steinrücke das Ziel als „sehr sportlich“. Überzeugt sei sie von der Infrastruktur, so soll der MTV bereits eine Kooperation angeboten haben. Zudem befindet sich der neue Arche-Park des Schubz nur wenige Hundert Meter entfernt. „Dort lässt sich also gut etwas zum Thema Naturerfahrung auf die Beine stellen.“

Kritik am Standort

Die Grünen hatten einen Antrag eingereicht und kritisiert, dass der anvisierte Standort außerhalb einer Bebauung und an einer Hauptverkehrsstraße liegt. Wäre es nicht sinnvoller, die Container an einem Standort im Wohnumfeld aufzubauen?, lautete eine der Fragen. Steinrücke führte aus, dass dieser Schritt zusätzliche Kosten verursachen würde, „außerdem wäre der Bedarf am Kreideberg und in Ochtmissen dann nicht gedeckt“. Um den Verkehr zu bremsen, sollen eine Querungshilfe entstehen, zudem Tempo 30 und eine Parkzone geprüft werden.

Susanne Neuhaus (Grüne) ließ sich von den Ausführungen nicht beirren: „Der Oberbürgermeister hatte damals in Bezug auf die Flüchtlingsunterkunft gesagt, dass diese zurückgebaut, die Fläche renaturiert werden soll.“ Sorge bereiteten ihr die Schulkinder und die Tatsache, dass dort künftig alles zur gleichen Zeit stattfindet. „Eltern bringen ihre Kinder ja bekanntlich selten zu Fuß zum Kindergarten, sondern mit dem Fahrrad oder Auto. Dabei sind sie immer in Hektik und haben nur ihr eigenes Kind im Blick.“ Auch soll eine solche Einrichtung in ihren Augen ein Ort der Begegnung sein, zentral und nicht in einem „ungemütlichen Durchzugsgebiet“ liegen.

Keine reine Kreideberg-Kita

Eine Querungshilfe könne gut funktionieren, sagte Steinrücke und verwies auf die Kita Hansekids an der Bleckeder Landstraße. „Sie haben recht, Kitas sollen Orte der Begegnung sein. Das ändert aber nichts daran, dass Eltern ihre Kinder immer schnell absetzen. Ich bleibe dabei, dass der Standort sehr gut geeignet ist.“

Auch der Ausschussvorsitzende Holger Nowak (SPD) hält den Standort für sinnvoll – sieht darin auch den Vorteil, zusätzlichen Verkehr in der Innenstadt zu vermeiden. „Es geht darum, den Bedarf dort abzudecken, wo er benötigt wird.“ Parteikollege Philipp Meyn befürwortet vor allem die Durchmischung der unterschiedlichen Milieus. „Es ist doch schön, wenn man keine reine Kreideberg-Kita schafft.“ Zu dem Einwand von Susanne Neuhaus, das Gebiet sei zugig, sagte Meyn: „Das als Argument vorzubringen, dort keine Kita zu errichten, halte ich für fadenscheinig.“ ap