Dienstag , 29. September 2020
Der Leuphana-Professor Ulf Wuggenig hält Dr. Gerhard Scharf nach dessen Äußerungen im YouTube-Video eines Bloggers nicht mehr für das Bürgermeisteramt geeignet. (Fotos: be)

Uni-Professor Wuggenig fordert Rücktritt von Dr. Scharf

Lüneburg. Nach den umstrittenen Äußerungen des stellvertretenden Bürgermeisters Dr. Gerhard Scharf in einem YouTube-Video erntet der 78-Jährige jetzt auch Kritik von Leuphana-Professor Dr. Ulf Wuggenig. „Ein Bürgermeister, der sich als ehemaliger Direktor eines angesehenen Gymnasisums hingibt, derart unqualifizierte Interviewaussagen zu formulieren und auch diese noch für öffentlich vertretbar hält, ist meines Erachtens für sein Amt (nicht) mehr geeignet“, schreibt der Soziologe in einer achtseitigen Stellungnahme, die der LZ vorliegt.

Kritik an Ausdrücken wie „Riesentheater“

Darin kritisiert er unter anderem die „nicht haltbaren Verallgemeinerungen“, die Dr. Scharf im Gespräch mit dem selbsternannten „Volkslehrer“ über die Begleiter der Gäste aus Ozarichi im Sommer 2017 äußerte. „De facto waren im Rathaus im Einzelnen unter den „Begleitern“ durchaus sehr unterschiedliche erinnerungskulturelle bzw. -politische Positionen vertreten“, schreibt Wuggenig. Laut Scharf hätten diese „Begleiter“ jedoch ein „Riesentheater“ und einen „Skandal“ um die Kriegsverbrechen der 110. Infanterie-Division gemacht.  Wuggenig hingegen führte dazu aus, dass diese zu den „schwerwiegendsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht überhaupt“ gehören.

Zusammen mit weiteren Beispielen konstatiert Wuggenig: „Es lässt sich hier kaum etwas anderes erkennen, als eine in diskreditierender Absicht unternommene Stigmatisierung von Bürger_innen durch einen Bürgermeister.“

Prof. apl. Dr. Ulf Wuggenig war u.a. mitverantwortlich für die dreiteilige Ausstellung „Hinterbühne“ über die Verbrechen der NS-Herrschaft, die im Zentralgebäude der Leuphana zu sehen ist. red