Samstag , 19. September 2020
Niels Webersinn hat am Montagabend seine Ämter in der Lüneburger CDU-Stadtratsfraktion niedergelegt. (Foto: A/t&w)

Lüneburgs CDU-Chef wirft das Handtuch

Lüneburg. Es sind ganze sieben Zeilen, die am späten Montagabend bei der LZ eingehen und die es in sich haben: Danach hat der CDU-Fraktionschef im Lüneburger Rat, Niels Webersinn, sein Amt „per sofort niedergelegt“ und angekündigt, ebenso sein Stadtratsmandat zum 1. Februar „aus persönlichen und beruflichen Gründen niederzulegen“.

Weitere Begründungen erfolgten nicht. In der von Fraktionsvize Henrik Morgenstern verschickten Erklärung heißt es nur: „Wir bedauern die momentanen Ereignisse und werden aus dieser anspruchsvollen Situation in unserer Geschlossenheit gestärkt hervorgehen.“ Webersinn selbst war nicht zu erreichen.

Konsequenzen einer Indiskretion

Der 37-Jährige zieht damit die Konsequenzen aus einer Indiskretion, die über das Wochenende die Lüneburger Christdemokraten erschüttert hat. Die LZ zitierte in ihrer Sonnabendausgabe aus dem Gesprächsverlauf einer fraktionsinternen WhatsApp-Gruppe. Aus dem der Redaktion anonym zugespielten Dokument geht hervor, dass ein vorzeitiger Rückzug von Dr. Gerhard Scharf innerhalb der CDU-Fraktion ernsthaft erwogen wird. Der Bürgermeister steht seit Tagen wegen seiner umstrittenen Äußerungen gegenüber einem rechten Blogger in der Kritik.

Webersinn sagte der LZ am Freitag: „Das macht mich natürlich nicht glücklich, dass jemand dies öffentlich gemacht hat.“ Wie inzwischen durchsickerte, soll jedoch der bisherige Fraktionschef selbst als „undichte Stelle“ identifiziert worden sein. Am Wochenende glühten deshalb die Drähte bei den Christdemokraten und der Druck auf Webersinn wuchs.

Morgenstern wollte dies am Abend nicht kommentieren. Er kündigte lediglich an, dass die Aufgaben bis zur Regelung der Nachfolge von seinen Stellvertretern übernommen würden.

Einer der Architekten des Jamaika-Bündnisses

Damit geht einer der Architekten des Jamaika-Bündnisses von CDU, FDP und Grünen nach der Kommunalwahl vom Herbst 2016 von Bord. Webersinn gehörte der CDU-Fraktion im Lüneburger Rat seit 2011 an. 2014 übernahm er deren Vorsitz.

Zuletzt musste der ambitionierte Webersinn politische Niederlagen verdauen. Bei der parteiinternen Nominierung als Landtagskandidat scheiterte er überraschend. Auch als Bundestagskandidat war er zuvor gehandelt worden, verzichtete darauf jedoch.

Ob Webersinn auch sein Amt als Chef des CDU-Stadtverbandes niederlegt, blieb zunächst offen. Über die Zukunft von Scharf debattierte die CDU-Fraktion am Montagabend nicht. Für diese Personalie blieb keine Zeit mehr.

Von Marc Rath

Mehr dazu am Mittwoch in der LZ sowie auf auf Blog.jj.