Donnerstag , 24. September 2020
Architekt Herbert Buddelmeyer erläutert den derzeitigen Stand der Hallenplanung. Auch Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Landrat Manfred Nahrstedt und Ausschussvorsitzender Hans-Georg Führinger (v.l.) hören interessiert zu. Foto: t&w

Warten auf ein Ja des Betreibers

Welche grundlegenden Beschlüsse gibt es bereits?

Der Kreistag hat am 16. Juni 2017 beschlossen, eine multifunktionale Sport- und Veranstaltungshalle an der Lüner Rennbahn zu bauen. Am 22. Juni 2017 beschloss der Lüneburger Stadtrat, sich vertraglich unter anderem mit 40 Prozent der Baukosten zu beteiligen.

Für welchen Zweck wird die Halle gebaut?

Der Fokus liegt auf kommerziellen Veranstaltungen. Die Rede ist von 120 bis 150 pro Jahr. Neben Konzerten zählen auch Heimspiele des Volleyball-Erstligisten SVG Lüneburg als kommerzielle Veranstaltungen. Der Trainingsbetrieb zählt nicht dazu. Ursprünglich war die Antriebsfeder für das Projekt, den Volleyballern eine heimische Spielstätte zu errichten, die ligatauglich ist, um eine Abwanderung nach Hamburg zu vermeiden.

Welche Änderungen an der Bauplanung hat es gegeben?

Unter anderem soll die Hallen­decke nicht nur über dem geplanten Spielfeld erhöht ausgebaut werden, sondern auch über dem Bühnenbereich. Zudem soll die Traglast der Deckenkonstruktion für Technikinstallationen erhöht und leistungsfähigere Stromanschlüsse eingebaut werden. Neu aufgenommen wurde der Bau einer Vollküche. Für den geplanten Catering-Betrieb soll auch der Lastenaufzug größer dimensioniert werden. Abstriche gibt es im Bereich der geplanten Büroräume. Und die Umkleideräume für die Sportler sollen mit mobilem Mobiliar ausgestattet werden, damit der Platz bei Konzerten auch für den Backstage-Bereich genutzt werden kann.

Die bereits von der Stadt Lüneburg erteilte Baugenehmigung soll im laufenden Prozess angepasst werden.

Wie teuer soll die Arena insgesamt werden und wer zahlt?

Der Landkreis geht von Bau- und Planungskosten in Höhe von 10,25 Millionen Euro netto aus. Den Löwenanteil trägt der Landkreis. Die Stadt Lüneburg beteiligt sich mit 40 Prozent an den Kosten, hat ihren Anteil aber gedeckelt. Die Umplanungen kosten weitere rund 400.000 Euro. Für das Grundstück wurden 1,5 Millionen Euro ausgegeben.

Welche Pachteinnahmen erwartet der Landkreis Lüneburg?

Über die mit FKP Scorpio vereinbarten Pachtzahlungen schweigt sich der Landkreis aus. Laut Erstem Kreisrat Jürgen Krumböhmer ist es schon ein Gewinn, wenn der Hallenbetrieb nicht umfangreich bezuschusst werden muss. Andere Kommunen würden jährlich eine sechsstellige Summe draufzahlen. Nach LZ-Information war bereits im Sommer 2017 intern von Pachteinnahmen in Höhe von 180.000 Euro jährlich die Rede. Der Betreibervertrag soll zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren haben, mit Option auf Verlängerung.

Welche Kostenrisiken gibt es und wer trägt sie?

Da der Anteil der Hansestadt gedeckelt ist, liegt das volle Kostenrisiko beim Landkreis Lüneburg. Der Baubranche geht es derzeit relativ gut, deshalb steigen auch die Preise für Handwerksbetriebe. Wie sich das auf die Arena-Kosten auswirken wird, werden die Ausschreibungsergebnisse zeigen. Bereits im November hatte Krumböhmer gegenüber der LZ eingestanden: „Wenn die Unternehmen uns die Preise um die Ohren hauen, müssen wir noch mal vor die Politik treten und fragen, ob wir das so wollen.“

Ist der Betreibervertrag schon unterschrieben?

