Dienstag , 22. September 2020
Claus Carsten möchte wie viele andere, dass die Bäume an der Salzstraße Am Wasser erhalten bleiben. Foto: us

Bäume oder Parkplätze?

Lüneburg. Groß und grün prangen die beiden Schilder an den Bäumen, ihre Botschaft ein lauter Hilferuf: Rettet die Bäume in der Salzstraße Am Wasser. Aufgehängt hat sie Claus Carsten. Er und weitere Anwohner sorgen sich um den Bestand der alten Linden, seit die Stadt über ihre Pläne zur Neugestaltung der Straße im Wasserviertel informiert hat – und zwei der Bäume kurz darauf in der aktuellen Fäll-Liste auftauchten. Die Stadt versucht zu beschwichtigen, noch sei nichts beschlossen.

Anwohner befürchten, dass Fakten geschaffen werden

„Wir wollen alle Bäume möglichst erhalten“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck, lässt aber mit ihrer Aussage offen, ob es dazu auch tatsächlich kommen wird. Denn der Erhalt der Bäume sei nur ein Ziel neben vielen, und die lauteten: Barrierefreiheit, Befahrbarkeit für Radfahrer, Bedürfnisse der Anlieger, Denkmalschutz und nicht zuletzt der Brandschutz: „Die Straße muss auch nach der Neugestaltung ausreichend Aufstellfläche für große Feuerwehrwagen bieten, damit im Notfall Anwohner aus höheren Stockwerken sicher gerettet werden können.“

Wie berichtet, will die Stadt die Salzstraße Am Wasser und die angrenzende Baumstraße umgestalten, vor allem die bessere Befahrbarkeit der Holperstrecke für Radfahrer und die Steigerung der Attraktivität für die gastronomischen Betriebe stünden dabei im Mittelpunkt.

Auch Claus Carsten hält Brandschutz für wichtig, dass diesem aber drei große Linden zum Opfer fallen sollen, vermag er nicht einzusehen: „Sinnvoller wäre es doch, auf die Parkplätze in der Straße zu verzichten.“ Für die Anwohner würden die Plätze ohnenhin nicht benötigt, und für die in der Straße angesiedelte Gastronomie seien sie eher ein Hindernis und eine mögliche Gefahrenquelle.

„Bereits vor dem Umbau des Visculenhofs gab es hier 2013 eine Feuerwehrübung, doch offensichtlich sah man kein Problem, sonst hätte man ja damals schon reagieren müssen.“ Claus Carsten

Dass die Stadt nun ausgerechnet den Brandschutz als Fäll-Begründung anführt, will dem 74-jährigen Neu-Lüneburger ebenfalls nicht einleuchten: „Bereits vor dem Umbau des Visculenhofs gab es hier 2013 eine Feuerwehrübung, doch offensichtlich sah man kein Problem, sonst hätte man ja damals schon reagieren müssen.“ Natürlich sei der Brandschutz auch bislang gewährleistet gewesen, bemüht sich Suzanne Moenck zu bekräftigen, „aber vielleicht kann man das eine oder andere im Zuge der Neugestaltung der Straße ja noch besser machen“.

„Uns ist wichtig, dass hier keine Fakten geschaffen werden“, begründet Claus Carsten die Aktion, für die sich mehrere Anwohner zusammengeschlossen haben. Vor allem die Auflistung von zwei der drei Linden in der Baumfäll-Liste, die am 23. November im Umweltausschuss vorgestellt wurde, habe sie hellhörig werden lassen, nachdem dort bekannt wurde, dass einige der in der Liste aufgeführten Bäume bereits gefällt waren.

Brandschutz soll ausschlaggebend sein

Mit ihrem Anliegen stehen die Anwohner inzwischen auch nicht mehr allein da. Viele hätten sich der Plakat-Aufforderung, sich für die Rettung der Bäume in einer Unterschriftenliste einzutragen, angeschlossen. „Zu Beginn der Woche waren es 141 Unterschriften, die wir der Stadt übergeben haben“, sagt Claus Carsten. Dabei gehe es den Anwohnern aber nicht um Konfrontation, sondern um eine vernünftige Lösung für den Erhalt der Bäume, „und die sehen wir in dem Verzicht auf die Parkplätze“.
Noch sei das letzte Wort in dieser Sache nicht gesprochen, erklärt Suzanne Moenck und macht deutlich, dass letztlich die Frage des Brandschutzes ausschlaggebend sei: „Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, dass ein Baum fallen muss, dann aus diesem Grund.“

Von Ulf Stüwe