Montag , 21. September 2020
Vor dem Verlagsgebäude der EJZ soll am Freitag demonstriert werden. (Foto: ejz)

Autonome rufen zur Demo vor Elbe-Jeetzel-Zeitung auf

Lüchow. Die Vorwürfe des autonomen Infoblogs gegen die Elbe-Jeetzel-Zeitung in Lüchow wiegen schwer: Sie sei „brav auf der repressiven Welle der Berichterstattung zum G20“ mitgeschwommen und habe „unhinterfragt die PR-Offensive der Polizei übernommen.“ Deswegen ruft die Seite „Kein ruhiges Hinterland“  im Internet zur Demonstration auf: Am Freitag, 2. Februar, der Start ist vor dem Verlagsgebäude der kleinen Zeitung. Die Polizei rechnet mit 30 bis 40 Demonstranten – angemeldet ist die Veranstaltung nicht.

Warum ausgerechnet die EJZ?

Die EJZ hatte am Dienstag deswegen eine Besprechung mit der Polizei. Redaktionsleiter Benjamin Piel: „Wir werden am Nachmittag unsere Autos umparken.“ Denn erfahrungsgemäß seien diese ein Angriffsziel für die Szene, außerdem solle auch Platz für Polizeiautos enstehen. Ansonsten sieht der Redaktionsleiter diesem „besonderen“ Freitag aber gelassen entgegen.  Ihn erstaunt dennoch, dass es überhaupt zu so einer Situation gekommen ist: „Unsere Berichterstattung zu den G-20-Protesten in Hamburg war moderat.“ Selbst als in Hitzacker ein mutmaßlich gewalttätiger Demonstrant der Hamburger Proteste festgenommen wurde, habe die Zeitung weder ein Foto noch einen Namen veröffentlicht und objektiv berichtet. Und auch sonst habe die Zeitung sich früh den Stimmen aus dem linken Spektrum geöffnet – schließlich sei der Landkreis dank der Anti-Atomkraft-Bewegung für seine hauptsächlich linke Protestkultur bekannt. „Ich hätte eine solche Demonstration eher in Berlin vor dem Axel-Springer-Gebäude erwartet als hier“, sagt Piel.  Sollte die Demonstration friedlich verlaufen, wäre er auch zum Dialog bereit. „Ich könnte mir vostellen, vor die Tür zu gehen.“

Der Polizei ist die angekündigte Demo – ebenso wie der Blog, der dahinter steckt – schon lange bekannt. „‚Kein ruhiges Hinterland‘ ist in der Region schon oft in Erscheinung getreten“, sagt Sprecher Kai Richter.  Deren Demonstrationen seien oft friedlich verlaufen, vereinzelt sei es zu Rechtsbrüchen gekommen. Die Polizei erwartet am Freitag keine Krawalle vor der EJZ. „Das ist ein regionales Ereignis, wie es schon oft vorgekommen ist – mit einem besonderen Startpunkt.“ row