Immer noch nicht. Ursprünglich sollte der ausverhandelte Vertrag mit FKP Scorpio bereits im Sommer 2017 den Kreistagsgremien zum Beschluss vorgelegt werden. Doch die Verhandlungen zogen sich hin. Die Ausschreibung für den Arenabetrieb hatte der Konzertveranstalter gewonnen, als der bis über beide Ohren in der Festivalsaison steckte und unter anderem das Rolling-Stones-Konzert im Hamburger Stadtpark vor der Brust hatte. Nach einer zwischenzeitlichen Gesprächspause stiegen beide Seiten in die Umplanung des Arena-Entwurfs ein. Ende 2017 standen noch juristische Fragen zur Klärung an, die Präsentation des Vertrags wurde ein ums andere mal verschoben. Zuletzt sollten Berechnungen des Konzertveranstalters abgewartet werden, der für den Betrieb einen Businessplan erstellt.

Wie soll die Arena heißen?

Der Arbeitstitel lautet bisher „Arena Lüneburger Land“. Der künftige Name hängt davon ab, welcher Hauptsponsor dafür gewonnen wird. Die Kreisverwaltung geht bislang davon aus, durch Namenssponsoring einen Teil des Inventars zu finanzieren. Im Raum steht eine Summe in Höhe von rund 800.000 Euro.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Derzeit werden die ersten Ausschreibungen vorbereitet. Die Ausschreibung für die Erdarbeiten soll ab 2. März beginnen – das Auftragsvolumen beträgt geschätzte 180.000 Euro. Und ab 22. März soll die Ausschreibungsfrist für den Rohbau beginnen bei einem Auftragsvolumen von rund zwei Millionen Euro. Läuft alles glatt, könnte der Baubeginn im August erfolgen. Die Fertigstellung des Baus würde dann im August 2019 erwartet. Der Betrieb könnte dann im Herbst 2019 starten.

Wird es in der Arena einen Sportboden geben?

Ja, einen mobilen. Als Grundboden wird auf Beton gesetzt, damit auch schwere LKW größere Bühnenaufbauten für einzelne Konzerte direkt in die Halle fahren können. Die Verlegung des mobilen Sportbodens koste jedes Mal 4000 bis 5000 Euro. Für einen Trainingsbetrieb würde sich das wohl kaum lohnen.

Welches Gewicht haben die Volleyballer beim Hallenbetrieb?

Offiziell haben sie aus Sicht des Landkreises „oberste Priorität“. Praktisch werden sie aber nur die zweite Geige spielen. Das hängt mit den Planungen des Konzertveranstalters als Betreiber zusammen. „Der Buchungsvorlauf für Kulturveranstaltungen ist ab einem bestimmten Niveau meist länger als die Festlegung des Rahmenspielplans oder des konkreten Spielplans der Volleyball-Bundesliga“, sagt Krumböhmer. Ein Direktzugriffsrecht der Volleyballer sei bisher nicht gefordert worden. Im Klartext: Wenn die Halle nicht schon längerfristig für große Konzerte verplant ist, können die Volleyballer ihre Heimspiele dort austragen. Und auch der Trainingsbetrieb ist nur nach Absprache mit dem Betreiber und bei freien Hallenkapazitäten möglich.

Welche Rolle spielt Schulsport bei der geplanten Arena?

So gut wie keine mehr. Durch den zwischenzeitlichen Bau der neuen Sporthalle an den Berufsbildenden Schulen (BBS) gebe es nun gar keinen Bedarf mehr für Schulsportunterricht in der Arena, so Krumböhmer. Denkbar seien noch schulübergreifende Ballsportturniere.

Wie wird das Parkplatzproblem gelöst?

Rechtlich erforderlich sind 700. Auf und neben dem Gelände sind zirka 500 Parkplätze. Der restliche Bedarf soll über einen Shuttle-Service abgedeckt werden, der im Ticketpreis für große Veranstaltungen enthalten sein soll. Ungeklärt sind die Folgen für die Kreuzung Lüner Rennbahn.

Von Dennis Thomas

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