Die Schülerinnen Dana Schumacher, Luisa Mierendorff warten am Lünebuger ZOB auf ihren Bus nach Adendorf. (Foto: t&w)

Grüne und Linke drängen auf Busse ohne Fahrschein

Lüneburg. „Gratis-ÖPNV halten wir für eine sehr gute Idee. Den bereits belasteten Städten wird das alles für den Moment wenig bringen. Drohende Klagen und Fahrverbote wendet die Bundesregierung damit nicht ab“, glaubt Detlev Schulz-Hendel. Der grüne Landtagsabgeordnete aus Amelinghausen regt zudem einen flächendeckenden Ausbau der Angebote von Bussen und Bahnen an, um eben auch Regionen auf dem Land anzubinden: „Wenn auf den Mobilitätsbedarf der Menschen nicht mit verbesserten Angeboten reagiert wird, wird eine Verringerung der Autoverkehre nicht gelingen, auch nicht mit Gratisangeboten.“

Schulz-Hendel wundert sich, dass fünf Modellbereiche, welche die Bundesregierung für einen Modellversuch ins Auge genommen hat, alle außerhalb Niedersachsens liegen. Seine Forderung: „Die Landesregierung muss sich dafür einsetzen, dass auch Niedersachsen bei einer Modellphase berücksichtigt wird.“

Anreiz für Autofahrer

Auch Michèl Pauly von der Stadtratsfraktion der Linken begrüßt die die Idee: „Für alle Menschen, die bereits heute den ökologischen Verkehrsverbund aus Fahrrad, Bus, Bahn und als Fußgänger nutzen, ist es eine finanzielle Entlastung. Für Autofahrer ist es ein Anreiz, auf den Nahverkehr umzusteigen und so Lüneburgs Verkehrsinfrastruktur, deren Verschleiß jedes Jahr Hunderttausende von Euro kostet, zu entlasten.“

Die Linksfraktion verweist auf aktuelle Feinstaubmessergebnisse in der Stadt. Die Grenzwerte würden teilweise deutlich überschreiten. Zur Machbarkeit verweist Pauly auf gute Erfahrungen in Deutschland und ganz Europa. „Die ersten Städte in Europa wie das estnische Tallinn oder das belgische Hasselt haben es vorgemacht. Der Nahverkehr ohne Fahrschein funktioniert. Zwischen 15 und 25 Prozent der Fahrscheinerlöse werden heute nur dafür verwendet, dass es Fahrscheinautomaten, Kontrollen und Ähnliches gibt.“ Nahverkehr sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ und so aus Steuern und Abgaben zu finanzieren. ca

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