Dienstag , 22. September 2020
David Schomburg, er bietet Medienkompetenztraining an, überprüft die Sicherheitseinstellungen von Torben Lüllau. Der Round Tabler möchte Schulen ein solches Coaching finanzieren. (Foto: t&w)

Vorsicht bei der Abo-Falle

Lüneburg. Kettenbriefe, Abo-Fallen, eine falsche Sicherheitseinstellung bei Whatsapp: Unwissenheit im Umgang mit Handys kann verheerende Folgen haben. Kinder und Jugendliche wissen nicht, wie sie auf wiederkehrende Zahlungsaufforderungen oder gar einen Virus reagieren sollen. Sie nutzen ihr Handy, um mit Freunden zu chatten, Bilder und Videos auszutauschen oder im Internet zu stöbern. Bereitwillig werden persönliche Daten im Netz preisgegeben, der Grund wird nur selten hinterfragt. Der Service-Club Round Table 70 Lüneburg möchte Schulen deshalb ein Medienkompetenztraining finanzieren. Das Angebot richtet sich an Fünft- und Sechstklässler, für insgesamt zehn Klassen übernehmen die Round Tabler die Kosten.

Torben Lüllau hält Aufklärung bei der Handy-Nutzung für wichtig, „vor allem, weil das Thema zukünftig noch an Relevanz gewinnen wird“. Um sich von dem Training, das David Schomburg und Dörte Christensen ursprünglich für die Wilhelm-Raabe-Schule entwickelt hatten, zu überzeugen, durfte das Mitglied des Service-Clubs jetzt im Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck live dabei sein. „Vieles habe ich gleich auf mein eigenes Nutzungsverhalten projiziert“, sagt Lüllau, „ich habe beispielsweise gleich meine Sicherheitseinstellungen bei Whatsapp überprüft und nutze jetzt auch Alternativen.“

Wissenslücken auch auf Elternseite

Ein wichtiges Kriterium für unterstützenswerte Projekte sei die Nachhaltigkeit, betont Johann Gerhard. Auch er gehört zu den Lüneburger Round Tablern. „Das Ziel eines solchen Trainings ist es, Kinder und Jugendliche nachhaltig zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass Vorsicht geboten ist.“ Mit entsprechenden präventiven Maßnahmen könnten große Schäden abgewendet werden.
Sechs Schulen in Stadt und Landkreis haben ihre Fünft- und Sechstklässler bereits das Programm „Begleitet durch den Mediendschungel“ durchlaufen lassen. Seit zwei Jahren bieten Schomburg und Christensen ihr Medienkompetenztraining an. „Die Erfahrung zeigt, dass es auch auf Elternseite große Wissenslücken gibt. Von vielen Gefahren sollte man aber zumindest mal gehört haben“, betont Schomburg, der gemeinsam mit Dörte Christensen das Selbstlernzentrum der Wilhelm-Raabe-Schule leitet.

Er ist dort für jegliche Fragen der Technik zuständig, in der Vergangenheit musste er aber auch immer wieder Schülern bei Problemen mit ihren Handys helfen. So sei im vergangenen Herbst ein Achtjähriger zu ihm gekommen, der einen Kettenbrief erhalten hatte und nicht weiter wusste. „Es ging dabei um einen kleinen Jungen ohne Arme und Beine, die Schüler wurden aufgefordert, den Brief weiterzuleiten, ansonsten würde sie der Junge nachts aufsuchen“, sagt Schomburg.

Auch Positives an Medien hervorheben

Sinn des Medienkompetenztrainings sei es, möglichst frühzeitig aufzuklären. „Wir wollen nicht erst dann reagieren, wenn schon etwas passiert ist“, betont Christensen, „natürlich ist das Training aber auch keine Garantie dafür, dass es in solchen Klassen nie zu Cybermobbing kommt.“ Bei all der Aufklärung, die sich unter anderem um Gefahren, App-Rechte, Sicherheit von Wisch-Mustern oder Codes oder persönliche Daten dreht, möchte das Duo aber auch das Positive der Mediennutzung hervorheben. „Das ist nicht nur gefährlich, es macht auch Spaß.“

Schulen, die das Angebot gern in Anspruch nehmen würden, können sich per E-Mail unter praesident@rt70.de an die Round Tabler wenden. Der Club trifft dann eine Auswahl und gibt den entsprechenden Schulen eine Rückmeldung.

Von Anna Paarmann