Sonntag , 25. Oktober 2020
Tristesse am Schrangenplatz. Das soll sich im Frühjahr ändern. Vermutlich locken dann wieder Tische und Stühle zum Verweilen. (Foto: t&w)

Der Schrangenplatz wird wachgeküsst

Lüneburg. Auf den verwaisten Schrangenplatz soll das Leben zurückkehren: Der Wirt einer Eisdiele aus der Nähe will in dem Pavillon eine Außenstelle eröffnen. Das bestätigte der Gastronom der LZ. Zu Details möchte er sich noch nicht äußern: „Die Planungen laufen.“ Klar sei allerdings, dass er Tische und Stühle aufstellen möchte, er sei im Gespräch mit der Stadt.

Es ist ein erstes zartes Pflänzchen, was dort Frühlingsluft erahnen lässt. Denn ob und wann das ehemalige Mäxx wieder aufblüht, scheint nicht absehbar. Das Comodo gegenüber liegt noch im Winterschlaf. Zur Zukunft war noch nichts Konkretes zu erfahren.

Noch hat niemand für die kommende Freiluftsaison an Lüneburgs Sonnenadresse „Liegen“ gebucht. Im Rathaus sagt Sprecherin Suzanne Moenck: „Uns liegen für den Platz noch keine Anträge für Außengastronomie vor.“ Es ist nicht lange her, da war es so wie am Pool im Hochsommer – kaum ein Plätzchen an der begehrten Meile zu ergattern.

Vor zwei, drei Jahren verdunkelten Wolken die blendenden Aussichten. Das Mäxx und später das Bailey‘s kamen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Obendrein sah die Stadt bei Überprüfungen Verstöße gegen den Brandschutz und schloss das Lokal im Sommer 2016. Vis-à-vis war ein Jahr später Schluss. Die Familie Dovas hatte das Comodo zunächst noch umgebaut, doch offenbar nicht mit dem gewünschten Erfolg – auch hier gingen die Lichter aus.

In das Restaurant sollte zum Jahreswechsel eigentlich eine Pizza-Kette aus Lübeck einziehen. Wie berichtet, waren sich die Hanseaten und die Eigentümer des Komplexes schließlich doch nicht handelseinig geworden. Es sollten weitere Gespräche laufen. Wie sie ausgegangen sind, war trotz mehrerer Nachfragen bei der Immobiliengesellschaft bis gestern Abend nicht zu erfahren.

Beim ehemaligen Mäxx bleibt alles vage. Dort gibt es einen Mietvertrag, doch die Gastronomen liegen mit der Stadt in Sachen Sicherheit weiterhin über Kreuz. Ein Vertrauter der Familie sagte zur LZ: „Die Stadt macht uns immer neue Auflagen und fordert Unterlagen. Wir fragen uns, ob das statthaft ist.“ Man überlege gar, vors Verwaltungsgericht zu ziehen, um das überprüfen zu lassen.

In der Verwaltung gibt sich Sprecherin Moenck unbeeindruckt: „Einer möglichen Klage sehen wir gelassen entgegen. Wir benötigen prüffähige und vollständige Angaben. Die liegen nicht vor, das ist eine zähe Angelegenheit.“ Ein Ende wohl nicht in Sicht.

Eine Wiederbelebung könnte das „News“ an der nahen Schröderstraße erfahren. Ein Schild „zu vermieten“ ist abgehängt. An der Meile erzählt man sich, dass angeblich ein Café einziehen könnte.

Steuerhinterziehung die Zweite

Ex-Wirt steht wieder vor Gericht

Der ehemalige Wirt des Mäxx, Mehmet Sevim, muss sich erneut vor dem Landgericht Stade verantworten. Wie berichtet, war Sevim im Juni 2016 wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte er Revision eingelegt, mit Erfolg: Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Vom 25. April an soll die 6. Große Wirtschaftsstrafkammer den Fall erneut verhandeln, heißt es aus Stade. Es ist bislang ein Folgetermin angesetzt.

Die Anklage hatte dem Kneipier zur Last gelegt, zwischen 2004 und 2009 rund 1,4 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Das Gericht kam auf 1,1 Millionen. Alles basiert mangels Unterlagen auf Schätzungen. Und eben die stellten Sevims Anwälte infrage. Einer ist der renommierte Strafverteidiger Hanns W. Feigen, der auch FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß und den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel verteidigt hat. Der BGH folgte der Argumentation, in Kurzform: Das Ausmaß des Schadens müsse geringer angesetzt werden. Das ist von entscheidender Bedeutung: Es gilt die Faustregel, nach der wer mehr als eine Million Euro Steuern hinterzieht, mit einer Haftstrafe rechnen muss. Da im Fall Sevim von einer anderen Berechnung und damit von einem geringeren Schaden auszugehen sein dürfte, ist der Knast wahrscheinlich vom Tisch. ca

Von Carlo Eggeling