Samstag , 24. Oktober 2020
Die Linke möchte unter anderem die Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede wieder in Gang setzen. Zwei Mal hat bereits ein Probebetrieb stattgefunden. (Foto: be)

Es geht ein Zug nach…

Lüneburg. Ein deutliches Bekenntnis der Lüneburger Politik zur Reaktivierung der Bahnstrecken Lüneburg-Bleckede sowie Lüneburg-Amelinghausen für den Personennahverkehr fordert die Linke. Außerdem soll die Verwaltung weitere Gespräche in der Sache mit dem Landkreis und den zuständigen Stellen beim Land aufnehmen, beantragt die Fraktion zum Verkehrsausschuss. Damit soll ein Zug in Gang gesetzt werden. Der hat aber schon an Tempo aufgenommen, wie die Verwaltung deutlich macht. Das Gremium tagt am Dienstag, 23. Januar, ab 15 Uhr im Huldigungssaal.

Eine nachhaltige Verkehrsplanung für Lüneburg und Umland müsse neben dem Busverkehr auch das Verkehrsmittel Schiene stärker in die Betrachtung ziehen, sagt Michèl Pauly. Wissenschaftliche Erhebungen unter anderem von Prof. Dr. Peter Pez von der Leuphana zeigten, dass sich Berufspendler aus dem Lüneburger Umland nach Hamburg mehr für einen Umstieg innerhalb des Bahnverkehrs aussprechen als von der Bahn auf Landbusse. Außerdem machten die verkürzten Fahrtzeiten das Pendeln mit der Bahn attraktiver gegenüber dem Pendeln mit Auto oder Bus nach Lüneburg. Und Pauly greift eine Aussage von Oberbürgermeister Ulrich Mädge auf, wonach die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Bleckede eine gute Voraussetzung sei zur Ansiedlung von Wohnungsbau (LZ berichtete).

Keine Reaktion aus Hannover

Pauly verweist zudem darauf, dass Mädge sowie Bleckedes Bürgermeister Jens Böther sich wegen der Reaktivierung der Strecke bereits im Frühjahr an das niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsministerium gewandt hätten. Da die Reaktion bisher ausgeblieben sei, gelte es, die Bemühungen zu intensivieren und den Landkreis verstärkt ins Boot zu holen. „Die Politik ist mit einem deutlichen Bekenntnis pro Schienenverkehr gefordert“, sagt Pauly, „was auch als Wertschätzung des unermüdlichen Engagements der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) mit ihrer Tochter der Bleckeder Kleinbahn zu verstehen ist“.

Die Idee auf die Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken für den Personennahverkehr geht auf das Jahr 2013 zurück. Damals hatte sich Wirtschaftsminister Olaf Lies dafür ausgesprochen, Strecken in Niedersachsen auf den Prüfstand zu heben. Knapp gesagt schied die Strecke Lüneburg-Bleckede aufgrund einer Nutzwertanalyse aus und auch die Strecke Lüneburg-Soltau fiel runter. Die Teilstrecke Lüneburg-Amelinghausen wurde „leider nicht betrachtet“, wie die Verwaltung jetzt noch einmal in einer Stellungnahme deutlich macht.

 

 

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Motor für die Reaktivierung der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede war die AVL. Ihre Tochter Bleckeder Kleinbahn initiierte im Mai 2017 erstmals einen „S-Bahn“-Probebetrieb. In Folge und aufgrund eines Beschlusses des Verkehrsausschusses habe sich Oberbürgermeister Mädge für die Aktivierung der Strecken Lüneburg-Bleckede und Lüneburg-Amelinghausen starkgemacht. Am 7. Juli wandte er sich dazu mit einem Schreiben an Minister Lies mit der Bitte einer erneuten Prüfung. Da keine Antwort kam, schickte Mädge am 28. Dezember erneut einen Brief.

Auch wenn sich die Stadt gegenüber dem Land für eine Reaktivierung einsetze, so liege die Federführung beim Landkreis, da dieser Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr ist, macht die Stadtverwaltung deutlich. Nichtsdestotrotz sei der Oberbürgermeister fortlaufend im Gespräch mit Landesregierung, Landkreis, AVL und OHE, um sich für das Vorhaben einzusetzen.

Probebetrieb auf der Strecke Lüneburg-Bleckede

Inzwischen hat es wie berichtet einen zweiten „S-Bahn“-Probebetrieb auf der Strecke Lüneburg-Bleckede gegeben, inklusive Fahrgastbefragung. Die Ergebnisse werden ausgewertet und sollen dem Landkreis zur Verfügung gestellt werden. Der hat für 2018 im Etat 100 000 Euro bereitgestellt für eine Studie zur Reaktivierung alter Bahnstrecken durch die öffentliche Hand. Auch die Landesregierung habe sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Reaktivierung von weiteren Bahnstrecken und Haltepunkten bekannt, so die Stadt. Allerdings gebe es nicht nur Zuspruch für die Projekte. So waren kritische Stimmen im Ortsrat Oedeme im August 2017 laut geworden. Dort ging es um die Strecke Lüneburg-Amelinghausen auch unter den Aspekten Lärmschutz, Sicherheit an den Bahnübergängen und Auswirkungen für den Busverkehr. Und auch an der Strecke Lüneburg-Bleckede gibt es Initiativen, die unter anderem zusätzlichen Lärm befürchten.

Von Antje Schäfer