Samstag , 31. Oktober 2020
Der Umschlag im Hamburger Hafen stagniert. Zwar sind die Zahlen insgesamt stabil, doch fällt die Hansestadt im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten zurück. (Foto: dth)

Der Druck bleibt hoch

Hamburg. Mit der relativ stabilen Entwicklung des Güterumschlags von 136,5 Millionen Tonnen im Hamburger Hafen 2017 bleibt auch der Druck auf die Weiterentwicklung der Hinterlandanbindung in Nordostniedersachsen per Bahn, Binnenschiff und Lkw hoch. Das wurde jetzt bei der Jahrespressekonferenz des Hamburger Hafens im 20. Stock des Elb-Panorama im Atlantic-Haus deutlich. Und der Druck dürfte wachsen, sobald Hamburg die Elbvertiefung umsetzen kann. Wirtschaftssenator Frank Horch rechnet mit dem Baurecht noch in diesem Jahr. Gegenüber der LZ äußerte er sich zudem hoffnungsvoll, dass es bei der Infrastruktur der Hafenhinterlandanbindungen zu guten Entwicklungen komme.

Die Zukunft der Hinterlandanbindung

Mit Blick auf den heiß diskutierten Schienenausbau rund um Alpha-E, zu dem auch ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen gehören könnte, sagte Horch, dass noch Untersuchungen vom Bund durchgeführt werden müssen. Aber: „Wir sollten uns grundsätzlich den Weg für die Zukunft nicht verbauen.“ Er zog eine Parallele zur Fahrrinnenanpassung in der Elbe, die „signifikant zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes und damit zum Wohlstand beiträgt“.

Anteil der Bahn zurückgegangen

Aber auch ohne Wachstumsschub durch eine Elb-Vertiefung, die größeren Container-Schiffen die Zufahrt zum Hamburger Hafen ermöglichen würde, ist der Containerverkehr im Hinterland insgesamt gestiegen: Es wurden 5,6 Millionen TEU („Twentyfoot-Equivalent-Unit“/20-Fuß-Standardcontainer) per Bahn, Lkw und Binnenschiff zwischen Zielen im Inland und dem Hamburger Hafen transportiert. Das ist ein Plus von 0,4 Prozent.

Nur der Anteil der Bahn ist 2017 zurückgegangen: 2,33 Millionen TEU (-1,1 Prozent) und in Tonnen waren es 45,5 Millionen Tonnen (-1,9 Prozent). „Doch das liegt an der Performance der Bahn an einigen Stellen“, sagte Ingo Egloff, Vorstand der Hafen Hamburg Marketing. Ein Grund seien beispielsweise wiederkehrende Streckensperrungen infolge von Sturmschäden gewesen. „Aber auch die Behinderungen, die wir im Verkehr mit Bremerhaven hatten. Beide Häfen hängen teilweise an gleichen Linien dran. Das hat dazu geführt, dass ein Teil auf Lkw umgeroutet wurde, was normalerweise mit der Bahn transportiert wird.“ Egloff: „Wir hoffen, dass diese Probleme in diesem Jahr beseitigt werden, sodass wir im Bahnverkehr wieder zulegen werden.“ Gemeinhin gilt der Hamburger Hafen auch als Europas größer Eisenbahnhafen. Für den Lkw im Hinterlandverkehr errechnete die Hafen-Marketing für 2017 insgesamt 3,2 Millionen TEU ( + 0,6 Prozent).

Güterverkehr parallel zur A7?

Zudem hat die Hafenwirtschaft in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, im Verkehrsmix das Binnenschiff weiter zu stärken. Auch in Erwartung des Schleusenneubaus bei Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal. Zwar liegen die endgültigen Zahlen für 2017 erst im April/Mai vor. Eine Schätzung, basierend auf den Ergebnissen der ersten neun Monate 2017, geht aber davon aus, dass insgesamt 121 300 TEU per Binnenschiff vom und zum Hamburger Hafen transportiert wurden. Das wäre eine Zunahme von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2016. Gleichzeitig gingen die in den Containern beförderten Gütertonnen um 4,2 Prozent zurück auf 11,48 Millionen Tonnen. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Uelzen wurden 2017 rund 118 000 TEU allein über den Elbe-Seitenkanal abgewickelt (LZ berichtete).

Mit Blick auf den angedachten Schienenausbau auch in der Lüneburger Region, sagte Egloff: „Hamburg hat sehr deutlich gemacht, dass wir Zweifel haben, dass das, was da bis 2030 geplant ist, ausreichend ist.“ Deswegen hätten die Hamburger ihren Vorschlag, eine neue Bahntrasse für den Güterverkehr parallel zur A7 zu verfolgen, bei der Bundesregierung platziert. Da das, anders als Alpha-E, aber nicht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans steht, „setzen wir erstmal auf den Ausbau des Ostkorridors, das heißt eine parallele Nordsüdverbindung bis nach Bayern und bis zur österreichischen Grenze“, die über Magdeburg, Erfurt und Hof führt. Gleichwohl sei die Bahn-Hauptachse Hamburg-Hannover von immenser Bedeutung. Wirtschaftssenator Horch sagte: „Die Hinterlandanbindungen sind nicht nur für Hamburg wichtig, sondern insgesamt für Deutschland und Nordeuropa.“ Denn: „Personen- wie Güterverkehre werden steigen, deshalb müssen wir auch die Voraussetzungen dafür schaffen.“

Hintergrund

Hamburg hofft auf die Elbvertiefung

Der Hamburger Hafen ist im Konkurrenzkampf mit den großen Containerhäfen in Nordwesteuropa weiter zurückgefallen. Das teilte die Marketing-Gesellschaft des Hafens jetzt in der Hansestadt mit. Während Wettbewerber wie Rotterdam und Antwerpen zulegten, sank der Güterumschlag in Deutschlands größtem Hafen im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 136,5 Millionen Tonnen. Auch beim Containerumschlag, der bereits seit Jahren stagniert, gab es in Hamburg Einbußen von einem Prozent. Mit 8,8 Millionen Standardcontainern lag der Umschlag unter den Mengen von 2011.

Hamburgs
Wirtschaftssenator
Frank Horch (parteilos).
Foto: dth

Zumindest teilweise besser sieht es da in den niedersächsischen Seehäfen aus. In Brake, Cuxhaven, Emden, Leer, Nordenham, Oldenburg, Papenburg, Stade und Wilhelmshaven wurden nach Informationen des Sea­ports Niedersachsen im vergangenen Jahr insgesamt 5,7 Millionen Tonnen Stückgut umgeschlagen – Minus 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutliche Einbußen gab es dagegen bei den Massengütern wie Rohöl und chemischen Grundstoffen: Hier sank der Gesamtumschlag von 25,7 auf 23 Millionen Tonnen.

Zuversichtlich zeigte sich beim Blick auf die Bilanz des Hamburger Hafens Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Er rechnet damit, dass mit dem Beginn der Elbvertiefung das Wachstum wieder anzieht. Der Hafen sei nach dem Ausbau der vergangenen Jahre Vorreiter bei der Digitalisierung und Nachhaltigkeit. „Der Erfolg eines Hafens ist nicht allein an der Zahl der umgeschlagenen Container zu messen“, sagte Horch.

Im Vergleich mit den größten Konkurrenten Rotterdam (plus 10 Prozent beim Containerumschlag) und Antwerpen (minus 4 Prozent) hinkt Hamburg jedoch deutlich hinterher. Insgesamt werden in Rotterdam 50 Prozent mehr Container umgeschlagen als in der Hansestadt. rnd/dpa

Von Dennis Thomas