Donnerstag , 24. September 2020
So könnten die Wasserspiele vor der IHK in Lüneburg aussehen. (Fotomontage: Stadt Lüneburg)

Es soll nun doch noch sprudeln

Lüneburg. Es ist noch nicht lange her, da wurden die Pläne für einen Brunnen vor der Indus­trie- und Handelskammer nach nicht enden wollenden Diskussionen über dessen Gestaltung zu den Akten gelegt. Entnervt hatte zuletzt der Verein Lüneburger Kaufleute sein als Geschenk an die Stadt gedachtes Engagement eingestellt. Nun ist das Thema erneut auf der Tagesordnung, jetzt ist es die Stadt selbst, die trotz leerer Kassen den Vorstoß wagt – und mit ihren Vorstellungen auf erste Zustimmung stößt.

Ein „Gestaltungselement im urbanen Raum“, eine „Verbesserung des Klimas“, ein „Spielelement für Kinder“, eine „beruhigende Wirkung“. Fachbereichsleiterin Uta Hesebeck wurde nicht müde, den Mitgliedern des Kultur- und des Umweltausschusses in gemeinsamer Sitzung die Vorteile eines Wasserspiels schmackhaft zu machen. Schon seit langem gibt es Pläne, ein wassersprudelndes Element in der Innenstadt zu installieren. Doch sowohl frühere Initiativen der Stadt selbst als auch die des Vereins Lüneburger Kaufleute versandeten ergebnislos.

In den Blick genommen hat Hesebeck nun erneut den Platz Am Sande, nachdem der Rathausplatz, die Große Bäckerstraße und die Grapengießerstraße verwaltungsintern verworfen wurden. „Der Platz Am Sande kann ein bisschen aufgewertet werden“, begründete sie die Entscheidung, die freie Sicht zur Johanniskirche und zur IHK würde nicht gefährdet.

Zehn kleine Fontänen spritzen vor der IHK

Geplant ist auf dem Platz vor der IHK die Installation eines Wasserspiels mit zehn kleinen, ebenerdigen und etwa zwanzig Zentimeter hochsteigenden Fontänen, angeordnet in einem rechtwinkligen Feld mit Ausrichtung auf den Sand. Bezüge zur Geschichte der Stadt sollen durch farbige, das Fontänenfeld einfassende Steinsalzbrocken hergestellt werden. Die Fontänen selbst versteht Hesebeck als „Darstellung von historischen Solequellen“. Mehrere Granitwürfel sollen Sitzmöglichkeiten bieten, in den Wintermonaten soll statt der Fontänen eine Beleuchtung für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen.

Ob die Fontänen dauerhaft von Frischwasser gespeist werden oder durch ein aufwendiges unterirdisches Rücklaufsystem mit Wasserreservoir und Wasseraufbereitung, soll in den kommenden Monaten geklärt werden. Eine Kostenschätzung legte Uta Hesebeck deshalb noch nicht vor.

Er habe die Probleme mit dem zuletzt geplanten Brunnen an gleicher Stelle noch gut in Erinnerung, sagte Ralf Gros (Grüne) in Anspielung auf die zahlreichen Diskussionen in Politik und Bürgerschaft über die Gestaltung des damaligen Entwurfs. „Hier gibt es offenbar deutlich weniger Konflikte“, sagte Gros. Er empfahl aber die frühzeitige Einbindung der Denkmalschutzbehörde. Bei Oberbürgermeister Ulrich Mädge stieß er damit auf wenig Gegenliebe, die Stadt habe selbst eine solche Behörde. Erst wenn die entschieden habe, könne die übergeordnete Behörde dazu Stellung nehmen.

„Joint Venture“ mit den Kaufleuten

Bei Christel John (CDU) kam das Wasserspiel gut an, „ein sehr schönes Objekt, bei dem vermutlich einzig einige Eltern Kritik äußern werden“. Auch ihrem Fraktionskollegen Rainer Mencke gefallen Ort und Objekt. Er schlug auch ein „Joint Venture“ mit dem Verein Lüneburger Kaufleute vor, dem er selbst als Mitglied angehört. Mit dem Präsidenten sei die Stadt bereits in enger Abstimmung, erwiderte Mädge, den Plänen stehe der Verein positiv gegenüber.

Kritik an der Gestaltung gab es von der AfD. Prof. Dr. Gunter Runkel passte der Kontrast eines modernen Wasserspiels vor historischen Giebeln nicht. Er plädierte für eine Renaissance-Schale, bekam dafür aber eine Abfuhr von der Ausschussvorsitzenden Birte Schellmann (FDP). Sie selbst begrüße den Entwurf, „auch, weil er für Kinder ist“.

Ernst Bögershausen (Grüne) lobte das Projekt, schließlich würde dadurch auch Feinstaub aus der Luft gebunden. Auch bei Ulrich Blanck (Grüne) kam das Wasserspiel gut an, den Schrangenplatz aber hätte er wegen der „höheren Aufenthaltsqualität“ passender gefunden.

Angaben zu den Kosten fehlen Politikern noch

Stefan Minks (SPD) warnte schließlich, nicht erneut eine Brunnendiskussion loszutreten, allerdings vermisste er Angaben zu Kosten und Finanzierung. „Wir sind im Gespräch, auch mit dem Verein Lüneburger Kaufleute“, sagte Mädge.

Gegen die Stimme der AfD stimmten die Ausschüsse dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu, das Wasserspiel detailliert zu planen, Kosten zu ermitteln, Fördermittel einzuwerben und die Kosten in den Haushalt für 2019 einzustellen.

Von Ulf Stüwe