Mittwoch , 30. September 2020
Bargeld bei der eigenen Bank einzuzahlen, ist kein Problem. Beim Konto eines anderen Geldhauses wird es schon schwieriger. (Foto: A/t&w)

Bargeld lacht nicht immer

Lüneburg. Mal ist es der Erlös aus einem ebay-Verkauf, mal das Konfirmationsgeschenk von den Großeltern, mal mühsam Erspartes, oftmals aber Bares. Wer dieses lieber auf seinem Konto als unterm Kopfkissen aufbewahren will, hat in der Regel kein Problem, es einzuzahlen, sofern er Kunde einer ortsansässigen Bank ist. Anders sieht es für Kontoinhaber bei Direktbanken, also Geldinstituten ohne eigenes Filialnetz, aus: Sie stoßen auf unverhoffte Hindernisse oder kräftige Gebühren, wie eine Nachfrage in Lüneburg ergab.

„Bargeldeinzahlungen auf Konten anderer Geldinstitute sind bei uns nicht möglich“, sagt Steffen Müller, Sprecher der Lüneburger Sparkasse. Technisch sei das zwar kein Problem, „wir haben aber festgestellt, dass die Nachfrage nach dieser Dienstleistung stetig gesunken ist“. Als weiteren Grund nennt er die Verschärfung geldwäscherechtlicher Bestimmungen. So sieht es auch die in Lüneburg vertretene Sparda-Bank, die Einzahlungen von Nichtkunden an Nichtkunden ebenfalls ablehnt. „Wir sind angehalten, die Herkunft des Geldes zu hinterfragen“, sagt Sprecher Dieter Miloschik. Zwar könne man sich dazu auch die Personalien vorlegen lassen, doch hier sieht Miloschik eben auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Direktbanken: „Die werben mit kostenfreier Kontoführung, wir mit Service.“

Dienstleistungen nur für eigene Kunden

Dass sich Sparkassen sowie Genossenschafts- und Privatbanken von Direktbanken lieber absetzen und ihre Dienstleistungen nur den eigenen Kunden zugute kommen lassen wollen, ist beim Blick auf das stete Kundenwachstum der Direktbanken verständlich. Laut der vom Beratungsunternehmen Investors Marketing herausgegebenen „Direktbankenstudie 2017“ hatten die Direktbanken in Deutschland bei Girokonten Ende 2016 einen Marktanteil von rund sieben Prozent. „Die Gebührenerhöhungen bei Filialbanken haben den Direktbanken 2016 viele Neukunden beschert“, sagt Oliver Mihm, Vorstandschef von Investors Marketing, der Trend werde sich weiter fortsetzen. Er schätzt, dass der Kundenstamm der Direktbanken in drei Jahren auf 22 Millionen wächst.

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Zwar sei es für Kunden von Direktbanken ärgerlich, bei Bargeldeinzahlungen in die Röhre zu schauen, „die Weigerung der anderen Geldinstitute, Bareinzahlungen für Fremdkonten anzunehmen, ist aber zulässig“, erklärt Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Mit einem „kleinen Schachzug“ könne man dies aber umgehen: „Man lässt den Bargeldbetrag von einer Vertrauensperson auf deren Konto einzahlen und von dort aufs eigene Direktkonto überweisen.“ Doch auch solche Transaktionen sind laut Miloschik von der Sparda-Bank nur begrenzt möglich: „Häufen sich Bargeldeinzahlungen von Privatpersonen, wird dies vom jeweiligen Institut wegen Verdachts auf Geldwäsche registriert.“

Online-Banking boomt

Doch es geht auch anders: Die Commerzbank am Sand etwa lässt Einzahlungen von Nichtkunden auf ein Konto außerhalb des eigenen Hauses zu. Bis zu 14 999 Euro dürfen eingezahlt werden, allerdings sind die Gebühren happig: Zwei Promille des Einzahlungsbetrags fallen an, mindestens aber 15 Euro. Bei der Volksbank sind die Gebühren mit 1,75 Promille etwas günstiger, aber hier liegt der Höchstbetrag bei 999 Euro, wie Sprecher Joachim Matz erklärt. Inzwischen haben aber auch Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken verstanden, dass es gänzlich ohne Online-Banking nicht geht. Laut Statistik-Portal „statista“ lag die Zahl der Deutschen, die Online-Banking nutzen, Ende 2017 bei 42 Millionen, 2004 waren es noch 13 Millionen.

Mit von der Partie ist die Commerzbank. Sie hat mit ihrer Tochter Comdirect eine eigene Direktbank, bietet auch selbst Online-Banking an. „Damit sind unsere Kunden jederzeit und von jedem Ort der Welt aus in der Lage, Transaktionen vorzunehmen“, sagt Sprecherin Dagmar Baier. Diesen Vorteil hebt auch Steffen Müller von der Sparkasse hervor. Sollte dennoch ein Umzug außerhalb des Geschäftsbereichs der Lüneburger Sparkasse fällig werden, wird – wie bei anderen Geldinstituten auch – ein Umzugsservice angeboten. Verbraucherschützer Gernt rät daher, bei der Wahl einer Bank nicht nur auf die Gebühren zu schauen. „Bevor man sich festlegt, sollte man sich fragen: Was ist mir wichtig und auf welchen Service kann ich verzichten.“

Von Ulf Stüwe