Montag , 28. September 2020
Dieses Foto entstand in der CU Arena in Hamburg. Wo die SVG Lüneburg ihre Heimspiele künftig austrägt, ist offener denn je. (Foto: Daniela Behns)

Steht die SVG Lüneburg vor dem Absprung?

Lüneburg. „Wir holen uns damit die Bundesliga nach Lüneburg“, sagte der Erste Kreisrat Jürgen Krumböhmer bei der Sondersitzung des Hochbau ausschusses zum Thema „Arena Lüneburger Land“. Gemeint war damit der große Hamburger Konzertveranstalter FKP Scorpio, auf dessen Unterschrift unter den Betreibervertrag Krumböhmer händeringend wartet. Die Frage ist aber: Wird die sportliche Bundesliga, nämlich die Volleyball-Bundesliga in Form der SVG, auch in Lüneburg bleiben?

Denn die SVG hat mit den bei der Sitzung vorgetragenen Rahmenbedingungen „erhebliche Bauchschmerzen“, so Geschäftsführer Andreas Bahlburg. Er bezeichnete das angedachte Nutzungskonzept gegenüber der LZ sogar als „Worst Case Szenario“, den schlechtesten Fall.

Ist die Halle noch hilfreich?

Der Fokus der Nutzung liegt wie berichtet auf kommerziellen Veranstaltungen. Von 120 bis 150 pro Jahr ist die Rede. Dazu zählen auch die Bundesliga-Heimspiele der SVG, nicht aber der Trainingsbetrieb. Der ist nach den bisherigen Überlegungen nur nach Absprache mit dem Betreiber und bei freien Hallenkapazitäten möglich. Genau da setzt Bahlburg mit seiner Kritik an. „Wenn wir in der neuen Halle nicht einmal trainieren können, hat jedes Heimspiel den Charakter eines Auswärtsspiels für uns. Dann könnten wir auch sonstwo spielen“, sagte er bereits während der Sitzung.

Ein Satz der nachhallt, und der die Frage aufwirft: Steht die SVG vor dem Ausstieg aus dem Projekt? Bahlburg sagt es so: „Unter den gegebenen Bedingungen müssen wir uns überlegen, ob die Halle uns beim Bundesliga-Betrieb überhaupt noch hilft und ob wir die Bundesliga hier überhaupt noch durchführen können.“ Stein des Anstoßes ist aus SVG-Sicht auch der Hallenboden. Auf dem Betonboden, der für das schwere Gerät bei Konzertveranstaltungen benötigt wird, muss vor jedem Training und vor jedem Spiel ein mobiler Sportboden verlegt werden. Die Kosten dafür betragen etwa 4000 Euro pro Verlegung und würden an der SVG hängenbleiben. „Das können wir uns gar nicht leisten“, sagt Bahlburg. Demnach würde ein Heimspiel inklusive der Hallenmiete schon einmal per se mit einem Betrag von bis zu 10 000 Euro zu Buche schlagen. Etwa 1000 Zuschauer pro Spiel bräuchte die SVG laut Bahlburg, um allein nur diese Kosten zu decken.

Keine Halle im Kreis entspricht Anforderungen

Ein ständiges Ausweichen in andere Hallen in Stadt oder Landkreis Lüneburg zum Training ist für Bahlburg keine Option: „Es gibt im Landkreis keine Halle mit einer Deckenhöhe von neun Metern, so wie es den Anforderungen entspricht.“ Auch aus sportlicher Sicht ergibt es wenig Sinn, unter der Woche in kleineren Hallen zu trainieren. Denn gewisse Spiel-Abläufe lassen sich in Hallen ohne entsprechende Deckenhöhe kaum einüben – jedenfalls nicht auf Bundesliga-Niveau.

Die ursprüngliche Idee eines Arena-Baus war es einmal, den Volleyballern eine ligataugliche Heimspiel-Halle zu schaffen. Jetzt ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die SVG in dieser Halle gar nicht spielt.

Von Matthias Sobottka